Der Streit um das RAW-Gelände in Friedrichshain spitzt sich weiter zu. Neue Details zeigen, welche Maßnahmen Bezirk und Senat fordern und warum der Konflikt mit der Kurth-Gruppe eskaliert.

Das Bild zeigt die Straßenschilder der Revaler Straße und der Modersohnstraße in Berlin-Friedrichshain. Die Kreuzung liegt direkt am RAW-Gelände, wo derzeit über Maßnahmen, Kulturstandorte und die Entwicklung des Projekts „RAW West“ diskutiert wird.

Die Straßenschilder an der Revaler Straße markieren den Zugang zum RAW-Gelände, das seit Monaten Schauplatz eines Konflikts zwischen Bezirk und Eigentümer ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Streit um das RAW-Gelände in Friedrichshain verschärft sich weiter. Im Zentrum steht das Projekt „RAW West“, für das seit Jahren ein Bebauungsplanverfahren läuft. Neue Angaben des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg zeigen nun genauer, welche Forderungen Berlin gegenüber der Eigentümerin formuliert hat, welche Maßnahmen das Land anbietet und warum die Gespräche derzeit stocken.

  • BezirkFriedrichshain-Kreuzberg
  • Adresse: Revaler Straße 99, 10245 Berlin
  • Bebauungsplan: „2-25a“
  • Eigentümerin: Kurth-Gruppe
  • Streitpunkt: Sicherung des „Soziokulturellen L“
  • Betroffene Nutzungen: Clubs, Ateliers, Sport, Gastronomie, Kulturprojekte

Nach Angaben des Bezirks bleibt die wichtigste Forderung unverändert: Die über Jahrzehnte gewachsenen soziokulturellen Nutzungen auf dem RAW-Gelände sollen langfristig gesichert werden. Diese Linie vertreten demnach die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, das Bezirksamt und der Senat gemeinsam. Das Ziel steht laut Bezirk auch im Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „2-25a“. Konkret geht es um eine Absicherung des „Soziokulturellen L“ für 30 Jahre. Das „Soziokulturelle L“ umfasst mehrere Club-, Kultur-, Atelier- und Freizeitnutzungen im westlichen Teil des RAW-Geländes.

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RAW-Gelände: Bezirk fordert Kultur-Sicherung und klare Maßnahmen

Neben der Sicherung der Kulturflächen nennt der Bezirk auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT weitere Anforderungen. Sollte im Rahmen von „RAW West“ Wohnungsbau festgesetzt werden, soll das Berliner Modell zur kooperativen Baulandentwicklung greifen. Damit wären auch Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum verbunden.

Außerdem fordert der Bezirk eine ökologisch anspruchsvolle Umsetzung. Hinzu kommen mehr Aufenthaltsflächen für Anwohnerinnen, Anwohner und Besucher. Nach Darstellung des Bezirks hatte die Eigentümerseite solche Verbesserungen im Dialogverfahren selbst angekündigt.

Berlin stellt der Kurth-Gruppe zugleich eine weitreichende städtebauliche Entwicklung in Aussicht. Der Bezirk erklärt, man sei bereit, Baurechte deutlich über das bestehende Maß hinaus zu ermöglichen. Konkrete Angaben, in welchem Umfang zusätzliche Baurechte möglich wären, macht der Bezirk nicht. Aus Sicht Berlins stehen diese Vorteile in einem angemessenen Verhältnis zu den Forderungen. Besonders wichtig ist dabei ein Rahmenvertragsentwurf, den Bezirk und Senatsverwaltung abgestimmt haben. Er soll dem Eigentümer sicheres Baurecht eröffnen und zugleich das „Soziokulturelle L“ rechtlich absichern.

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Das Foto zeigt einen begrünten Außenbereich auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain mit Sitzgelegenheiten, historischen Industriegebäuden und Freiflächen. Die Nutzung solcher Kultur- und Aufenthaltsorte spielt eine zentrale Rolle im Streit um das RAW-Gelände und die geplanten Maßnahmen im Projekt „RAW West“.

Auf dem RAW-Gelände befinden sich zahlreiche Kultur-, Freizeit- und Veranstaltungsflächen, deren langfristige Sicherung Teil der aktuellen Verhandlungen ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

„RAW West“: Rahmenvertrag soll Bauturbo und 30 Jahre Soziokultur verbinden

Ein zentraler Punkt betrifft den sogenannten Bauturbo. Die Kurth-Gruppe hatte Anfang 2026 eine vorgezogene Genehmigung für Wohnungsbau zur Bedingung für die Fortführung des Verfahrens gemacht. Der Bezirk erklärt nun, der Rahmenvertrag greife genau diese Forderung auf. Voraussetzung bleibe ein abgestimmter und geeigneter Bauantrag. Im Gegenzug soll die 30-jährige Sicherung des „Soziokulturellen L“ verbindlich folgen.

Nach Darstellung des Bezirks enthält der Vertragsentwurf mehrere Bausteine, die beide Seiten an ihre Zusagen binden sollen. Einen früheren Entwurf der Eigentümerseite bewerteten Bezirk und Senatsverwaltung dagegen als nicht ausreichend. Er habe die rechtlichen Anforderungen nicht nur in einzelnen Punkten verfehlt. Deshalb habe Berlin einen eigenen Rahmenvertragsentwurf vorgelegt.

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RAW-Gelände: Gespräche auf der Zielgeraden abgebrochen

Der Bezirk wirft der Kurth-Gruppe vor, bislang jedes Gespräch über diesen Entwurf abgelehnt zu haben. Dabei hätten zuvor nahezu wöchentlich Termine auf Fach- oder Leitungsebene stattgefunden. Es bleibe unklar, warum die Eigentümerin die Gespräche ausgerechnet in einer Phase abgebrochen habe, in der auch ihre eigenen Forderungen hätten erfüllt werden können.

Auch ein mehrseitiges Erläuterungsschreiben habe keine Bewegung gebracht. Der Bezirk erklärt, die schriftlichen Einwände der Eigentümerseite passten aus seiner Sicht nicht zum Inhalt des Rahmenvertrags. Senat und Bezirk sehen sich weiter verhandlungsbereit. Parallel stehen jedoch Räumungsaufforderungen gegen einzelne Nutzungen im Raum. Genau diese Gleichzeitigkeit erhöht den Druck auf Clubs, Kulturorte und soziale Angebote auf dem RAW-Gelände.

Die Visualisierung zeigt die geplante Entwicklung des Projekts „RAW West“ auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain. Zu sehen sind moderne Neubauten mit begrünten Fassaden und Dachflächen, die zwischen historischen Bestandsgebäuden entstehen sollen.

Eine Visualisierung des Projekts „RAW West“ zeigt die geplante Neubebauung auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Während Investoren auf eine Entwicklung des Areals drängen, steht die langfristige Sicherung von Clubs und soziokulturellen Nutzungen weiterhin im Mittelpunkt der Verhandlungen. / © Visualisierung: Kurth Immobilien

Details zum Streit um RAW-Gelände zeigen unterschiedliche Lesarten

Die Kurth-Gruppe sieht den Konflikt anders. Sie verweist auf lange Verfahrensdauer, aus ihrer Sicht veränderte Absprachen und fehlende Verbindlichkeit. Außerdem nennt sie Nutzungskonflikte, ausbleibende Zahlungen und Nutzungen über das genehmigte Maß hinaus als Gründe für Räumungsaufforderungen. Der Bezirk hält dem entgegen, dass Berlin eine rechtssichere Lösung vorgelegt habe, die Baurecht und Kultur-Sicherung verbindet.

Damit bleibt der Streit um das RAW-Gelände offen. Klar ist: Bei „RAW West“ geht es nicht nur um Neubauten, Wohnungen und wirtschaftliche Entwicklung. Es geht auch um die Frage, wie Berlin gewachsene Kulturorte auf privaten Flächen sichern kann. Der Rahmenvertrag liegt vor. Ob er noch zur Grundlage einer Einigung wird, hängt nun davon ab, ob Bezirk, Senat und Kurth-Gruppe wieder an einen Tisch kommen.

RAW-Gelände

 

Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Kurth-Gruppe

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One Comment

  1. never tell me the odds 18. Juni 2026 at 12:23 - Reply

    Da wird sich das Berliner Biotop gewöhnen müssen: Investoren, die gehen bzw. gar nicht mehr erst kommen werden oder jene, die aus blanken Selbstschutz das ganze Besteck, das zur Verfügung steht, jetzt auf den Tisch packen.

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