Der Bau neuer Radwege in Berlin kommt weiter voran, aber deutlich langsamer als geplant. Während der Bezirk Mitte zahlreiche Projekte umsetzt, entstehen in anderen Bezirken nur wenige neue Strecken.

Viele Radwege in Berlin gleichen eher einer Buckelpiste als einem sicheren Radweg. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Ausbau der Radwege in Berlin geht weiter, allerdings deutlich langsamer als noch vor wenigen Jahren. Aktuelle Zahlen zeigen große Unterschiede zwischen den Bezirken. Während Mitte weiterhin zahlreiche Projekte vorantreibt, kamen andere Bezirke zuletzt kaum voran. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Politik. Das Berliner Mobilitätsgesetz sieht vor, dass das sogenannte Vorrangnetz bis 2030 fertiggestellt wird. Von diesem Ziel ist die Hauptstadt jedoch noch weit entfernt.
- Vorrangnetz in Berlin: rund 870 Kilometer
- Ergänzungsnetz: rund 1.500 Kilometer
- Bisher fertiggestelltes Vorrangnetz: 78 Kilometer
Dass die Nachfrage nach einer besseren Fahrradinfrastruktur weiterhin hoch ist, zeigte jüngst die 50. Sternfahrt des ADFC. Nach Angaben der Veranstalter und der Polizei beteiligten sich Zehntausende Radfahrer an den Demonstrationen auf Berliner Straßen und Autobahnen. Die Teilnehmenden fuhren aus verschiedenen Teilen der Hauptstadt und des Umlands zum Großen Stern. Trotz einzelner Engstellen und Abschnitte, an denen geschoben werden musste, machte die Veranstaltung deutlich, welche Bedeutung der Radverkehr inzwischen für viele Berliner im Alltag hat.

Bei der 50. ADFC-Sternfahrt fuhren Zehntausende Menschen aus Berlin und Brandenburg gemeinsam für sichere Radwege und eine nachhaltige Mobilität. / © Foto: ADFC Berlin / Deckbar
Mitte bleibt Berlins wichtigster Bezirk für neue Radwege
Doch nicht überall kommt auch der Ausbau der Radwege gleich gut voran. Spitzenreiter in diesem Punkt ist der Bezirk Mitte. Nach Daten der landeseigenen InfraVelo wurden dort 2025 insgesamt 5,7 Kilometer neue Strecken im Vorrang- und Ergänzungsnetz fertiggestellt. Allein 3,2 Kilometer entfielen auf das Vorrangnetz, weitere 2,5 Kilometer auf das Ergänzungsnetz. Damit lag Mitte deutlich vor allen anderen Bezirken.
Dabei waren die Rahmenbedingungen schwierig. Nach dem Stopp zahlreicher Radweg-Projekte durch die damalige Verkehrssenatorin Manja Schreiner im Jahr 2023 und den späteren Haushaltsproblemen des Landes mussten viele Vorhaben neu priorisiert werden. Mitte setzte deshalb verstärkt auf vergleichsweise kostengünstige Maßnahmen wie Fahrradstraßen, Markierungen und kurze Netzlücken.
Der Bezirk will diesen Kurs fortsetzen. Derzeit befinden sich laut InfraVelo zehn Projekte in Planung und drei weitere im Bau. Zu den wichtigsten laufenden Vorhaben gehört das Projekt am Nordufer im Wedding. Dort entsteht auf einem 820 Meter langen Abschnitt zwischen Föhrer Straße und Lynarstraße eine Fahrradstraße entlang des Berlin-Kopenhagen-Radwegs.
Berlin Radwege: Mitte plant weitere Projekte bis 2027
Weitere Maßnahmen betreffen die Uferstraße, die trotz denkmalgeschützter Bereiche schrittweise zur Fahrradstraße umgebaut wird. Für die Jahre 2026 und 2027 plant Mitte außerdem neue Fahrradstraßen in der Tucholskystraße Süd, der Wilsnackerstraße, der Thomasiusstraße, der Stauffenbergstraße sowie der Planckstraße. Hinzu kommen Projekte in der Voßstraße, der Lützowstraße West sowie in der Genthiner Straße und Kluckstraße.
Der Ausbau der Torstraße bleibt dagegen eines der größten und umstrittensten Vorhaben. Ein Baustart für den ersten Abschnitt zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz ist nach aktuellem Stand nicht vor dem dritten Quartal 2026 vorgesehen.
Große Unterschiede beim Radwege-Bau in Berlin
Die Entwicklung in Mitte steht beispielhaft für ein Berliner Ungleichgewicht. Während dort kontinuierlich gebaut wird, entstanden in Spandau und Reinickendorf 2025 weder im Vorrang- noch im Ergänzungsnetz neue Radwege. Insgesamt nahm das Bautempo berlinweit deutlich ab. Im Vorrangnetz wurden 2022 noch 14,3 Kilometer fertiggestellt. 2025 waren es nur noch 9,8 Kilometer.
Auch das Ergänzungsnetz wächst langsamer. Nach 9,6 Kilometern im Jahr 2024 wurden 2025 nur noch 7,5 Kilometer neu gebaut. Damit rückt die vollständige Umsetzung der Berliner Radverkehrsplanung in weitere Ferne.
Zu den Bezirken mit vergleichsweise guten Werten gehören neben Mitte auch Steglitz-Zehlendorf und Pankow. Dort entstanden im vergangenen Jahr 1,7 beziehungsweise 1,3 Kilometer neue Strecken im Vorrangnetz.
Charlottenburg-Wilmersdorf setzt auf viele kleine Radweg-Projekte

Fertigstellung im Herbst 2025: Nach mehrjähriger Bauzeit feiert infraVelo den Projektabschluss der sogenannten „Opernroute Nord“ in Charlottenburg. / © Foto: GB infraVelo GmbH
Im Berliner Westen zeigt sich ein anderes Bild. Charlottenburg-Wilmersdorf gehört zwar nicht zu den Schlusslichtern, erreicht aber ebenfalls kein hohes Bautempo. In den Jahren 2024 und 2025 kamen dort zusammen 1,7 Kilometer im Vorrangnetz und 0,3 Kilometer im Ergänzungsnetz hinzu.
Der Bezirk verweist auf mehrere abgeschlossene Projekte. Dazu zählen der geschützte Radfahrstreifen in der Hardenbergstraße, Abschnitte der Opernroute, der temporäre Radfahrstreifen am Spandauer Damm, die Verstetigung des Pop-up-Radwegs in der Kantstraße sowie der Spreeradweg zwischen Caprivibrücke und Dovebrücke.
Für die kommenden Jahre stehen weitere Vorhaben auf der Liste. Bereits 2026 sollen neue Radfahrstreifen in der Schloßstraße und der Olbersstraße entstehen. Die Fasanenstraße soll zwischen Lietzenburger Straße und Kurfürstendamm zur Fahrradstraße werden. Ab 2027 folgen Projekte in der Durlacher Straße, der Otto-Suhr-Allee, der Barstraße, der Mansfelder Straße und der Marchstraße. Für den Spandauer Damm gibt es dagegen weiterhin keinen festen Starttermin.
Berlin schöpft Fördermittel für Radwege nicht vollständig aus
Der langsamere Ausbau der Radwege hängt nicht nur mit knappen Haushalten zusammen. Nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung wurden in den vergangenen Jahren auch verfügbare Bundesmittel nicht vollständig genutzt. Besonders das Förderprogramm „Stadt und Land“ sollte den Ausbau der Radinfrastruktur beschleunigen. Dennoch blieben immer wieder bewilligte Mittel liegen. Gleichzeitig mussten zahlreiche Projekte verschoben, neu priorisiert oder vollständig gestoppt werden.
Und: Nicht nur bei Radwegen verfehlt Berlin seine eigenen Ziele. Laut Mobilitätsgesetz sollten bis Ende 2025 insgesamt 100.000 neue Fahrradstellplätze entstehen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Besonders an Bahnhöfen verläuft der Ausbau langsamer als geplant, weil Flächen fehlen und Abstimmungen mit verschiedenen Akteuren aufwendig sind.

Zahlreiche Fahrräder stehen vor der abgesperrten Baustelle, auf der das Fahrradparkhaus am Bahnhof Schöneweide entsteht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Fahrradstellplätze bleiben eine Baustelle
Immerhin laufen neue Projekte bereits an. Für 2026 sind unter anderem am Ostbahnhof zusätzliche Stellplätze vorgesehen. In Friedrichshain-Kreuzberg sollen an elf Standorten mehrere Hundert neue Abstellmöglichkeiten entstehen. Am Bahnhof Schöneweide entsteht Berlins erstes öffentliches Fahrrad-Parkhaus.
Die Zahlen zeigen insgesamt ein gemischtes Bild. Berlin baut weiterhin neue Radwege. Gleichzeitig sinkt das Tempo, mit dem die Projekte umgesetzt werden. Während Bezirke wie Mitte ihren Ausbaukurs fortsetzen, kommen andere nur in kleinen Schritten voran. Die Unterschiede zwischen den Bezirken bleiben damit auch in den kommenden Jahren deutlich sichtbar.
Quellen: Berliner Morgenpost, Tagesspiegel
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Es ist ein Armutszeugnis, was hier derzeit unter der Führung von Frau Bonde im Berliner Senat mit der Radinfrastruktur veranstaltet wird. Und das größte Trauerspiel dabei: es wird vollkommen ignoriert, dass mehr Radverkehr und Menschen auf dem Fahrrad für weniger Stau sorgen können, weil Leute ihr Auto stehen lassen und dann doch das Fahrrad nutzen, aber nur wenn die Infrastruktur sicher und durchgängig ist. Ich kann vollkommen verstehen, weshalb Menschen nicht das Fahrrad nutzen wollen – es gibt unsichere Kreuzungen, kaputte und gefährliche Hochbordradwege und unmögliche Verkehrsführungen, die gerne mal mit einem Radweg, der ohne Vorwarnung in den fließenden Autoverkehr endet, verfeinert werden. Der aktuelle Senat setzt nicht auf „Mobilität für alle“ sondern auf den motorisierten Individualverkehr. Vision Zero ist eine Vision und kein erklärtes Ziel. Wirklich traurig. Vielleicht sollte ich mich doch wieder in den Mercedes setzen, um zur Arbeit zu fahren, damit es noch mehr Stau gibt.
Die Zahlen zeigen eindeutig die Lügen von Frau Bonde.
Nur Worte /heiße Luft – keine Taten.
Hat Frau Bonde nicht gerade getönt, wie modern und umweltfreundlich sie sei (anderer Bericht)?
Realität und „Strategie“ weichen deutlich voneinander ab.
Bei jedem Wahlkampf in den vergangenen Jahrzehnten hat die CDU plakatiert, sich für Sicherheit einzusetzen. Mit ihrer ideologisch verboten Verkehrspolitik zeigt sie, dass ihr Sicherheit in Bezug auf sichere Fahrten mit dem Fahrrad völlig egal ist.
Wir müssen dafür kämpfen, dass diese Partei nicht wieder damit überfordert wird, in Großstädten über Verkehrspolitik zu entscheiden.