Frankfurt beweist, dass nachhaltige Stadtentwicklung durch Revitalisierung und Umnutzung von Bestandsgebäuden möglich ist. ENTWICKLUNGSSTADT stellt fünf wegweisende Projekte vor, die zeigen, wie sich urbaner Raum effizient und zukunftsfähig transformieren lässt.
LivinIt
Fürstenhof
CANYON-Areal
THE ADAM
Nau!

© Titelbild: depositphotos.com / katie.chizhevskaya

 

Rund 39 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen in der Baubranche, sowohl durch den Betrieb von Gebäuden als auch durch die Herstellung der Baumaterialien sowie die tatsächlichen Bau- und Abrissprozesse. Angesichts dieser Zahlen rückt das Bauen im Bestand zunehmend in den Fokus von Politik, Stadtplanung und Architektur.

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Das Umnutzen und zeitgemäße Revitalisieren bestehender Gebäude trägt nachweislich effizienter zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei als ein kontinuierlicher Zyklus aus Abriss und Neubau. Besonders in dynamisch wachsenden Städten wie Frankfurt gewinnt dieses Prinzip an Bedeutung. ENTWICKLUNGSSTADT stellt fünf Beispiele vor, bei denen die Revitalisierung im Mittelpunkt steht.

1. Projekt „LivinIt“ im Lyoner Viertel: Ehemaliges Bürohochhaus wird zu Micro-Apartments

Foto der "LivinIt" Baustelle im Frankfurter Lyonerviertel. (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

Noch ist das Gebäude in der Lyoner Straße im Frankfurter Stadtteil Niederrad von Baugerüsten umhüllt, doch bereits im Herbst dieses Jahres sollen die neuen Micro-Apartments bezugsfertig sein. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Im Stadtteil Frankfurt-Niederrad wird ein 41 Meter hohes Bürogebäude aus den 1980er Jahren in ein sogenanntes „Boarding House“ umgewandelt. Das Sanierungsprojekt „Livinit“ in der Lyoner Straße 11 soll Mitte des Jahres fertig sein. Statt Neubau setzt Investor Unimo auf ökologische Kernsanierung unter Erhalt der denkmalgeschützten Fassade.

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Künftig entstehen 375 möblierte Apartments für Hotel- und Gastro-Mitarbeitende, ergänzt durch Gemeinschaftsflächen, Gastronomie und Dachterrasse. Das Projekt steht stellvertretend für den Wandel des Lyoner Viertels vom Büro- zum gemischten Wohn- und Arbeitsquartier.

2. Historische Revitalisierung im Bahnhofsviertel: Fürstenhof-Umbau bis 2026 vorgesehen

Eine Viusalisierung des Revitalisierungsprojekts am Fürstenhof. (Quelle: Momeni)

So soll der revitalisierte Fürstenhof nach der Fertigstellung 2026 aussehen. Etwa 90 Prozent der Rohbausubstanz des Gebäudes aus den 1990ern sollen erhalten bleiben, unter anderem die denkmalgeschützte Sandsteinfassade. / © Visualisierung: Momeni

Der historische Fürstenhof an der Gallusanlage wird bis 2026 umfassend revitalisiert. Investor Momeni erhält die denkmalgeschützte Sandsteinfassade und große Teile der Rohbausubstanz, modernisiert jedoch Technik, Innenräume und Außenanlagen. Entstehen sollen hochwertige Büroflächen, Gastronomie und öffentlich zugängliche Bereiche im Erdgeschoss.

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An der prominenten Ecke Münchener Straße/Gallusanlage verwandelt sich das ehemalige Luxushotel, später Bürogebäude, in ein modernes Multi-Use-Objekt. Neben der Fassadensanierung entstehen ein unterirdischer Regenwasserspeicher und begrünte Freiflächen. Das Projekt will für den Wandel des Bahnhofsviertels und die Aufwertung historischer Bausubstanz durch zeitgemäße Nutzung stehen.

3. Brachliegende Fläche wird zu Beach-Club: Zwischennutzung bis zum Baustart 2026 vorgesehen

Ein Foto der Eingangspforte zum "Gibson Beach Club", ein Zwischennutzungsprojekt auf dem Canyon-Areal. (Quelle: ENTWICKLUNGSSTADT)

Eine belebende Zwischennutzung für die brachliegende Baustellenfläche des aktuell pausierten Hochhausprojekts „CAYNON“: An der Mainzer Landstraße 23 findet man nun einen temporären Beach Club und Padel-Plätze. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Revitalisierung mal anders gedacht: Neben dem Umnutzen alter oder leerstehender Gebäude können Revitalisierungen auch auf brachliegenden urbanen Flächen entstehen. Ein Vorzeigebeispiel ist die aktuelle Zwischennutzung auf dem Canyon-Gelände im Frankfurter Bankenviertel. Ursprünglich sollte hier bis 2026 das Hochhausprojekt „Canyon“ entstehen. Gestiegene Kosten, höhere Zinsen und das Fehlen eines Ankermieters führten jedoch zum Baustopp.

Bis zum Neustart belebt der Gibson Club das Areal mit Beachclub, Wintermarkt, Gastronomie und Padel-Plätzen. Die temporäre Nutzung zeigt, wie stillgelegte Flächen kreativ ins Stadtleben zurückgeführt werden können, auch wenn eine zeitliche Begrenzung vorliegt.

4. Revitalisierung im Frankfurter Stadtteil Gallus: Ehemaliges Posthaus wird zu „THE ADAM“

Eine Visualisierung des Revitalisierungsprojekts "THE ADAM". (Quelle: TEK TO NIK)

Bei dem Projekt „THE ADAM“ handelt es sich um die Komplettsanierung eines 83 m hohen Bestandsgebäudes mit ca. 18.000 Quadratmetren und 22 oberirdischen Stockwerken sowie 2 Untergeschossen. / © Visualisierung: TEK TO NIK

Das 1976 errichtete, 83 Meter hohe Hochhaus in der Hafenstraße wird seit 2024 von Aroundtown und dem Architekturbüro Tek To Nik umfassend modernisiert. Unter dem neuen Namen „THE ADAM“ (zuvor auch Projekt „Virage“ genannt) entsteht aktuell ein zeitgemäßes Mixed-Use-Gebäude mit rund 18.000 Quadratmetern Fläche. Eine zuvor durchgeführte Studie zeigte, dass die Sanierung gegenüber Abriss und Neubau rund die Hälfte der Emissionen und mehr als die Hälfte des Materialeinsatzes einspart.

Die Neugestaltung umfasst eine neue Fassade mit verbesserter Wärmedämmung, einem öffentlich nutzbaren Dachgarten, einer Skylounge auf zwei Ebenen sowie flexible Büroflächen. Zusätzliche Angebote wie Konferenzräume, Café, Fahrrad- und Pkw-Stellplätze mit Ladepunkten ergänzen das Konzept. Für das Projekt sind Nachhaltigkeits- und WiredScore-Zertifizierungen geplant.

5. Umnutzung eines Bürogebäudes: Projekt „Nau!“ soll bis 2028 realisiert werden

Eine Visualisierung des Projekts "Nau!" in Frankfurt. (Quelle: KSP Engel)

So könnte das Mixed-Use-Quartier „Nau!“ nach der Fertigstellung, die für das Jahr 2028 vorgesehen ist, aussehen. / © Visualisierung: KSP Engel

Die Investmentgesellschaft Paref hat die Genehmigung erhalten, das Bürogebäude an der Theodor-Heuss-Allee 44 in Frankfurt umfassend zu revitalisieren. Bis 2028 entsteht dort mit dem Projekt „Nau!“ ein Mixed-Use-Quartier mit Büros, Hotel, Gastronomie und Freizeitflächen. Das Bestandsgebäude wird mit neuen Fassaden und Staffelgeschossen modernisiert, um die Interaktion mit dem Stadtraum zu fördern.

Das Projekt setzt auf energetische Sanierung mit Photovoltaik, Fernwärme und intelligenter Technik. Mit über 150 Pkw-Stellplätzen und 460 Fahrradplätzen unterstützt „Nau!“ nachhaltige Mobilität und folgt dem Trend zur Umnutzung statt Neubau in urbanen Lagen.

Frankfurt als Beispiel: So können Umnutzungen gelingen

Die Stadt Frankfurt zeigt, wie sich die Lebensdauer von Gebäuden auch im städtischen Kontext deutlich verlängern lässt. Verschiedene Bauwerke mit unterschiedlichen Nutzungen veranschaulichen, dass sinnvolle, zeitlose und nachhaltige Sanierungen die Voraussetzung dafür sind, dass Bauwerke langfristig erhalten bleiben.

Trotz der positiven Entwicklung bleibt ein kritischer Blick in die Zukunft wichtig. Es gilt zu beobachten, wie die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und sozialer Akzeptanz gelingt, um den Trend zur Revitalisierung dauerhaft erfolgreich zu gestalten.

Quellen: Skyline Atlas, Nachhaltigkeit, Fürstenhof Frankfurt, Tek To Nik, The Adam, Baustelle Canyon, Nau Frankfurt

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