In Lichterfelde entsteht das Quartier „Neulichterfelde“ mit 2.700 Wohnungen, Schule, Kitas, Stadtplatz und 61 Hektar Weidelandschaft.

Mehrgeschossige Wohnhäuser und Reihenhäuser bilden künftig unterschiedliche Wohnangebote im Quartier „Neulichterfelde“ in Lichterfelde./ © Visualisierung: Groth Gruppe
© Titelbild: degewo
Im äußersten Süden Berlins beginnt der Aufbau eines neuen Stadtteils. Rund um den S-Bahnhof Lichterfelde Süd sollen Wohnungen, Bildungsangebote, Geschäfte und öffentliche Räume entstehen. Zugleich bleibt ein großer Teil des früher militärisch genutzten Geländes unbebaut. Was genau ist im Quartier „Neulichterfelde“ vorgesehen, wer baut dort und wann ziehen die ersten Menschen ein?
- Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
- Adresse: Osdorfer Straße / Réaumurstraße, Berlin-Lichterfelde
- Projektstatus: Erschließung und Planung der ersten Baufelder
- Wohnungszahl: Rund 2.700 Wohneinheiten
- Fertigstellung: Schrittweise bis etwa 2035
Das Quartier „Neulichterfelde“ in Lichterfelde Süd zählt zu den größten Wohnungsbauvorhaben, die Berlin derzeit vorbereitet. Das Gebiet liegt unmittelbar an der südlichen Landesgrenze zu Brandenburg und grenzt im Osten an die Bahnstrecke der Anhalter Bahn. Der S-Bahnhof Lichterfelde Süd verbindet das künftige Quartier über die Linie S25 mit der Berliner Innenstadt.
Die Planungen reichen rund 14 Jahre zurück. Der Bezirk leitete das Bebauungsplanverfahren 6-30 im Juni 2015 ein. Es folgten Beteiligungsverfahren, Gutachten und mehrere Überarbeitungen des städtebaulichen Konzepts. Im Juli 2024 setzte das Bezirksamt den Bebauungsplan per Rechtsverordnung fest. Damit erhielt das Projekt die notwendige planungsrechtliche Grundlage.
Warum dauerte die Planung von „Neulichterfelde“ so lange?
Der Standort vereint Wohnungsbau, Naturschutz, Verkehr und soziale Infrastruktur auf einer großen Fläche. Entsprechend umfangreich verlief das Bebauungsplanverfahren. Der Bezirk musste unter anderem Umwelt-, Verkehrs-, Lärm- und Artenschutzfragen untersuchen. Stellungnahmen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung führten außerdem zu Änderungen am Masterplan und an der Abgrenzung der Bauflächen.
Nach der Festsetzung des Bebauungsplans für das Quartier „Neulichterfelde“ im Juli 2024 folgten weitere Verhandlungen über Grundstücke, Zuständigkeiten und die praktische Umsetzung. Erst die im März 2026 geschlossenen Verträge regelten die Zusammenarbeit von degewo, WÖHR + BAUER und der Groth Gruppe neu. Im Juni 2026 begann schließlich die Ausschreibung der Erschließung. Aus der langjährigen Planung wird damit schrittweise ein konkretes Bauprojekt.
Was befand sich früher auf dem Gelände von „Neulichterfelde“?
Große Teile des Areals gehörten zum ehemaligen Truppenübungsplatz Parks Range. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten US-amerikanische Streitkräfte das Gelände. Die militärische Nutzung prägte die Fläche über mehrere Jahrzehnte und endete nach dem Abzug der Alliierten aus Berlin.
Auf dem Areal blieben einzelne historische Gebäude erhalten. Dazu zählen die Reichsbahnbaracke und eine ehemalige Gefangenenunterkunft, die im Bebauungsplan als Denkmale verzeichnet sind. Die geplante Umnutzung der Reichsbahnbaracke verbindet damit die Geschichte des Standorts mit einer neuen sozialen Nutzung im Quartier.

Am S-Bahnhof Lichterfelde Süd soll das Zentrum von „Neulichterfelde“ mit Geschäften, Praxen, Büros und öffentlichen Aufenthaltsflächen entstehen. / © Visualisierung: Groth Gruppe
Wie viele Wohnungen entstehen in „Neulichterfelde“?
Nach dem aktuellen Projektstand sollen in „Neulichterfelde“ rund 2.700 bis 2.800 Wohneinheiten entstehen. Frühere Veröffentlichungen nannten noch rund 2.500 Wohnungen. Die Projektpartner erhöhten diese Zahl im Juni 2026 und veröffentlichten zugleich eine genauere Aufteilung.
Die landeseigene degewo will mehr als 1.000 Wohnungen in den eigenen Bestand übernehmen. Mehr als die Hälfte dieser Wohnungen soll eine öffentliche Förderung erhalten. Ein Gemeinschaftsunternehmen von degewo und WÖHR + BAUER plant rund 850 weitere Einheiten. Hinzu kommen etwa 430 Wohnungen, die WÖHR + BAUER als beauftragter Entwickler vorbereitet. Die Groth Gruppe ist mit rund 420 geplanten Reihenhäusern am Projekt beteiligt.
Wer entwickelt das Quartier „Neulichterfelde“?
Die Groth Gruppe hatte die Entwicklung des ehemaligen Militärgeländes über viele Jahre vorangetrieben. Im März 2026 schlossen die beteiligten Unternehmen zentrale Verträge für eine neue Aufgabenverteilung. Seitdem verantwortet vor allem das Joint Venture von degewo und WÖHR + BAUER die weitere Entwicklung und Erschließung der rund 36 Hektar großen Baufläche. Die Groth Gruppe konzentriert sich auf die geplanten Reihenhäuser.
Damit arbeiten in „Neulichterfelde“ ein landeseigenes Wohnungsunternehmen und private Projektentwickler zusammen. Die degewo sichert langfristig einen größeren kommunalen Wohnungsbestand. WÖHR + BAUER übernimmt zusätzliche Wohnungsprojekte und Entwicklungsleistungen. Das Gemeinschaftsunternehmen kümmert sich außerdem um wesentliche Teile der Erschließung und um zentrale Bausteine des Quartiers.

Das Baufeld des künftigen Quartiers „Neulichterfelde“ auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Parks Range in Berlin-Lichterfelde. Von den rund 97 Hektar des Gesamtareals werden nur 36 bis 39 Hektar bebaut. / © Foto: degewo mit WÖHR + BAUER
Wann beginnt der Bau von „Neulichterfelde“?
Die Projektpartner starteten im Juni 2026 die Ausschreibung für die Erschließungsarbeiten. Parallel bereiten sie die ersten Baufelder vor. Die ersten Bauanträge sollen im Herbst 2026 eingereicht werden. Erste Baumaßnahmen sind noch für den weiteren Verlauf des Jahres vorgesehen.
Die Entwicklung erfolgt in mehreren Abschnitten und soll voraussichtlich bis etwa 2035 dauern. Da Genehmigungen, Ausschreibungen und einzelne Bauabschnitte noch vorbereitet werden, steht auch kein gemeinsamer Fertigstellungstermin für sämtliche Gebäude fest. Wohnungen, Straßen, Grünflächen und soziale Einrichtungen sollen schrittweise entstehen.
Welche Infrastruktur ist in „Neulichterfelde“ geplant?
„Neulichterfelde“ soll nicht als reine Wohnsiedlung entstehen. In der Nähe des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd sieht der Bebauungsplan einen zentralen Stadtplatz vor. Dort sollen Geschäfte für die Nahversorgung, Büros, Dienstleistungen und Arztpraxen Platz finden. Der Bahnhofsvorplatz soll zugleich den Übergang zwischen der bestehenden Thermometersiedlung und dem neuen Quartier bilden.
Zur sozialen Infrastruktur gehören drei Kindertagesstätten, eine Grundschule, eine Sporthalle und ein Sportplatz. Der Schulcampus soll auf einem eigenen Grundstück entstehen. Wann die Schule öffnet, ist noch nicht verbindlich festgelegt. Darüber hinaus soll die denkmalgeschützte Reichsbahnbaracke erhalten und als Jugendfreizeiteinrichtung genutzt werden. Auch ein Quartierstreffpunkt und Angebote für Umweltbildung gehören zum bisherigen Konzept.

Eine Visualisierung zeigt das geplante Quartier „Neulichterfelde“ in Lichterfelde Süd mit neuen Wohnhäusern, begrünten Freiflächen und öffentlichen Wegen. / © Foto: degewo mit WÖHR + BAUER
Wie wird „Neulichterfelde“ an den Verkehr angebunden?
Ein wichtiger Standortvorteil ist der bestehende S-Bahnhof Lichterfelde Süd. Die S25 verbindet den Ortsteil mit wichtigen Umsteigepunkten wie Südkreuz, Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Der geplante Stadtplatz und ein Teil der gewerblichen Nutzungen sollen deshalb direkt am Bahnhof entstehen. Dadurch liegen viele alltägliche Angebote nahe am öffentlichen Nahverkehr.
Das Quartier erhält außerdem neue Straßen sowie Fuß- und Radwege. Die genaue verkehrliche Umsetzung gehört zur Erschließungsplanung. Schon während des Bebauungsplanverfahrens diskutierten Politik, Verwaltung und Anwohnerschaft über mögliche zusätzliche Belastungen der Osdorfer Straße und der umliegenden Wohngebiete. Welche Maßnahmen parallel zu den einzelnen Bauabschnitten umgesetzt werden, hängt vom weiteren Planungs- und Genehmigungsstand ab.
Was passiert mit der Lichterfelder Weidelandschaft?
Das gesamte Projektareal umfasst rund 97 Hektar. Davon sollen etwa 36 Hektar entwickelt werden. Rund 61 Hektar bleiben einschließlich der Lichterfelder Weidelandschaft als Naturraum erhalten. Damit bleibt der größere Teil des Gesamtareals unbebaut.
Die Landschaft entstand auf Flächen, die früher militärischen Zwecken dienten. Durch die jahrzehntelange Nutzung und spätere extensive Beweidung entwickelte sich ein vielfältiger Offenlandbereich mit Trockenrasen, Gehölzen und Lebensräumen für zahlreiche Tierarten. Der Bebauungsplan konzentriert die neuen Gebäude deshalb vor allem auf die nördlichen und östlichen Teilflächen nahe der bestehenden Siedlung und des Bahnhofs.
Wann werden die ersten Wohnungen in „Neulichterfelde“ fertig?
Ein Termin für die Fertigstellung der ersten Wohnungen wurde bislang nicht verbindlich veröffentlicht. Die Projektpartner planen, die Bauanträge für erste Baufelder einzureichen und anschließend abschnittsweise mit dem Hochbau zu beginnen. Der gesamte Entwicklungszeitraum reicht nach aktuellem Stand von 2026 bis ungefähr 2035.
Damit wird „Neulichterfelde“ Lichterfelde Süd über viele Jahre verändern. Neben rund 2.700 Wohnungen entstehen ein neues Quartierszentrum, Bildungs- und Freizeitangebote sowie öffentliche Wege und Grünflächen. Gleichzeitig soll die Lichterfelder Weidelandschaft als zusammenhängender Naturraum erhalten bleiben. Welche Gebäude zuerst entstehen und wann die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen können, entscheidet sich mit den anstehenden Bauanträgen und Genehmigungen.
„Neulichterfelde“
Quellen: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, degewo, WÖHR + BAUER, Groth Gruppe
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