Der Potsdamer Platz galt in den 1990er-Jahren als Symbol des neuen Berlin. Inzwischen hat sich das damals völlig neu errichtete Quartier selbst grundlegend verändert. Eine neue Auszeichnung liefert nun Anlass für eine Zwischenbilanz.

Belebte Fußgängerzone am Potsdamer Platz mit moderner Architektur, Gastronomie und hoher Aufenthaltsqualität im Herzen Berlins. / © Foto: Potsdamer Platz
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Potsdamer Platz war nach der Wiedervereinigung eine der spektakulärsten Baustellen Europas. Büros, Einkaufsflächen, Hotels und Hochhäuser entstanden dort, wo zuvor die Berliner Mauer die Stadt geteilt hatte. Knapp drei Jahrzehnte später geht es nicht mehr um einen kompletten Neubeginn. Stattdessen zeigt sich hier, wie Berlin mit einem vergleichsweise jungen Stück Stadt umgeht, das inzwischen selbst zum Bestand geworden ist.
- Bezirk: Mitte
- Standort: Potsdamer Platz, 10785 Berlin
- Projektstatus: Umbau und Weiterentwicklung des bestehenden Quartiers
- Gebäude: 17, davon 16 unter Verantwortung von Brookfield Properties
- Besonderheiten: Mischnutzung, Fußgängerzone, Regenwassermanagement und Klimaschutzfahrpläne
Einen aktuellen Anlass für die Zwischenbilanz liefert die erneute Gold-Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Das Quartier am Potsdamer Platz erhielt damit zum zweiten Mal ein DGNB-Zertifikat in Gold. Bereits 2011 war das Areal ausgezeichnet worden. Damals stand jedoch ein vergleichsweise junges Stadtquartier im Mittelpunkt. Bei der neuen Zertifizierung wurde der Potsdamer Platz dagegen als bestehendes Quartier bewertet.
Das Verfahren startete im Oktober 2023 und wurde im September 2025 abgeschlossen. Drees & Sommer begleitete die Zertifizierung in der Pilotphase des neuen DGNB-Systems für Bestandsquartiere. Bewertet wurden dabei nicht nur einzelne Gebäude, sondern das Quartier als Ganzes. Eine Rolle spielten unter anderem der Gebäudebetrieb, Klimaschutz, Mobilität, Freiräume und die Anpassung an den Klimawandel. Damit bildet die Auszeichnung auch ab, wie sich der Potsdamer Platz seit seiner Entstehung weiterentwickelt hat.
DGNB-Gold für 17 Gebäude am Potsdamer Platz
Das untersuchte Areal umfasst 17 Gebäude und rund 459.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Neben Büros gehören Einzelhandel, Gewerbe, Gastronomie, Hotels und Wohnungen zum Nutzungsmix. Eine Besonderheit fällt dabei leicht unter den Tisch: Zwischen den Bauten der späten 1990er-Jahre befindet sich auch ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1911/1912. Die übrigen Häuser wurden zwischen 1997 und 1999 fertiggestellt.
Am deutlichsten lässt sich der Wandel inzwischen im öffentlichen Raum erkennen. Seit September 2022 wurde die Alte Potsdamer Straße schrittweise vom Autoverkehr befreit. Die Umgestaltung des Potsdamer Platzes zur Fußgängerzone veränderte damit eine zentrale Achse des früheren Daimler-Quartiers. Zwischen Potsdamer Straße und Marlene-Dietrich-Platz entstand auf rund 450 Metern ein weitgehend Fußgängern und Radfahrenden vorbehaltener Bereich.

Grüne Promenade am Potsdamer Platz in Berlin mit Cafés, Restaurants und attraktiven Aufenthaltsflächen für Arbeit und Freizeit. / © Foto: Potsdamer Platz
Potsdamer Platz will bis 2045 klimaneutral werden
Auch die früheren Potsdamer Platz Arkaden änderten ihren Charakter. Nach dem Umbau öffnete das Einkaufszentrum 2022 unter dem Namen „The Playce“ wieder. Das Konzept sollte die zuvor stark nach innen gerichtete Passage stärker mit den angrenzenden Straßen verbinden. Naturstein statt Asphalt, Sitzmöglichkeiten, Gastronomie und eine veränderte Beleuchtung gehören deshalb nicht nur zur Gestaltung, sondern zu einem grundlegend anderen Ansatz für das Quartier.
Weniger sichtbar sind die Veränderungen im Gebäudebetrieb. Für die 16 Gebäude, die unter der Verantwortung von Brookfield Properties stehen, wurden Klimaschutzfahrpläne entwickelt. Sie verfolgen das Ziel der Klimaneutralität bis 2045. Vorgesehen sind nach Angaben von Drees & Sommer unter anderem jährliche Verbrauchsreduktionen von jeweils einem Prozent bei Strom, Wärme und Kälte. Seit 2023 kommen zudem sogenannte Green Leases zum Einsatz, die Nachhaltigkeitsaspekte in Mietverträgen berücksichtigen.
Vom Daimler-Quartier zum Stadtbaustein: Der Potsdamer Platz verändert seine Rolle
Eine weitere Rolle spielt Wasser. Schon bei der Planung des Quartiers entstanden technische Systeme zur Regenwasserbewirtschaftung. Im Zuge der aktuellen Freiraumplanung soll dieses Prinzip weiterentwickelt werden. Der Bezirk nennt ausdrücklich die Optimierung der Regenwasseranlagen als Bestandteil der Umgestaltung. Dazu kommt die Neugestaltung des Marlene-Dietrich-Platzes, wo unter anderem neue Sitzbereiche und ein großer Regenwassergarten vorgesehen sind.
Damit verschiebt sich auch die Idee hinter dem Potsdamer Platz. In den 1990er-Jahren ging es darum, eine riesige Brache im ehemaligen Grenzgebiet in kurzer Zeit wieder in die Stadt einzufügen. Heute liegt der Schwerpunkt stärker auf dem vorhandenen Stadtraum: Erdgeschosse sollen sich öffnen, Wege angenehmer werden und Flächen mehrere Funktionen übernehmen.
Potsdamer Platz bleibt im Wandel: Der eigentliche Platz ist kaum verändert
Abgeschlossen ist die Entwicklung nicht. Während die Alte Potsdamer Straße bereits umgebaut wurde, laufen die Arbeiten rund um den Marlene-Dietrich-Platz weiter. Gleichzeitig zeigt sich am nördlichen Ende des Quartiers eine auffällige Grenze der bisherigen Maßnahmen.
Denn der eigentliche Kreuzungsbereich am Potsdamer und Leipziger Platz blieb von der Begrünung bislang weitgehend unberührt. Große versiegelte Flächen bestimmen dort weiterhin das Bild. Die Frage, wie der Potsdamer Platz mit mehr Grün und Schatten weiterentwickelt werden könnte, dürfte deshalb auch nach Abschluss der laufenden Arbeiten bestehen bleiben.
Potsdamer Platz: Umbau des 90er-Jahre-Quartiers
Quellen: Drees & Sommer, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Bezirksamt Mitte, Brookfield Properties, DEAL-Magazin
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4 Kommentare
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Alles eine Fußgängerzone find ich radikal genug zur Vitalisierung des Platzes.
Wer weiß, ob diese künstliche Insel jemals in der Stadt ankommen wird. Da geht nichts in angrenzende Gebiete über oder wächst mit irgendwelchen Übergängen rein… Dieser Tilla Durieux Park kommt mir mittlerweile immer mehr wie eine alles total abschneidende Trasse vor, deren Aufwertung das auch nicht ändern wird … und mal von den paar Außenplatzflächen der Gastronomie abgesehen, gibt es so viele Ecken, Gebäuderück-und Totseiten, die keine Fassaden mit interessanter Bindung zum Straßenraum aufweisen oder in diesen reinwirken. Da ist keine Spannung… Ein Nichts, das überall abweisend wirkt… Tote Butze und Sterilität aller Orten…… Na ja, und der Alex ist auf eine andere Art genauso unterwegs. Da rennt zwar Publikum rum, aber ansonsten hat der genauso wenig Einladendes bzw. macht einen auf urbanen Kratzpullover.
Das Beste an diesem Artikel ist das endlich vernünftige Kartendesign.
„Das Konzept sollte die zuvor stark nach innen gerichtete Passage stärker mit den angrenzenden Straßen verbinden.“
Die Isolierung vom umgebenden Stadtraum ist aber nicht nur ein Problem der Passage: So hat man die Durchlässigkeit zur Staatsbibliothek (obwohl geplant und auch gefordert von vielen), einfach ignoriert. Solange der blockierte Durchgang zur Staatsbibliothek weiterhin blockiert bleibt, ist alles Gerede von der zunehmenden Anbindung an den Stadtraum haltlos.
Im Süden das Gleiche: Es war eine Fußgängerbrücke über den Landwehrkanal zur Anbindung an den Gleisdreieckpark geplant, allerdings wegen Barrierefreiheit so aufwendig, daß sie nicht finanziert werden konnte. Also auch dort keine Anbindung an oder Einbindung in den Stadtraum.
Und das ehemalige Weinhaus Huth ist zwar denkmalgeschützt; das ursprünglich bei Eröffnung des Potsdamer Platz eingezogene Weinlokal ist aber längst Geschichte.
Wie kann man also sagen, der Potsdamer Platz habe sich „neu erfunden“ – weil ein paar Stauden und Bäume gepflanzt und irgendwelches Regenwassergedöns gebaut wurde, was die Klimafans im Bezirk erfreut?? Dafür gibt es Goldmedaillen – unglaublich.