Der Kaisersaal am Potsdamer Platz ist ein Überrest des Hotels Esplanade, das Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Berliner Hotels gehörte. Nach Kriegszerstörungen und jahrzehntelangem Stillstand wurde er in den 1990er Jahren spektakulär und aufwendig verschoben, restauriert und in das Sony Center integriert.

Das zweite Bild zeigt die Fassade des Grand Hotel Esplanade.

Der Kaisersaal überstand die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. 1996 wurde er in einem technisch aufwendigen Verfahren an seinen heutigen Standort im Sony Center bewegt. /© Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Hoffmann, Herbert / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE

© Titelbild: Wikimedia Commons, Robert Hösle, CC BY-SA 4.0
© Foto unten: IMAGO / Zoonar

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Das Hotel Esplanade wurde im Dezember 1908 an der Bellevuestraße eröffnet. Es entstand in einer Zeit, in der Berlin zahlreiche repräsentative Bauten erhielt und neue Hotels als Treffpunkte der gehobenen Gesellschaft dienten. Der Kaisersaal war einer der wichtigsten Räume des Gebäudes. Kaiser Wilhelm II. nutzte ihn für Abendveranstaltungen, bei denen er mit geladenen Gästen zusammentraf.

Während der 1920er Jahre wurde das Hotel zu einem Anziehungspunkt für internationale Besucher. Zeitzeugen berichten von Auftritten und Besuchen bekannter Künstlerinnen und Künstler, darunter Greta Garbo und Charlie Chaplin.

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Die Kriegsjahre führten zu massiven Zerstörungen. Vom Hotel blieben nur wenige Teile erhalten, darunter der Kaisersaal, der Frühstückssaal und das Treppenhaus. Nach dem Krieg stand das Gebäude inmitten einer weitgehend unbebauten Umgebung. In den 1970er Jahren nutzte die Filmproduktion von „Cabaret“ den Raum noch als Drehort. Damit blieb der Kaisersaal im öffentlichen Bewusstsein, obwohl das Hotel ansonsten keine Funktion mehr hatte.

Potsdamer Platz nach der Wiedervereinigung: Stadtentwicklung, Bauprojekte und Denkmalschutz

Mit der deutschen Wiedervereinigung rückte der Potsdamer Platz in den Mittelpunkt städtebaulicher Planungen. Das Gelände sollte ein neues Quartier der Hauptstadt werden. Dabei zeigte sich, dass der Kaisersaal an der vorgesehenen Stelle stand und den Bauprojekten im Weg war. Da das Gebäude jedoch unter Denkmalschutz stand, wurde ein Abriss ausgeschlossen. Die Planer entschieden deshalb, den Raum in die Neubauten einzubinden.

Die Wahl für eine Integration beruhte auf der historischen Bedeutung des Saals. Er war eines der letzten sichtbaren Fragmente eines einst zentralen Berliner Hotels und vermittelte ein Bild von der Vorkriegsgeschichte des Platzes. Die Einbeziehung in das Sony Center wurde damit Teil der Strategie, Vergangenheit und Gegenwart räumlich miteinander zu verbinden.

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Ingenieurtechnik in Berlin: Die Verschiebung des Kaisersaals in den 1990er Jahren

1996 begann die technische Umsetzung der Verschiebung. Ingenieure trennten den Kaisersaal vom Fundament und hoben ihn zunächst um 2,40 Meter an. Anschließend wurde das rund 1.300 Tonnen schwere Bauwerk mithilfe von Luftkissen in mehreren Schritten transportiert. Der Saal bewegte sich 7,30 Meter nach Süden, 42 Meter nach Osten und 25 Meter nach Norden. Am Ende hatte er eine Gesamtstrecke von 75 Metern zurückgelegt und befand sich an seiner heutigen Position im Sony Center.

Die Geschwindigkeit der Verschiebung lag bei rund fünf Metern pro Minute. Das gesamte Verfahren war mit hohen Kosten verbunden, die sich auf etwa 75 Millionen Mark beliefen. Für die Bauingenieure stellte die Aufgabe eine der aufwendigsten technischen Herausforderungen der 1990er Jahre in Berlin dar. Mit dem Abschluss der Arbeiten war der Saal an seinem neuen Standort integriert, ohne dass seine historische Substanz verloren ging.

Restaurierung nach der Verschiebung: Wiederherstellung des historischen Zustands und neue Nutzung

Nach dem Abschluss der Verschiebung folgte eine mehrjährige Restaurierung des Saales. Ziel war es, die ursprüngliche Gestaltung so weit wie möglich wiederherzustellen. Dabei entfernte man zahlreiche Schichten von Farbe und Lack, sodass die ursprüngliche cremeweiße Farbgebung erneut sichtbar wurde. Auch die Geländer mit Blattgoldverzierungen und die Marmoroberflächen in den Sanitärräumen wurden instandgesetzt.

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Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2000 ist der Kaisersaal Teil des Sony Centers, heute „Center am Potsdamer Platz“. Von der Bellevuestraße aus ist er sichtbar, allerdings hinter großen Glasflächen. Auf diese Weise wirkt er wie ein Exponat, das im Stadtraum gezeigt wird. Gleichzeitig dient er als Veranstaltungsraum, wodurch er eine funktionale Rolle im heutigen Berlin erfüllt.

Architekturgeschichte im Vergleich: Der Berliner Kaisersaal und seine Tradition in europäischen Residenzen

Kaisersäle hatten in europäischen Residenzen über Jahrhunderte eine feste Funktion. Sie waren meist die größten Räume und wurden für Besuche des Kaisers oder für große Feierlichkeiten genutzt. Neben ihrer Größe war ihre Ausstattung entscheidend. Wandmalereien, Fresken und allegorische Programme sollten nicht nur Herrschaft verherrlichen, sondern auch Pflichten und Tugenden ins Gedächtnis rufen.

In Würzburg zeigen die Fresken des 18. Jahrhunderts historische Szenen, in Bamberg steht die Allegorie der Weisheit im Mittelpunkt. Diese Beispiele machen deutlich, dass Kaisersäle Orte politischer Symbolik und sozialer Repräsentation waren. Der Berliner Kaisersaal ist kleiner und einfacher, gehört jedoch in diese Tradition. Auch er verbindet architektonische Gestaltung mit historischer Bedeutung.

Hier seht Ihr die Verschiebung im Video:

 

Der Kaisersaal hinter Glas an der Bellevuestraße erkennbar.

Der denkmalgeschützte Saal des Hotels Esplanade wurde 1996 mithilfe von Luftkissen verschoben und um insgesamt 75 Meter verlagert. / © Wikimedia Commons, Sascha Kohlmann, CC BY-SA 3.0

© Foto: IMAGO / Zoonar

Quellen: Wikipedia, Berliner Zeitung, Berliner Abendblatt

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