Am RAW-Gelände in Friedrichshain formiert sich erneut Widerstand gegen die geplante Bebauung. Während Senat, Bezirk und Investor wieder Gespräche aufgenommen haben, fordert eine neue Bürgerinitiative den Erhalt der bestehenden Strukturen. Konkrete Ergebnisse der Gespräche werden bis Mitte Mai erwartet.

Die Kurth Immobilien GmbH sieht ein gemischt genutztes Quartier mit Neubauten, Grünflächen und ergänzender Infrastruktur vor, das die bestehenden Strukturen teilweise überformen und neu ordnen soll. / © Visualisierung: Kurth Immobilien

© Titelbild: Kurth Immobilien

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Auf dem RAW-Gelände nahe dem S-Bahnhof Warschauer Straße treffen derzeit unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Areals aufeinander. Das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem zentralen Ort der Berliner Club- und Kulturszene entwickelt, das seit Jahrzehnten Menschen aus aller Welt anzieht.

Gleichzeitig plant die Eigentümerseite seit Jahren eine umfassende städtebauliche Entwicklung. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde das rund 51.000 Quadratmeter große Areal von der Kurth-Gruppe übernommen. Ziel ist die Entwicklung eines gemischt genutzten Quartiers mit Büros, Gewerbe, Wohnungen und öffentlichen Freiräumen. Auch ein Hochhaus war Teil der Überlegungen.

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Bebauungspläne für das RAW-Gelände: Unterschiedliche Vorstellungen für das Areal

Das zugrunde liegende Konzept sieht vor, bestehende kulturelle Nutzungen zu erhalten und gleichzeitig neue bauliche Strukturen zu schaffen. Insbesondere das sogenannte „Soziokulturelle L“ sollte langfristig gesichert und weiterhin zu vergünstigten Mieten betrieben werden. Nach Angaben des Eigentümers werden diese Kosten bislang überwiegend selbst getragen.

Gleichzeitig ist das Bebauungsplanverfahren seit Jahren ins Stocken geraten. Der Aufstellungsbeschluss stammt aus dem Jahr 2019, eine abschließende Klärung steht weiterhin aus. Aus Sicht des Eigentümers fehlt es an Planungssicherheit, wodurch auch die langfristige Finanzierung der kulturellen Nutzungen infrage gestellt werde.

Das RAW Gelände bei Nacht. Zu sehen ist eine besprayte und angeleuchtete Lagerhalle.

Das RAW-Gelände an der Warschauer Straße bei Nacht. / © Foto: Wikimedia Commons, Plaksie, CC BY-SA 4.0

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Bürgerinitiative unter dem Motto „RAW-Retten“: Kritik an Abrissplänen und Hochhaus

Parallel dazu hat sich jetzt eine neue Bürgerinitiative gegründet. Sie richtet sich an die Öffentlichkeit und die Nachbarschaft und spricht sich gegen eine weitreichende Bebauung des Geländes aus. Ihr Motto lautet „RAW-Retten“. Nach Angaben des rbb lehnt die Initiative die umfangreichen Abrisspläne ab und bewertet sie als nicht hinnehmbar.

Die Initiative fordert stattdessen, Neubauten ausschließlich auf freien Flächen zwischen den Bestandsgebäuden zu errichten. Zudem sollen Wohnungen nur im östlichen Teil des Geländes entstehen, um die kulturellen Nutzungen im westlichen Bereich zu sichern. Auch der geplante Hochhausbau wird abgelehnt.

Gespräche zwischen Senat, Bezirk und Investor: Ergebnisse bis Mai erwartet

Nach längeren Konflikten haben Senat, Bezirk und Investor zuletzt wieder Gespräche aufgenommen. Baustadtrat Florian Schmidt erklärte gegenüber rbb|24, dass derzeit intensiv an einer Lösung gearbeitet werde. Alle Beteiligten hätten sich darauf verständigt, die nächsten Schritte gemeinsam auszuarbeiten.

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Demnach sollen bis Mitte Mai konkrete Details zum weiteren Vorgehen im Bebauungsplanverfahren vorliegen. Wohnungsbau bleibe Teil des Projekts und solle im östlichen Bereich des Geländes konzentriert werden.

Zukunft des RAW-Geländes in Friedrichhain: Entscheidung mit weitreichenden Folgen

Der Bezirk verweist auf die hohe Komplexität des Verfahrens und betont, dass sowohl neues Baurecht geschaffen als auch die bestehenden soziokulturellen Nutzungen gesichert werden sollen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die geplanten Veränderungen bei Teilen der Öffentlichkeit auf Vorbehalte stoßen.

Wie sich der Konflikt entwickelt, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf der Abstimmungen ab. Eine Einigung könnte den Weg für ein neues Stadtquartier ebnen. Bleibt sie aus, drohen steigende Mieten und eine Verdrängung bestehender Nutzungen. Damit steht nicht nur ein Bauprojekt zur Debatte, sondern auch die Zukunft eines prägenden Kulturortes in Berlin.

Quellen: rbb|24, Kurth Real Estate, Holzer Kobler Architekturen, Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

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5 Kommentare

  1. a.t. 2. April 2026 at 13:38 - Reply

    Null Verständnis für diese Proteste. Fahrt raus in die Außenbezirke, wo sie auf der grünen Wiese oder in Parks reinbauen versiegeln wollen wie das Böse!. Da gibt es genug zu protestieren….Bei ehemaligen Industriebrachen (auch wenn sie mal zwischengenutzt werden oder wurden) Großparkplätzen und sonstigen innerstädtischen Brachflächen würde ich als Kommune jedoch gar nicht mit mir diskutieren lassen. Denn das ist doch haargenau das, was immer alle fordern und wollen, nämlich die alten innerstädtischen Industrieflächen für Wohnen und Gewerbe zu nutzen und diese zu konvergieren. Jetzt passiert hier exakt das und was geht ab? Na, klassisch Berlin: Bellen und Protestieren! Aber man sieht es kommen: Jetzt sind ja wieder Wahlen und da wird keiner die Traute aufbringen, gegen diese Bürgerintiativen-und Vergnügungsdampfer-Folklore standhaft zu bleiben.

  2. Böhme 3. April 2026 at 01:03 - Reply

    Ahhh … hätte mich auch gewundert, wenn sich der deutsche NIMBY nicht meldet! Erstaunlich, dass das erst so spät geschieht!

  3. Löwe 3. April 2026 at 07:51 - Reply

    Ich kann es nachvollziehen das Wohnungen hier wenig sinn machen, es würde wohl nur zu Problemen führen, speziell mit Lärm. Das Hochhaus gefällt mir auch nicht, der Entwurf hier in der Grafik wirkt völlig fehl am Platz. Was ich nicht nachvollziehen kann warum man die meist 1-stöckigen Gebäude im schlechtem Zustand erhalten möchte.

    • Franz 3. April 2026 at 11:45 - Reply

      Das sehe ich anders. Seit 10 Jahren gibt es gute Pläne für das Gelände mit Hochhaus. Ich finde, das passt hier gut hin. Und der ÖPNV-Anschluss ist auch super. Also: Umsetzen bitte! Der Aktivist, der sich hier kundtut, ist jemand, der gern verhindert. Konstruktive Vorschläge sind von ihm nicht zu hören. Und er muss ja auch nix bezahlen.

  4. joa ne 5. April 2026 at 08:05 - Reply

    ignorieren wir mal kurz die Clubs, ich hoffe die Leute die dafür sind wissen auch das die Gastronomie darunter leidet, also werden nicht nur die Arbeitsplätze der Clubarbeitenden Personen in Gefahr gebracht sondern auch der in Gastronomie arbeitenden Personen mit gefährdet. wenn euch das Geld so krass egal ist könnt ihr das ja eurer Geld was wofür ihr arbeitet ja dann dennen geben, braucht ihr ja nicht oder? c:

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