Frankfurt entdeckt den Wert seiner Bestandsbauten neu: Statt Abriss setzen immer mehr Projekte auf Umnutzung und Revitalisierung. Fünf aktuelle Beispiele zeigen, wie historische Substanz und moderne Anforderungen miteinander verbunden werden können.
1. GREENIQUE
2. CENTRAL PARX
3. Palais am Roßmarkt
4. Habito Westend
5. Digital-Park Fechenheim
© Titelbild: pixabay
Anstelle des ständigen Kreislaufs von Abriss und Neubau setzen immer mehr Unternehmen auf nachhaltigere Wege im Umgang mit der bestehenden Stadt Frankfurt. Bestehende Immobilien werden revitalisiert, saniert, entkernt oder umgenutzt und erhalten so ein zweites Leben. Auch historische und denkmalgeschützte Gebäude können dadurch bewahrt werden, sodass Frankfurt seinen architektonischen Charakter und historischen Charme erhält.
Im ersten Teil unserer Artikelreihe haben wir bereits fünf bedeutende Umnutzungsprojekte vorgestellt: das Projekt „LivinIt„, der Fürstenhof Frankfurt, eine Zwischennutzung auf dem Canyon-Gelände, das Projekt „THE ADAM“ und das Projekt „Nau!„. Nun richten wir den Blick auf fünf weitere Revitalisierungs- und Umbauprojekte, die beispielhaft zeigen, wie vielfältig die Transformation von Bestandsgebäuden in Frankfurt sein kann.
1. Projekt „Greenique“ an der Mainzer Landstraße: Berliner Cells Group investiert 25 Millionen Euro

Die Berliner Cells Group erweitert das Bestandsgebäude an der Mainzer Landstraße im Zuge der Revitalisierung um zwei Etagen und schafft rund 5.400 Quadratmeter Bürofläche in zwei Baukörpern, die ein begrünter Innenhof miteinander verbindet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Das Projekt „GREENIQUE“ an der Mainzer Landstraße revitalisiert ein Bürogebäude aus den frühen 1970er Jahren. Die Berliner Cells Group modernisiert und erweitert den Bestand um zwei Etagen und schafft rund 5.400 Quadratmeter flexible Büroflächen mit begrüntem Innenhof, Dachterrassen und Balkonen.
Das Projekt will einen nachhaltigen Ansatz verfolgen: Erhalt des Gebäudekerns, energetisch optimierte Haustechnik und Regenwassermanagement sollen den Energie- und Wasserverbrauch deutlich senken. Die Cells Group reichte 2024 den Bauantrag ein, die Fertigstellung ist für Ende des Jahres 2025 geplant. Das Investitionsvolumen beträgt rund 25 Millionen Euro.
2. Projekt „Central Parx“: Denkmalgerechte Sanierung eines Hochhausensembles aus dem Jahr 1965

Im Februar 2025 haben die Rückbauarbeiten des unter Denkmalschutz stehenden Hochhauses begonnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Frankfurter Westend wird aktuell das ehemalige Hochhausensemble „Oddo BHF Tower“ aus den 1960er Jahren revitalisiert. Die ABG Real Estate Group und HanseMerkur Grundvermögen modernisieren die drei Einheiten „TOWER“, „STUDIO“ und „PAVILLON“ zu einem nachhaltigen Bürokomplex, der den Namen „CENTRAL PARX“ trägt und rund 23.500 Quadratmetern vermietbarer Fläche bietet.
Das Hochhausensemble wurde 1965 nach den Entwürfen des renommierten Architekten Sep Ruf errichtet. Im Jahr 2020 wurde es dann durch die ABG übernommen. Der denkmalgerechte Rückbau des Hochhauses begann im Februar 2025, der Hochbau soll nun im Spätsommer 2025 folgen. Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Anfang 2028 geplant. Das Projekt wurde vom Frankfurter Architekt Prof. Christoph Mäckler geplant, die Investitionssumme liegt bei 200 Millionen Euro.
3. ABG und HanseMerkur beleben „Palais am Roßmarkt“ wieder

Die ABG Real Estate Group und HanseMerkur Grundvermögen planen eine umfassende Revitalisierung des denkmalgeschützten Palais am Roßmarkt in Frankfurt. Für mehr als 250 Millionen Euro soll das historische Gebäude zu einem modernen Büro- und Geschäftshaus umgebaut werden. / © Foto: Tilman, AB CC0 via Wikimedia Commons
Das denkmalgeschützte „Palais am Roßmarkt“ in der Frankfurter Innenstadt wird von der ABG Real Estate Group und HanseMerkur Grundvermögen revitalisiert. Geplant ist der Umbau zu einem modernen Büro- und Geschäftshaus mit rund 15.800 Quadratmetern Fläche, begrünter Dachterrasse und Smart-Building-Technologien.
Die behutsame Sanierung bewahrt historische Elemente wie die Natursteinfassade, das Treppenhaus und den Frankfurter Saal. Der Baubeginn für die Sanierung des Palais ist für 2026 vorgesehen, die Fertigstellung ist für 2029 geplant. Architekt Volker Staab leitet das Projekt, das mit einem Investitionsvolumen von über 250 Millionen Euro umgesetzt wird.
4. 121 neue Wohnungen im „Habito Westend“: Gestaltungskonzept setzt auf die Liebe zur Natur

Im Zentrum des Projekts „Habito Westend“ steht klar die Integration von Begrünung. Voraussichtlich ist revitalisierte Gebäude im zweiten Halbjahr 2026 bezugsfertig. / © Visualisierungen: Habito Westend, Feuerbach 26-32 GmbH
In der Feuerbachstraße 26–32 wandelt der Bauherr UH Invest ein ehemaliges Bürogebäude in das Wohnprojekt „Habito Westend“ um. Hier sollen 121 Wohnungen entstehen, ergänzt durch Gewerbeflächen im Erdgeschoss und eine Tiefgarage mit Parkplätzen für die Bewohner.
Das Konzept setzt auf biophile Architektur mit begrünten Fassaden, Dachgarten sowie privaten Balkonen und Terrassen. Ziel ist ein nachhaltiges Wohnen in ruhiger, zentraler Lage des Frankfurter Westends, das Natur und urbanes Leben miteinander verbindet.
5. Aus Neckermann-Versandhaus wird „Digitalpark Fechenheim“: Hier sollen elf Rechenzentren entstehen

So könnte der modernisierte Bau nach der Fertigstellung aussehen: in das historische Gebäude von Architekt Egon Eiermann sollen fünf der elf geplanten Rechenzentren integriert werden. / © Visualisierung: Digital Realty
Auf dem ehemaligen Areal des Versandhauses Neckermann im Frankfurter Ostend entwickelt das Unternehmen Digital Realty den „Digitalpark Fechenheim“. Dieser wird in Zukunft aus elf Rechenzentren bestehen. Fünf davon werden hinter der denkmalgeschützten Fassade des im Jahr 1960 fertiggestellten Eiermann-Baus entstehen.
Sechs weitere Rechenzentren werden dann zusätzlich auf dem Areal gebaut. Die Fertigstellung der gesamten Anlage ist bis zum Jahr 2030 geplant. Über eine Milliarde Euro investiert das Unternehmen in das Projekt. Neben Liquid-Cooling-Systemen und Photovoltaik sollen auch Nachbarn von der Abwärme profitieren: Ab 2026 wird die nebenan liegende, 30.000 Quadratmeter große Fläche des Immobilienunternehmens OSWE samt des Naturholzmöbelgeschäftes „Möbelums“ mit Wärme aus dem benachbarten Rechenzentrum beheizen.
Vielseitige Umnutzungen in Frankfurt: „Re-Use“-Gebäude sind oft kostenintensiver als Neubauten
Die Beispiele zeigen, wie vielfältig Umnutzungen in Frankfurt sein können. Im Bereich von Büro- und Einzelhandelsflächen lassen sich Konzepte scheinbar besonders erfolgreich umsetzen. Studien zufolge könnten durch die Revitalisierung von Bestandsgebäuden erhebliche Mengen an Ressourcen und Emissionen eingespart werden. Der Prozess endet jedoch nicht mit einer einmaligen Umgestaltung. Werden Gebäude zeitlos und reversibel geplant, können sie nicht nur ein zweites, sondern sogar ein drittes oder viertes Leben erhalten.
Das Prinzip „Re-Use“ hat jedoch auch Nachteile: Oft ist eine Umnutzung, vor allem durch die technische, statische und energetische Sanierung kostenintensiver als ein Neubau. Ob sich mehr Unternehmen aus Gründen der Nachhaltigkeit auf diesen Weg einlassen und ob sich das Prinzip „Re-Use statt Abriss“ in Frankfurt langfristig bewährt, bleibt offen.
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Skylineatlas, FAZ, Frankfurter Rundschau, ABG Real Estate Group, HanseMerkur, Greenique, CENTRAL PARX, Digital Realty, Drees & Sommer
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



