Seit Jahren wird um die Verkehrsführung auf der Kantstraße gerungen. Nun bekommt der Streit eine neue juristische Dimension. Kurz vor dem geplanten Beginn der Arbeiten verlangt das Verwaltungsgericht Klarheit vom Berliner Senat.

Die Kantstraße in Charlottenburg soll künftig anders aufgeteilt werden: Der geschützte Radstreifen wird durch eine Busspur mit Radverkehrsfreigabe ersetzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Streit um den Radweg auf der Kantstraße erreicht wenige Tage vor dem geplanten Umbau einen entscheidenden Punkt. Eigentlich will die Verkehrsverwaltung ab dem 1. Oktober mit den Markierungsarbeiten beginnen. Doch gegen die neue Verkehrsführung läuft ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Berlin. Das Gericht drängt nun auf eine schnelle Klärung, bevor vor Ort Fakten geschaffen werden.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Ort: Kantstraße, Berlin-Charlottenburg
- Betroffener Abschnitt: östlicher Teil der Kantstraße
- Projektstatus: Umbau geplant, Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht läuft
- Geplanter Beginn der Markierungsarbeiten: ab 1. Oktober 2026
- Kosten: rund 2,4 Millionen Euro
Auslöser ist der enge Zeitplan. Ein Radfahrer, unterstützt von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), will mit einem Eilantrag verhindern, dass der geschützte Radweg zurückgebaut wird. Die Senatsverwaltung hatte dem Gericht zunächst zugesichert, vor dem 30. September nicht mit dem Umbau zu beginnen. Dadurch blieb Zeit für eine gerichtliche Prüfung.
Radweg-Streit in der Kantstraße: Zeit wird knapp
Nun wird diese Zeit knapp. Nach Angaben der DUH sollte die Senatsverwaltung dem Gericht ihre Stellungnahme und den vollständigen Verwaltungsvorgang vorlegen. Stattdessen beantragte sie eine Fristverlängerung bis zum 28. September. Gleichzeitig sollen die Markierungsarbeiten bereits am 1. Oktober starten.
Das Verwaltungsgericht lehnte die Verlängerung deshalb nach Angaben der DUH ab, sofern der Senat an diesem Baustart festhält. Zugleich verlangte es eine umgehende Mitteilung, ob die Verkehrsverwaltung nach der Abgeordnetenhauswahl überhaupt noch an den bisherigen Rückbauplänen festhält.

Seit 2020 gehört der geschützte Radweg in der Kantstraße zum Berliner Radverkehrsnetz. Nun ist eine neue Verkehrsführung geplant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Geschützter Radweg in der Kantstraße soll weichen
Inhaltlich dreht sich der Konflikt um die geplante Neuordnung der Kantstraße. Der geschützte Radfahrstreifen soll auf dem betroffenen Abschnitt verschwinden. An seine Stelle soll eine Bussonderfahrspur treten, die auch Radfahrende nutzen dürfen. Die Verkehrsverwaltung begründet den Umbau unter anderem mit dem Brandschutz und der Erreichbarkeit von Gebäuden für die Feuerwehr.
Die DUH hält die gemeinsame Führung von Bussen und Fahrrädern dagegen für problematisch. Bei eigenen Zählungen vom 25. bis 27. August 2026 ermittelte sie auf dem betroffenen Abschnitt zwischen 236 und 278 Radfahrende pro Stunde und Fahrtrichtung. Nach Auffassung der Organisation ist die geplante Spur angesichts dieses Verkehrsaufkommens nicht ausreichend dimensioniert. Dabei beruft sie sich auf technische Regelwerke. Die Bewertung ist Teil des laufenden Streits und noch nicht abschließend gerichtlich geklärt.
Kantstraße: Ein Teil des Radwegs ist bereits dauerhaft eingerichtet
Hinzu kommt, dass die Kantstraße nicht auf ihrer gesamten Länge gleich behandelt wird. Im Sommer 2025 ließ der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf einen rund 900 Meter langen Abschnitt zwischen Wilmersdorfer Straße und Dernburgstraße als dauerhafte Radverkehrsanlage markieren. Grundlage war nach Angaben des Bezirks eine bereits zuvor erteilte verkehrsrechtliche Anordnung.
Der aktuelle Rechtsstreit betrifft dagegen den geplanten Umbau im östlichen Bereich. Als mögliche Alternative für den Radverkehr wird zudem seit Längerem die Pestalozzistraße diskutiert. Dort gibt es Planungen für eine Fahrradstraße, umgesetzt ist sie bislang jedoch nicht. Einen konkreten Termin gibt es dafür ebenfalls nicht.

Die geplante Umgestaltung der Kantstraße soll unter anderem den Anforderungen des Brandschutzes Rechnung tragen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Was jetzt mit dem Radweg auf der Kantstraße passiert
Entscheidend sind nun zunächst zwei Schritte. Die Senatsverwaltung muss dem Verwaltungsgericht mitteilen, ob sie am geplanten Umbau und am vorgesehenen Beginn der Arbeiten festhält. Gleichzeitig muss das Gericht über den Eilantrag entscheiden, mit dem der Rückbau vorläufig gestoppt werden soll.
Damit gibt es derzeit weder einen gerichtlich verfügten endgültigen Stopp noch grünes Licht für den Umbau. Die bisherige Zusage des Senats schützt den Radweg nur bis Ende September. Bleibt die Verkehrsverwaltung beim vorgesehenen Beginn am 1. Oktober, muss das Eilverfahren wegen des engen Zeitplans sehr kurzfristig geklärt werden.
Radweg Kantstraße: Streit um geplanten Umbau
Quellen: Tagesspiegel, Deutsche Umwelthilfe, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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6 Kommentare
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Ich weiß nicht, was gegen eine reine Fahrradstraße sprechen könnte, eine Verlegung von der Kantstraße parallel in die Pestalozzistraße ?
Werden die zahlreichen Läden, Geschäfte und Cafés auf der Kantstraße dann auch in die Pestalozzistraße verlegt, damit diese auch in Zukunft von Radfahr*innen gefahrlos erreicht werden können?
Die Fahrradstraße in der Kantstraße hat nicht zu Stau geführt. Es scheint, dass es keine stichhaltigen Gründe gibt, sie zurückzubauen; andernfalls wären sie längst beim Gericht eingereicht worden. In der Pestalozzistraße ist im Bereich am Savignyplatz Kopfsteinpflaster, also nicht geeignet für einen Fahrradweg, außerdem endet sie bereits am Savignyplatz statt auf Höhe Bahnhof Zoo wie die Kantstraße, die außerdem elegant in die Budapester mit weiterem Radweg übergeht. Schließlich sollten Fahrradwege auch vernetzt sein!!!
Vor allen Dingen ist der Fahrradweg in der Kantstraße als Puffer sehr positiv für die ganzen Restaurants mit ihren außenliegenden Sitzplätzen, um den Autoverkehr etwas abzuhalten… das würde auf Dauer die positive Entwicklung der Kantstraße unterstützen.
Radfahrer sind normalerweise auch als Fußgänger unterwegs, die dann in kurzen Strecken alles erreichen können.
von Autofahrern und Benutzern der öffentlichen Verkehrsmitteln erwarten Sie doch auch, dass sie ein paar Schritt zu ihrem Geschäft laufen müssen.
Vielleicht ist die parallele Fahrradstraße ja eine Lösung, aber im Artikel steht ja auch, dass es keinen konkreten Termin für deren Umsetzung gibt. Also wäre sinnvoll: erst Fahrradstraße einrichten, dann ggfs. Fahrradweg Kantstraße umgestalten.