Auf dem Sportplatz neben der Carl-von-Ossietzky-Schule in Berlin-Kreuzberg soll ein Schulneubau entstehen, als Reaktion auf marode Schulgebäude in der Nachbarschaft. Doch Eltern und Lehrkräfte protestieren. Sie fürchten eine Verschlechterung der Lern- und Aufenthaltsbedingungen für alle Kinder auf dem Campus.

Der Tennis- und Sportplatz neben der Carl-von-Ossietzky-Schule wird derzeit als Pausen- und Aufenthaltsfläche genutzt. Künftig soll hier ein Modularer Ergänzungsbau (MEB) für die Aziz-Nesin-Grundschule entstehen. / © Foto: Pixabay
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Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verschärft sich der Schulraummangel. Auf dem Schulcampus an der Blücherstraße soll auf dem Gelände eines Sport- und Pausenplatzes ein sogenannter Modularer Ergänzungsbau (MEB) entstehen. Der Neubau ist für die Aziz-Nesin-Grundschule vorgesehen, deren aktuelles Holzgebäude aufgrund des baulichen Zustands nur noch begrenzt nutzbar ist.
Geplant ist, dass rund 290 Kinder aus der Aziz-Nesin-Schule 2026/27 in das neue Gebäude auf dem bisherigen Tennisplatz einziehen. Danach soll das Bestandsgebäude abgerissen werden. Die Fläche wird derzeit auch vom Verein Türkiyemspor genutzt. Eltern und Lehrkräfte der benachbarten Carl-von-Ossietzky-Schule (CvO) fürchten massive Einschränkungen für die Schülerinnen und Schüler auf dem Campus.
Pausenflächen für alle: Kritik an fehlender Trennung von Grund- und Oberschule
Gesamtelternvertreter Jeremy O‘Brien kritisiert gegenüber der Berliner Morgenpost, dass Jugendliche der Sekundarstufe künftig dieselben Pausenflächen wie Grundschulkinder nutzen müssten. Er warnte, dass dies zu Spannungen führen könne, da sich ältere Schülerinnen und Schüler durchsetzen würden. Auch Sicherheitsbedenken wurden geäußert, etwa im Hinblick auf die Beaufsichtigung oder das unkontrollierte Verlassen des Geländes.
Hüseyin Ötekivilcim, ebenfalls Vater eines CvO-Schülers, fragte, wer die jüngeren Kinder daran hindere, sich an problematischen Verhaltensweisen der Älteren zu orientieren. Lehrerinnen und Lehrer befürchten eine unübersichtliche Situation. Bereits jetzt komme es zu Fehlalarmen oder Reizgasvorfällen auf dem Gelände, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
Sanierungsumzug ins Aziz-Nesin-Gebäude vorgesehen, doch Proteste gegen Abriss ohne Neubauzusage wachsen
Die Situation wird durch die Lage der Reinhardswaldschule zusätzlich verschärft. Das Gebäude an der Gneisenaustraße ist asbestbelastet und darf spätestens Ende Januar 2028 nicht mehr betrieben werden. Um Schulraum zu sichern, sollen deren Schülerinnen und Schüler nach einer Sanierung in das bisherige Aziz-Nesin-Gebäude umziehen.
Auch diese Pläne stößt auf Widerstand: Eltern der Reinhardswaldschule fordern eine Neubauzusage, bevor das bestehende Gebäude abgerissen wird. Bezirksstadtrat Andy Hehmke (SPD) verwies laut Berliner Morgenpost auf die Dringlichkeit der Maßnahmen, die unter erheblichem Zeitdruck stünden.
Grüne fragen nach: Verfahren stockt, Neubau der Reinhardswaldschule weiterhin ungesichert
Die Grünen-Abgeordnete Olja Koterewa erkundigte sich in einer mündlichen Anfrage in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg nach dem aktuellen Sachstand. Demnach befindet sich das Verfahren für den MEB der Aziz-Nesin-Schule im Mitzeichnungsverfahren auf Landesebene. Es bestehe die Gefahr, dass der Standort aus der laufenden Finanzierungsrunde herausfalle.
Laut Bezirksamt bestehen sowohl für die Reinhardswald- als auch für die Aziz-Nesin-Schule offene Fragen zur Finanzierung und Umsetzung. Die Verantwortung liege bei der Senatsverwaltung, die den Bedarf für einen Neubau der Reinhardswaldschule bisher nicht offiziell bestätigt habe. Bezirksstadtrat Hehmke bestätigte, dass das Bezirksamt sich intensiv für eine Beschleunigung einsetze. Auch beim Neubau der Reinhardswaldschule gebe es bislang keine Einigung mit dem Land, obwohl der Bedarf nachweisbar sei.
Seit Jahren verzögert: Zweiter Bauabschnitt des Schulhofs weiter ohne Umsetzungsperspektive
Die geplante Umgestaltung des Schulhofs wurde aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen durch Abriss und Neubau vorerst ausgesetzt. Ursprünglich war eine klare Zuordnung der Freiflächen sowie differenzierte Aufenthaltsbereiche für die verschiedenen Altersgruppen vorgesehen.
Bereits 2015 war ein erster Bauabschnitt fertiggestellt worden. Die weitere Umsetzung verzögert sich jedoch seit Jahren. Auch Fragen zur Regenwasserversickerung und zur Finanzierung waren lange ungeklärt. Die Unsicherheit wirkt sich nun direkt auf die Entwicklung des gesamten Campus aus.
Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Grüne Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Morgenpost
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