Im Quartier Heidestraße in Berlin-Mitte schreitet die Vermietung neuer Wohnungen voran. Während die Gebäude architektonisch anspruchsvoll sind und das Viertel weiterwachsen lassen, sorgt das Fehlen vertraglich vereinbarter Sozialwohnungen für ein juristisches Nachspiel. Berlin klagt gegen die Eigentümer, die sich nicht an die Vereinbarungen gebunden sehen.
Quartier Heidestraße im Bau.

„QH Crown South“ ist bereits fertiggestellt, während im Quartier Heidestraße weiterhin Bauarbeiten laufen. In den umliegenden Projekten entstehen neben Wohnungen auch Flächen für Büros, Gewerbe und Gastronomie. Direkt gegenüber wird derzeit noch gebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Mit „QH Crown South“ ist im Quartier Heidestraße ein weiteres Wohngebäude fertiggestellt worden. Es umfasst 132 Mietwohnungen, die zwischen 47 und 120 Quadratmeter groß sind. Angeboten werden Ein- bis Vierzimmerwohnungen, alle mit Loggia oder Balkon. Ein begrünter Innenhof soll den Bewohnerinnen und Bewohnern zusätzliche Aufenthaltsqualität bieten. Die Architektur stammt vom Büro gmp Architekten, das auf helle Fassaden und bronzefarbene Details setzte.

Die Wohnungen befinden sich zwischen dem ersten und neunten Obergeschoss. Im Erdgeschoss sind Flächen für Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen, wodurch der Standort am Nordhafenplatz belebt werden soll. Erste Inserate zeigen, dass Zwei-Zimmer-Wohnungen in der Größenordnung von 60 bis 70 Quadratmetern zu Warmmieten zwischen 1.600 und 1.750 Euro angeboten werden.

Europacity in Berlin-Mitte: Großprojekt mit 3.000 Wohnungen und neuen Quartiersbauten

Das Quartier Heidestraße ist Teil der großangelegten Europacity, die nördlich des Hauptbahnhofs entsteht. Auf insgesamt 61 Hektar sollen hier rund 3.000 Wohnungen sowie Büroflächen für 16.000 Menschen entstehen. Der Masterplan aus dem Jahr 2009 sieht eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Handel und öffentlichem Raum vor. Das Projekt soll die innerstädtische Entwicklung in Berlin-Mitte langfristig prägen.

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Neben „QH Crown South“ entstehen auch andere Bauprojekte wie „QH Spring“, „QH Core“ oder „QH Track“. Sie verbinden Wohnen mit Büros, Kultureinrichtungen und Nahversorgung. Ziel ist es, ein lebendiges Stadtquartier zu schaffen, das sich in die umliegende Europacity integriert.

Streit um fehlende Sozialwohnungen an der Heidestraße: Senat wirft Investoren „QH Living“ Vertragsbruch vor

Gleichzeitig steht ein Teil des Projekts in der Kritik. Nach einem städtebaulichen Vertrag von 2016 sollten im Quartier Heidestraße insgesamt 215 Wohnungen als geförderte Sozialwohnungen entstehen. Diese wurden bislang jedoch nicht realisiert. Stattdessen sind zahlreiche Wohnungen an den Co-Living-Anbieter Habyt weitergegeben worden, der möblierte Apartments zu hohen Preisen vermietet, wie die taz berichtet.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung spricht von einem klaren Vertragsbruch. Senator Christian Gaebler erklärte, die Eigentümer seien in der Bringschuld. Es wurden rechtliche Schritte geprüft, um die vertraglich zugesicherten Sozialwohnungen durchzusetzen.

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Zwischen architektonischem Fortschritt und sozialem Konflikt im Quartier Heidestraße

Im Januar 2025 hat der Berliner Senat Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Ziel ist es, die Eigentümer zu verpflichten, die 215 Wohnungen als Sozialwohnungen anzubieten. Darüber hinaus verlangt die Verwaltung eine Vertragsstrafe von aktuell 870.000 Euro. Diese Summe soll sich bei weiteren Verstößen erhöhen, wie rbb24 mitteilt.

Die Eigentümer argumentieren, dass keine Fördergelder des Landes geflossen seien, weshalb sie frei in der Vermietung seien. Üblicherweise entstehen Sozialwohnungen in privater Hand nur, wenn öffentliche Mittel eine begrenzte Mietpreisbindung absichern. Der Fall verdeutlicht damit auch strukturelle Schwächen im Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung.

Während die Vermietung der neuen Wohnungen im Quartier Heidestraße gut voranschreitet, bleibt der Streit um die Sozialwohnungen ungelöst. Für das Viertel bedeutet das einerseits architektonisches Wachstum und neue Wohnangebote, andererseits eine Auseinandersetzung über die soziale Balance im innerstädtischen Wohnungsbau. Wie das Gericht entscheiden wird, bleibt vorerst offen.

Bauarbeiten und Baumaterialien an der Heidestraße für weitere Immobilienprojekte.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: QH-Living, rbb24, taz

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