Erst vor einem Jahr für über 1,5 Millionen Euro gebaut, zeigen sich am Radweg der Schönhauser Allee bereits erhebliche Mängel. Die Schutzborde lösen sich, der Bezirk kündigt kurzfristige Reparaturen an, doch eine dauerhafte Lösung steht noch aus.

Im Jahr 2024 wurden die neu angelegten geschützten Radwege an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg angebracht. Entlang der Fahrbahn trennt ein Betonbord den Radstreifen von der Autospur. Aktuell laufen Reparaturarbeiten, da die Schutzborde in den letzten Monaten an mehreren Stellen beschädigt oder verschoben wurden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der stark befahrene Radweg entlang der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg zeigt bereits kurz nach seiner Fertigstellung deutliche Schäden. Die Schutzborde, die eigentlich Radfahrende vom motorisierten Verkehr trennen sollen, haben sich auf mehreren Abschnitten gelöst. Das Bezirksamt Pankow kündigte auf Anfrage des Tagesspiegels eine kurzfristige Reparatur mit Spezialmörtel an.
Betroffen ist der rund 720 Meter lange Abschnitt nördlich der Eberswalder Straße. Der Radweg war erst 2024 für über 1,5 Millionen Euro umgesetzt worden. Die baulichen Mängel traten innerhalb kurzer Zeit auf, nun soll eine Wieder-Verklebung innerhalb von drei Wochen erfolgen. Baustellenbaken sichern die gefährdeten Stellen derzeit provisorisch.
Sonderanfertigung scheitert im Alltag: Lkw-Verkehr beschädigt Pankower Eigenlösung
Laut Infravelo GmbH, die den Bau koordinierte, sei das Überfahren durch Lkw und Baustellenverkehr die Hauptursache für die Schäden. Vor allem beim Ein- und Ausparken würden die Borde regelmäßig touchiert. Die eingesetzte Verklebung sei dieser Belastung offenbar nicht gewachsen.
Die Borde selbst sind eine Eigenentwicklung des Pankower Straßen- und Grünflächenamts. Laut Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) handele es sich um eine Sonderanfertigung, die bislang nicht in dieser Form eingesetzt wurde. Bereits im April 2022 hatte das Bezirksamt angekündigt, mit diesem Modell Neuland zu betreten.
Nachbesserung statt Neubau: Stadt prüft technische Stabilisierung der Schutzborde an der Schönhauser Allee
Ein vollständiger Rückbau der Schutzborde sei derzeit nicht vorgesehen. Vielmehr arbeite man mit InfraVelo und der bauausführenden Firma an einer Analyse, um die Elemente technisch stabilisieren zu können. Auch wenn der Spezialmörtel kurzfristig helfen soll, wird intern bereits an einer haltbareren Lösung gearbeitet.
Die Stadtverwaltung betont, dass die Nachbesserung keine erneute Kostenexplosion verursachen werde. Die Befestigung der Borde habe lediglich einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausgemacht. Dennoch bindet die Reparatur erneut öffentliche Mittel und verdeutlicht die Herausforderungen bei der Umsetzung verkehrssicherer Infrastruktur.
Verlängerung des Radwegs verzögert sich bis 2030: Infrastruktur bleibt vorerst Stückwerk
Die Radspur endet aktuell an der Eberswalder Straße. Eine Verlängerung in Richtung Wisbyer Straße ist zwar vorgesehen, hängt aber vom Neubau der Ringbahnbrücke ab. Der Termin für dessen Realisierung liegt laut Bezirksamt frühestens im Jahr 2030. Damit bleibt der Radweg bis auf Weiteres ein Stückwerk.
Die Vorfälle an der Schönhauser Allee werfen ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme in der Radverkehrsplanung. Dass ein neues Projekt nach so kurzer Zeit instand gesetzt werden muss, wirft Fragen zur baulichen Qualität und zu den langfristigen Planungsprozessen auf. Die Debatte dürfte auch für künftige Bauvorhaben richtungsweisend sein.
Quellen: Tagesspiegel, GB infraVelo GmbH, Berliner Woche, Bezirksamt Pankow, Architektur Urbanistik Berlin
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