Am Pyramidenring in Marzahn ist ein großer Gewerbecampus mit Rechenzentrum geplant. Eine Insolvenz und der Denkmalschutz erschweren nun aber die Entwicklung.
Campus Pyramidenring: Landsberger Allee 378
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Auf dem früheren Bundesgrundstück an der Landsberger Allee 378 in Marzahn laufen seit Jahren Planungen für einen neuen Gewerbestandort. Zuletzt schien sich mit einem geplanten Rechenzentrum zumindest für einen Teil der Fläche eine konkrete Perspektive abzuzeichnen. Doch neue Angaben des Berliner Senats zeigen: Die Entwicklung ist komplizierter geworden. Neben offenen Planungsfragen spielt inzwischen auch die wirtschaftliche Situation der Projektgesellschaft eine Rolle.
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Landsberger Allee 378 / Alte Rhinstraße 11 / Pyramidenring, 12681 Berlin
- Projekt: Campus Pyramidenring mit Gewerbe, Labor- und Campusnutzungen sowie Rechenzentrum
- Projektstatus: Bebauungsplanverfahren läuft
Das Gelände gehörte früher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA. Nach Angaben der Initiative Stadt Neudenken wurde das Grundstück dann aber für 15 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft. Die HOWOGE hatte die Fläche zuvor geprüft, aber wegen fehlender Eignung für Wohnungsbau nicht erworben.
Mit dem Eigentümerwechsel rückte eine gewerbliche Entwicklung des weitläufigen Areals in den Mittelpunkt. Geplant ist der Campus Pyramidenring mit Rechenzentrum. Ein Vorkonzept aus dem Jahr 2022 sah neben Gewerbe und Büros auch Gastronomie und Serviceangebote vor. Der Bezirk bewertet den campusartigen Grundgedanken weiterhin positiv. Auch eine betriebliche Kita sei grundsätzlich möglich.
Pyramidenring in Marzahn: Rechenzentrum soll Teil eines größeren Campus werden
Inzwischen lässt sich genauer beziffern, welche Dimensionen das Vorhaben erreichen könnte. Poier Consulting, das die Eigentümerseite bei der Entwicklung begleitet, nennt für das gesamte Gebiet rund 80.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Davon sollen rund 20.000 Quadratmeter auf ein Rechenzentrum entfallen. Weitere Flächen sind für Gewerbe, Labore und andere Campusnutzungen vorgesehen. Für das Rechenzentrum nennt das Unternehmen eine Gesamtleistung von 40 Megawatt.
Allerdings handelt es sich noch nicht um ein genehmigtes Bauprojekt. Für eine südwestliche Teilfläche erteilte der Bezirk am 14. Februar 2025 lediglich einen positiven Vorbescheid für ein Rechenzentrum. Einen Bauantrag hat der Eigentümer bislang nicht gestellt. Auch für die Landsberger Allee 378 und die Alte Rhinstraße liegen nach Angaben des Bezirks derzeit keine aktuellen Bauanträge vor.
Neue Rechenzentrum-Planung trifft auf Bedenken des Bezirks
Zudem ist die konkrete Gestaltung des Rechenzentrums noch nicht geklärt. Am 13. April 2026 stellte Poier Consulting als Vertreterin der Eigentümer eine geänderte Planung bei Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic und Stadtentwicklungsstadträtin Juliane Witt vor. Der Bezirk stellte dafür jedoch keine Zustimmung in Aussicht. Grund dafür waren denkmalrechtliche Bedenken.
Das betrifft vor allem den Charakter des bestehenden Ensembles. Nach Auffassung des Bezirks müssen der historische Campuscharakter sowie vorhandene Sicht-, Wege- und Grünachsen erhalten bleiben. Neubauten dürfen die denkmalgeschützten Gebäude deshalb nicht durch ihre Größe und Gestaltung überformen. Damit steht zwar die grundsätzliche Idee eines Rechenzentrums weiterhin im Raum, seine konkrete Form ist aber noch nicht abschließend geklärt.
Pyramidenring in Marzahn: Insolvenz schafft zusätzliche Unsicherheit
Zu den planerischen Fragen kommt inzwischen ein wirtschaftlicher Faktor. Für die CenSar Pyramidenring GmbH wurden beim Amtsgericht Düsseldorf unter dem Aktenzeichen 501 IN 88/26 insolvenzrechtliche Sicherungsmaßnahmen bekannt.
Welche Folgen die Insolvenz für das Grundstück und die geplanten Projekte haben wird, ist derzeit offen. Weder Senat noch Bezirk konnten dazu in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage eine belastbare Einschätzung geben. Damit ist insbesondere noch nicht geklärt, ob die bisherige Projektentwicklung in der vorgesehenen Form fortgesetzt werden kann.
Wie geht es mit dem Campus Pyramidenring nun weiter?
Für das laufende Planungsrecht hat die wirtschaftliche Situation zunächst jedoch keine unmittelbaren Folgen. Das Bebauungsplanverfahren XXI-23 läuft weiter. Der nächste wichtige Schritt soll bereits im Herbst 2026 folgen. Dann ist nach aktuellem Stand die nächste Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung für den Bebauungsplan vorgesehen.
Damit laufen derzeit zwei Prozesse nebeneinander. Der Bezirk treibt das Bebauungsplanverfahren für die langfristige Entwicklung des Areals weiter voran. Gleichzeitig bleibt offen, welche Auswirkungen das Insolvenzverfahren auf den privaten Eigentümer und damit auf die tatsächliche Umsetzung der bisherigen Pläne haben wird.
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26806, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
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