Berlin startet mit drei Reallaboren in eine neue Phase angewandter Forschung, von wiederverwendeten Baustoffen über Grauwasserrecycling bis hin zu Drohnenlogistik. Die TU Berlin spielt dabei eine Schlüsselrolle als Innovationsplattform.

Besuch vor Ort: Wirtschaftssenatorin Giffey mit den Projektpartner*innen vom Reallabor „B(e)Ware – radikales Umdenken im Bausektor“, einem von drei Reallabor-Projekten, die der Berlinre Senat in den kommenden Jahren fördern will. / © Foto: TU Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
© Fotos: TU Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Die Hauptstadt wird zum Experimentierraum: Drei neue Reallabore – B(e)Ware, IWIQ und U-Space Berlin – starten nun in eine dreijährige Praxisphase, wie kürzlich TU Berlin und Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe in einer gemeinsamen Erklärung wissen ließen.
Ziel dieser Reallabore ist es, nachhaltige Innovationsansätze unter realen Bedingungen zu erproben, wie es heißt. Dafür stellt der Berliner Senat rund neun Millionen Euro bereit. Etwa 3,1 Millionen Euro davon gehen direkt an die Technische Universität Berlin, die an allen Projekten beteiligt ist.
Reallabor „B(e)Ware“: Gebrauchte Baustoffe als tragende Zukunft
Das „B(e)Ware“-Reallabor stellt nachhaltiges Bauen auf die Probe: Gebrauchte Holzbalken und Stahlträger sollen als tragfähige Konstruktionselemente eine Renaissance erleben, etwa im Pavillon TULIUM auf dem TU-Campus Charlottenburg, einer Wasserrettungsstation am Müggelsee und einem Werkstattgebäude der Jugendbauhütte.
Darüber hinaus werden zentrale Fragen bearbeitet: Wie lässt sich eine Infrastruktur zur Aufbereitung und Verteilung dieser Materialien aufbauen? Welche rechtlichen Hürden, insbesondere im Abfall- und Bauordnungsrecht, müssen gelöst werden? Das Projekt bringt Architekten, Ingenieure und Forschende zusammen, um kreislauffähiges Bauen in Berlin voranzubringen.
Projekt „IWIQ“: Wasser aufbereiten, Wärme nutzen und Ressourcen sparen
Das „IWIQ“-Projekt (Integrierte Wasser- und Wärmerückgewinnung im Quartier) testet in Bestandsgebäuden die Recycling-Technologie für Grauwasser, also leicht verschmutztes Wasser aus Duschen oder Waschmaschinen. Dieses Wasser wird aufbereitet, um daraus Wärme zu gewinnen und es wiederzuverwenden, beispielsweise für WC-Spülungen, Waschmaschinen oder zur Bewässerung.
Für die Umsetzung werden detaillierte 3D-Gebäudemodelle angelegt, die den Aufbau eines neuen Wasserkreislaufsystems ermöglichen. Ziel ist es, Wasser- und Energieverbrauch im Gebäudebestand erheblich zu reduzieren und damit eine Blaupause für klimaangepasstes Wohnen in Berlin zu schaffen.
Mobilitätskonzept „U-Space Berlin“: Drohnen für die urbane Logistik von morgen
Beim „U-Space Berlin“-Projekt steht die urbane Last-Mile-Logistik im Fokus – konkret: der Transport kritischer Güter wie Medikamente und Lebensmittel per Drohne. Getestet werden Transportstrecken im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Dabei werden auch Bürgerinnen und Bürger eingebunden, etwa bei der Festlegung von Flugrouten oder bei der Bewertung der Lärmbelastung.
Entwickelt wird zudem ein typenoffener Landeplatz, der in seiner Gestaltung einer Packstation ähnelt. Das Projekt erprobt damit nicht nur technische, sondern auch organisatorische Lösungen für eine sichere Integration von Drohnen in den städtischen Alltag.
Reallabore: Praxisnah, transdisziplinär, zukunftsöffnend?
Reallabore sollen ein innovativer Ansatz sein, um transdisziplinäres Lernen, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzubringen und Lösungen in realen Umgebungen zu testen. In Berlin ist eines der bekanntesten Reallabore das Vorhaben „Radbahn“ unter dem Viadukt der U1.
Dieser experimentelle Raum des Reallabors schafft schnelle Iterationen, Fehlertoleranz und praxisnahe Ergebnisse. Der Wettbewerb des Berliner Senats, der zur Auswahl der Projekte führte, verdeutlicht laut Senat den Anspruch, Berlin als Standort für nachhaltige Innovation zu stärken.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey: Förderung von „Innovationen Made in Berlin“
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte, dass mit den ausgewählten Reallaboren „Innovationen Made in Berlin“ gefördert werden, die von der Idee bis zur Anwendung reichen und einen direkten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität leisten sollen.
Die TU Berlin ist als Verbundkoordination bei B(e)Ware, Partner bei IWIQ und U-Space Berlin aktiv – und erhält dadurch maßgeblich Mittel und Verantwortung im Innovationsprozess. Mit der StadtManufaktur-Plattform vernetzt die Universität Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und soll damit eine zentrale Schnittstelle für angewandte Forschung in der Hauptstadt darstellen.
Ob nachhaltiges Bauen, Ressourcenschonung im Wasserhaushalt oder urbaner Drohnenverkehr: die drei Reallabore sollen zeigen, wie Zukunft in der Stadt konkret erprobt wird. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie wirtschaftlich tragfähig diese Konzepte sind und ob sich neue Märkte daraus entwickeln lassen.

Franziska Giffey mit den Projektpartner*innen vom Reallabor „IWIQ – Trinkwasserbezug um bis zu 60 Prozent reduzieren“ / © Foto: TU Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Quellen: TU Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
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