Nach fast einem Jahrzehnt Planung könnte Rahlstedt bald ein Stadtteilzentrum erhalten. Doch während Befürworter auf neue Treffpunkte für Kultur, Sport und Vereine hoffen, sehen einige Anwohnende dringlichere Probleme in der Innenstadt. Was geplant ist.
Schweriner Straße 24
© Titelbild: Common Agency
In Rahlstedt, Hamburgs einwohnerstärkstem Stadtteil, tut sich nach Jahren der Stagnation etwas: Auf einem Brachgrundstück an der Schweriner Straße 24 hinter dem Rahlstedt Center soll ein Stadtteilzentrum entstehen, das sozialen, kulturellen und sportlichen Institutionen Raum bieten soll.
Am 2. Februar gab es beim Sozialen Dienst Karin Kaiser nun eine Präsentation der beiden bisherigen Finanzierungs- und Betreiberkonzepte. Eingeladen waren vor allem künftige Nutzer sowie zentrale Akteure aus Politik und Stadtgesellschaft, darunter Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) und Thomas Ritzenhoff, Bezirksamtsleiter von Wandsbek. Ziel war es, die Pläne vorzustellen, Rückmeldungen zu sammeln und die nächsten Schritte für das Stadtteilzentrum zu diskutieren.
Leerstand prägt die Innenstadt: Wie geht es weiter in Rahlstedt?
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund des Leerstands in der Innenstadt statt: Seit Ende 2022 haben laut Hamburger Abendblatt rund 30 Betriebe – von Einzelhändlern über Banken bis hin zu Gastronomie – geschlossen. Viele Ladenlokale stehen dauerhaft leer. Vor diesem Hintergrund fragen Anwohnende kritisch, ob ein Stadtteilzentrum die dringendsten Probleme im Ortskern löst oder zunächst die strukturellen Defizite angegangen werden müssten.
Befürworter betonen, dass der Neubau dringend benötigte öffentliche Räume für Veranstaltungen, Kurse oder Feiern bieten könnte – flexibel nutzbar und ohne feste Dauermieter. Kritiker aus dem Einzelhandel verweisen zugleich auf andere Defizite: fehlende Aufenthaltsqualität, kaum Cafés oder Sitzgelegenheiten sowie Lieferverkehr, der die Fußgängerzone blockiert.
Stadtteilzentrum Rahlstedt: Das sieht der Siegerentwurf von Common Agency vor
Der Architektenwettbewerb wurde 2024 von Common Agency gewonnen, einem Büro, das in Hamburg bereits bei Projekten wie dem „Neuen Amt Altona“ beteiligt ist. Der Entwurf für Rahlstedt überzeugte die Jury durch eine klare, einladende Fassade und ein großzügiges, offenes Foyer, das den Eingang optisch aufwertet und in das Gebäude hineinführt. Die Raumnutzung soll flexibel gestaltet werden: Veranstaltungsräume, Seminarräume und Gemeinschaftsflächen lassen sich je nach Bedarf kombinieren oder separat nutzen.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Drittnutzbarkeit von Räumen und Geschossen, sodass auch kulturelle, sportliche oder private Veranstaltungen möglich sind. Das Gebäude soll zudem die Option bieten, die Dachflächen für Freizeit- oder Sportangebote zu nutzen. Vorgesehen sind Terrassen und begrünte Flächen, die als Aufenthaltsbereiche dienen können, und eine Gestaltung mit Holz und lichtdurchlässigen Elementen, die eine warme, offene Atmosphäre erzeugen und zugleich energieeffizient ist.
Offene Fragen zur Unterbringung und Zugänglichkeit bleiben
Trotz des Fortschritts sind noch viele Details offen: Unklar ist etwa, wie bestehende Initiativen und Künstler im neuen Gebäude untergebracht werden und ob die Zugänglichkeit für ältere oder mobil eingeschränkte Menschen gewährleistet ist.
Sollte Finanzierung und Konzept stehen, könnte das Stadtteilzentrum frühestens 2030 eröffnet werden. Dann wird sich zeigen, ob es gelingt, das Projekt als echten Treffpunkt und Impulsgeber für Rahlstedts Innenstadt zu etablieren.
Quellen: Finanzbehörde Hamburg, SPD Hamburg, Hamburger Abendblatt, Baunetz, Stadtteilzentrum Rahlstedt e.V., Statista
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