Potsdam stimmt beim Bürgerhaushalt 2027/28 über 40 Vorschläge ab. Im Fokus stehen Verkehr, Sportstätten, Stadtgrün und öffentliche Räume.

Erst im vergangenen Jahr eröffnete im Luftschiffhafen eine neue Dreifeldsporthalle, die vor allem von der Sportschule Friedrich Ludwig Jahn genutzt werden soll. / © Visualisierung: mvm+ starke Architekten
© Titelbild: LHP / Frank Daenzer
Potsdam lässt seine Einwohnerinnen und Einwohner wieder über Prioritäten für den Stadthaushalt mitreden. Beim Bürgerhaushalt 2027/28 stehen 40 Vorschläge zur Wahl. Viele davon greifen direkt in die Entwicklung der Stadt ein: Es geht um Plätze, Verkehrswege, Grünflächen, Sportstätten und bekannte Orte der Potsdamer Mitte.
- Ort: Potsdam
- Status: Öffentliche Abstimmung läuft
- Abstimmung: September bis 8. November 2026
- Umfang: 40 Vorschläge
- Entscheidung: Die 20 bestbewerteten Vorschläge gehen an die Stadtverordnetenversammlung
Ausgangspunkt waren 707 Vorschläge, die zwischen Mai und Anfang Juli 2026 eingingen. In der ersten Phase beteiligten sich rund 2.200 Menschen. Die Beiträge erhielten zusammen 25.764 Unterstützungen und wurden 560-mal kommentiert. Anschließend stellte ein Redaktionsteam aus Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung die 40 Vorschläge für die entscheidende Abstimmungsrunde zusammen.
Gerade für die Stadtentwicklung ist die Auswahl breit. Gefordert werden unter anderem mehr Bäume, Wildblumenwiesen und naturnahe Grünflächen sowie Solaranlagen und Dachbegrünungen auf städtischen Gebäuden. Hinzu kommen mehr öffentliche Toiletten, Trinkwasserbrunnen und sogenannte Cooling-Points. Auch die Nuthewiesen in Waldstadt und der Garagenstandort „Unter den Eichen“ stehen auf der Liste.

Blick aus der Luft auf die Potsdamer Mitte mit Nikolaikirche, Altem Markt und Landtag. Beim Bürgerhaushalt Potsdam 2027/28 stehen mehrere Vorschläge zu Stadtentwicklung, Verkehr, Grünflächen und öffentlichen Räumen zur Abstimmung. / © Foto: Wikimedia Commons, Raimond Spekking & Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0
Alter Markt, Platz der Einheit und Rechenzentrum stehen zur Wahl
Mehrere Vorschläge betreffen prominente Orte. Der Alte Markt und das Umfeld des Landtags sollen attraktiver werden. Damit greift der Bürgerhaushalt einen Stadtraum auf, der sich ohnehin stark verändert.
Auch der Platz der Einheit soll nach einem der Vorschläge stärker als Begegnungsort entwickelt werden. Noch grundsätzlicher ist die Forderung zum Rechenzentrum an der Breiten Straße: Das Gebäude soll erhalten und saniert werden. Das Thema reicht weit über den Haushalt hinaus. Für das Kunst- und Kreativhaus zeichnet sich derzeit eine befristete Perspektive bis 2033 ab. Die langfristige städtebauliche Zukunft des Standorts bleibt jedoch offen.
Bus und Bahn, Radwege und E-Scooter: Mobilität ist ein Schwerpunkt
Auch die Verkehrspolitik nimmt viel Raum ein. Ein Vorschlag fordert günstigere Preise für Bus und Bahn. Ein anderer zielt auf den Ausbau und die Verbesserung von Geh- und Radwegen. Hinzu kommen feste Abstellstationen für E-Roller. Dass Fahrrad-Infrastruktur bereits an anderen Stellen ausgebaut wird, zeigt der neue RadPark am Potsdamer Hauptbahnhof mit 186 wettergeschützten Stellplätzen.
Die Vorschläge betreffen damit nicht nur einzelne Bauprojekte, sondern die Nutzung des öffentlichen Raums insgesamt. Ähnliche Fragen spielen auch bei laufenden Umbauten eine Rolle. So wurde 2026 ein weiterer Abschnitt der Brandenburger Straße als erneuerte Fußgängerzone freigegeben.

Zahlreiche Fahrräder stehen dicht gedrängt an den Abstellanlagen am Potsdamer Hauptbahnhof. Der Bürgerhaushalt Potsdam 2027/28 enthält mehrere Vorschläge zur Verbesserung von Radverkehr, Mobilität und öffentlicher Infrastruktur. / © Foto: Wikimedia Commons, Molgreen, CC BY-SA 4.0
Sportstätten sollen besser genutzt und die Förderung gesichert werden
An erster Stelle der Ausgabenvorschläge steht die Forderung, die Sportförderung zu sichern und Sportstätten besser zu nutzen. Der Stadtsportbund hatte sich bereits während der ersten Phase des Bürgerhaushalts für dieses Thema eingesetzt. Dabei geht es nicht nur um neue Anlagen, sondern auch darum, vorhandene Kapazitäten effizient einzusetzen.
Wie stark Potsdam derzeit in einzelne Sportstandorte investiert, zeigt der Luftschiffhafen. Dort ging 2025 eine neue Dreifeldsporthalle in Betrieb. Gleichzeitig läuft die Modernisierung und Erweiterung der Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“. Sie erhält rund 2.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche; der Einzug in das modernisierte Gebäude ist zum Schuljahr 2027/28 vorgesehen.
Höhere Parkgebühren und Abgabe für unbebaute Grundstücke?
Die zweite Hälfte des Bürgerhaushalts dreht die Perspektive um: Wo könnte Potsdam sparen oder zusätzliche Einnahmen erzielen? Für Stadtentwicklung und Verkehr sind dabei vor allem zwei Vorschläge relevant. Zur Abstimmung stehen höhere Gebühren für öffentliches Kurzzeitparken sowie eine Ausweitung und Verteuerung von Dauer- und Anwohnerparken.
Bemerkenswert ist zudem die Idee einer Abgabe für unbebaute Baugrundstücke. Sie steht zunächst lediglich als Bürgervorschlag zur Abstimmung. Ob und in welcher rechtlichen Form Potsdam eine solche Forderung überhaupt umsetzen könnte, wäre erst im weiteren Verfahren zu klären. Weitere Finanzierungsideen reichen von höheren Zweitwohnungs- und Vergnügungssteuern bis zu Einsparungen bei Stadtbeleuchtung, Verwaltung und Fuhrpark.
Bis zum 8. November können Potsdamerinnen und Potsdamer mit Haupt- oder Nebenwohnsitz abstimmen. In den Kategorien „Ausgaben“ und „Finanzierung“ lassen sich jeweils bis zu fünf Punkte vergeben. Die jeweils zehn bestbewerteten Vorschläge sollen zum Jahresende an die Stadtverordnetenversammlung gehen. Erst dort fällt die politische Entscheidung darüber, welche Ideen tatsächlich weiterverfolgt und möglicherweise im Doppelhaushalt 2027/28 berücksichtigt werden.
Quellen: Landeshauptstadt Potsdam
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Mehr Stadtkanal bitte!…Siehe Leipzig.