Die Planungen für die Potsdamer Stammbahn+ zwischen Potsdam und Berlin kommen voran. Jahrzehntelang lag die historische Strecke still. Nun schaffen Baugrunduntersuchungen und neue Planungen die Grundlage für ihre Rückkehr.

Die Übersichtskarte zeigt den geplanten Verlauf der Potsdamer Stammbahn+ zwischen Potsdam, Berlin-Schöneberg und dem Ostkreuz einschließlich der vorgesehenen neuen Stationen. / © Grafik: DB AG
© Titelbild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Zwischen Potsdam-Griebnitzsee und Berlin-Schöneberg untersuchen Fachfirmen derzeit den Boden entlang einer der ältesten Bahnstrecken Deutschlands. Gleichzeitig stimmen Verwaltungen, Kommunen und Verkehrsplaner ab, wie ein neuer Bahnhof an der Grenze zu Kleinmachnow aussehen könnte. Damit erreicht die Potsdamer Stammbahn+ eine Phase, in der aus langfristigen Konzepten konkrete Planungsgrundlagen entstehen.
- Ort: Potsdam, Kleinmachnow und Berlin
- Strecke: Potsdam-Griebnitzsee über Kleinmachnow und Berlin-Zehlendorf bis Potsdamer Platz sowie südlicher Berliner Innenring bis Ostkreuz
- Baubeginn: 2032
- Fertigstellung: 2038
Seit Ende 2025 erkundet die Deutsche Bahn den Baugrund entlang der historischen Trasse. Die Arbeiten begannen im Bereich Griebnitzsee und bewegen sich schrittweise in Richtung Berliner Innenstadt.
Potsdamer Stammbahn+: Grundwasser wird über eineinhalb Jahre beobachtet
Im April 2026 veröffentlichte die Bahn erstmals ausführliche Angaben zu den Untersuchungen. Kleine Bohrgeräte dringen je nach Standort acht bis zwölf Meter tief in den Boden ein. An anderen Punkten reichen die Bohrungen bis in eine Tiefe von 25 Metern und dauern ungefähr eine Woche. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Fundamente später für Brücken, Bahnsteige und weitere Anlagen infrage kommen.
Neben der Zusammensetzung des Bodens untersuchen die Fachleute auch die Grundwasserverhältnisse. Dafür hat die Deutsche Bahn Messstellen eingerichtet, an denen sie die Entwicklung des Wasserstands etwa eineinhalb Jahre lang erfasst. Zudem erfolgen Dichtemessungen mit einem rund 16 Tonnen schweren Gerät. In Waldgebieten schützen Lastverteilplatten den Boden und dort lebende Tiere vor dem Gewicht der Maschine.
Kampfmittelsondierungen begleiten die Arbeiten, da die Strecke durch Gebiete führt, die während des Zweiten Weltkriegs betroffen waren. Die Untersuchungen zwischen Griebnitzsee und Schöneberg sollen nach Angaben des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf schrittweise bis Herbst 2026 laufen.

Für die Vorplanung der Potsdamer Stammbahn+ untersuchen Fachfirmen derzeit den Baugrund entlang der historischen Bahntrasse zwischen Potsdam und Berlin. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Engelmann Brunnebau GmbH
Neue Station Düppel-Kleinmachnow für Potsdamer Stammbahn+ wird vorbereitet
Die Deutsche Bahn erstellt derzeit die Vorplanung für den Abschnitt zwischen Potsdam-Griebnitzsee und dem Potsdamer Platz. Nach dem aktuellen Projektsteckbrief soll diese Planungsphase Ende 2026 abgeschlossen sein. Dabei prüfen die Planer nicht nur den Verlauf der Gleise. Sie untersuchen außerdem bestehende Bauwerke, mögliche Stationsstandorte, Umweltbelange, den Schallschutz und die Einbindung der Strecke in das vorhandene Bahnnetz.
Im Mai 2026 informierten die Projektpartner über einen weiteren Arbeitsschritt. Bereits Ende Februar hatten Vertreter aus Berlin und Brandenburg, der Gemeinde Kleinmachnow, des Bezirks Steglitz-Zehlendorf und der Technischen Universität Berlin über die geplante Station Düppel-Kleinmachnow beraten. Der Bahnhof soll auf Berliner Gebiet entstehen, liegt jedoch unmittelbar an der Landesgrenze und soll Kleinmachnow wieder an den Schienenpersonennahverkehr anschließen.
Die Beteiligten gründeten dafür das „Team NextStation“. Es soll innerhalb eines Jahres Planungsdaten zusammentragen, Zuständigkeiten ordnen und eine Aufgabenstellung für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb mit Studierenden entwickeln. Außerdem wollen die Partner prüfen, wie sich Informationen zum Projekt in einem digitalen Modell darstellen lassen.

Die Infografik zeigt die wichtigsten Meilensteine der Potsdamer Stammbahn+ – von den ersten Planungen bis zur geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2038. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Potsdamer Stammbahn+ führt bis in Berliner Innenring
Die geplante Station ist Teil eines größeren Verkehrskonzepts. Die Deutsche Bahn will die rund 21 Kilometer lange Strecke zwischen Griebnitzsee und Potsdamer Platz zweigleisig wiederaufbauen und mit Oberleitungen elektrifizieren. Untersucht werden Halte am Europarc Dreilinden, in Düppel-Kleinmachnow, Zehlendorf, Rathaus Steglitz und Schöneberg. In Griebnitzsee sollen die vorhandenen Bahnsteige verlängert werden. Die Projektplanung sieht barrierefreie Stationen mit 220 Meter langen und 76 Zentimeter hohen Bahnsteigen vor.
Das Plus im Projektnamen Potsdamer Stammbahn+ steht für den südlichen Berliner Innenring. Dieser Abschnitt soll zwischen Schöneberg und Ostkreuz für Regional-, Fern- und Güterzüge ausgebaut und elektrifiziert werden. Dadurch könnten Züge aus Potsdam künftig entweder über den Nord-Süd-Fernbahntunnel zum Potsdamer Platz oder über Südkreuz und den südlichen Innenring zum Ostkreuz fahren.
Potsdamer Stammbahn+ mit maximal 160 km/h
Vorgesehen sind Untersuchungen zu Regionalbahnsteigen am Südkreuz sowie im Bereich Hermannstraße oder Neukölln. Am Ostkreuz soll der obere Regionalbahnsteig verlängert werden. Ob der Halt in Neukölln oder an der Hermannstraße entsteht, ist noch nicht entschieden.
Nach den derzeitigen Berechnungen soll eine Fahrt von Düppel-Kleinmachnow zum Potsdamer Platz 16 Minuten dauern. Bis Südkreuz nennt die Deutsche Bahn 13 Minuten. Auf der Stammbahn ist eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde vorgesehen, auf dem südlichen Innenring von 80 Kilometern pro Stunde. Die bestehende Strecke über Wannsee bleibt erhalten. Die zusätzliche Verbindung soll alternative Fahrwege schaffen und die stark beanspruchte Berliner Stadtbahn entlasten.
Quellen: Deutsche Bahn, i2030, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
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7 Kommentare
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Das Projekt ist natürlich mehr als zu begrüßen, aber der Zeitstrahl in dem sehr interessanten Text oben zeigt in unbestechlicher Art und Weise, was in diesem Land gerade nicht rund läuft.
2038 ? Da lachen ha due Hühner.
Und was soll der Spass wirklich kosten?
Die Strecke wird gebraucht.
Alles was über 3 Jahre für Planung und Umsetzung dauert ist Unfähigkeit!
Ende der Debatte.
Wetten, dass aus 2038 mindestens 2050 wird?
Fertigstellung 2038, vermutlich dann eher 45. Den Lafen Deutschland sollte man am besten dicht machen, das ist doch albern.
Deutschland steht unbestätigten, aber überzeugenden Gerüchten zufolge (Wirtschaftsweise Monika Grimm) in vier Jahren vor der Staatspleite. Das wird nichts mit der Stammbahn, so schön, das wäre.
Ich laufe von Zehlendorf bis Griebnitzsee diese Strecke oft ab. Und ich muss sagen das diese Gegend von der Natur her sehr ruhig und Idillisch ist. Mit den Bauarbeiten, und der Wiederinbetriebnahme dürfte das dann wohl leider vorbei sein. Finde ich persönlich sehr Schade. Zumal zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee nur 2 Haltestationen (Düppel und Europapark Dreilinden) entstehen sollen. An Kleinmachnow rauschen die Züge dann wohl leider vorbei. Da war zur NS Zeit auch mal eine Station geplant worden. Die andere Strecke entlang der S1 könnte man ab Zehlendorf auch über Wannsee führen. Und warum kann man nicht auch billiger die Trasse als S-Bahn herrichten, und auf der Friedhofsbahn bis Stahnsdorf führen? Und den restlichen Abzweig Richtung Griebnitzsee fortführen? Dadurch würden sich ganz neue Verbindungen ergeben. Auch als S-Bahn Strecke.