Am Humboldthain in Gesundbrunnen entsteht ein neues Gewerbequartier, das ursprünglich ganz ohne Wohnungen geplant war. Nun bringt der Projektentwickler bis zu 1.000 Wohnungen ins Spiel und stößt damit auf Widerstand beim Berliner Senat.

Das Bild zeigt die Gustav-Meyer-Allee mit historischen Backsteingebäuden und dem verspiegelten Bestandskomplex des künftigen Quartiers am Humboldthain.

Auf dem ehemaligen AEG- und Nixdorf-Areal läuft bereits der Rückbau der Bestandsgebäude, um die Fläche für die Neubebauung vorzubereiten. Der seit November 2025 rechtskräftige Bebauungsplan sieht auf dem Areal bislang ausschließlich Gewerbeflächen für bis zu 8.000 Arbeitsplätze vor. / © Foto: GIRSHO

© Visualisierungen: Coros

ANZEIGE

 

Auf dem ehemaligen AEG- und Nixdorf-Areal am Humboldthain in Berlin-Gesundbrunnen entsteht aktuell ein neues Gewerbequartier. Der Bebauungsplan für die Fläche wurde im November 2025 rechtskräftig und schafft die Grundlage für rund 234.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Geplant sind Büros, Labore, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Produktionsflächen, auf denen bis zu 8.000 Menschen arbeiten sollen.

Der Rückbau der Bestandsgebäude läuft bereits und soll die Fläche schrittweise für die Neubebauung vorbereiten. Die Fertigstellung des gesamten Quartiers ist aktuell für das Jahr 2030 vorgesehen. Der ursprüngliche Zeitplan bleibt damit bislang unverändert. Laut einem Bericht des Tagesspiegels bringt der Projektentwickler nun offenbar neue Ideen für die künftige Nutzung des Areals ins Spiel.

ANZEIGE

Wohnungsbau am Humboldthain: Entwickler bringt neuen Vorschlag ins Spiel

Demnach möchte Geschäftsführer Lutz Keßels auf knapp einem Drittel der 6,5 Hektar großen Fläche nun Wohnungen errichten; bis zu 1.000 Einheiten sollen es sein. 30 Prozent davon wären gefördert und könnten in den Bestand eines landeseigenen Wohnungsunternehmens übergehen, was dem aktuell angespannten Wohnungsmarkt zugutekommen würde. Als Grund für die Planänderung führte Keßels an, dass sich die Nachfrage seit Planungsbeginn im Jahr 2020 spürbar verändert habe. Homeoffice und gestiegene Zinsen hätten den Berliner Büromarkt im Neubau nahezu zum Erliegen gebracht.

Auch Flächen für Forschung und Bildung fänden zu Marktpreisen bislang kaum Abnehmer, so der Entwickler weiter. Wohnungen könnten zudem verhindern, dass das Quartier abends veröde, und teilweise als Mitarbeiterwohnungen an ansässige Unternehmen vermietet werden. Unterstützung erhält der Vorschlag vom Grünen-Stadtentwicklungssprecher im Bezirk Mitte, Tarek Massalme, der sich für ein durchmischtes Quartier aussprach, in dem nicht am Ende Flächen leer stehen.

Die Visualisierung zeigt das künftig entstehende "Quartier am Humboldthain" in Berlin-Gesundbrunnen.

Geschäftsführer Lutz Keßels möchte auf einem Drittel der 6,5 Hektar großen Fläche nun bis zu 1.000 Wohnungen errichten. / © Visualisierung: Coros

ANZEIGE

Streit um Bebauungsplan: Senat und Bezirk uneins über Wohnungsbau

Der geltende Bebauungsplan lässt jedoch auf dem Areal bislang ausschließlich Gewerbe zu. Keßels wolle sich deshalb auf das seit vergangenem Jahr geltende Bauturbo-Gesetz berufen, das unter bestimmten Bedingungen eine Abweichung vom B-Plan zugunsten von Wohnungsbau ermöglicht. Zuständig für eine solche Ausnahme wäre der Bezirk Mitte, der sich dabei jedoch mit den betroffenen Senatsverwaltungen abstimmen muss.

Sowohl die Senatsverwaltung für Wirtschaft als auch die für Stadtentwicklung signalisierten bislang Zurückhaltung. Der Bebauungsplan schaffe gezielt die Grundlage für Betriebe und Arbeitsplätze, hieß es aus der Wirtschaftsverwaltung. Aus der Stadtentwicklungsverwaltung verlautete zudem, dass der Stadtentwicklungsplan Wirtschaft 2040 einer Wohnbebauung als öffentlicher Belang entgegenstehe. Ein offizieller Antrag des Entwicklers liegt dem Bezirk nach Senatsangaben noch nicht vor. Ob sich Bezirk und Senat auf eine gemeinsame Linie einigen können, wird sich erst zeigen, sobald ein konkreter Antrag des Entwicklers vorliegt. Bis dahin bleibt offen, ob das Bauturbo-Gesetz im Fall des Areals tatsächlich zur Anwendung kommt.

Quellen: Der Tagesspiegel, COROS, visit Berlin, Technologiepark-Humboldthain, Architekturbüro Cobe

ANZEIGE

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.