Wohnraum für Studierende ist in Berlin knapp, gleichzeitig stehen öffentliche Gebäude zeitweise leer. Ein Masterprojekt an der Technischen Universität Berlin untersucht deshalb, ob sich Teile des Mathematikgebäudes am Ernst-Reuter-Platz temporär als Wohnraum nutzen lassen. Im Ostflügel entstand dafür ein begehbares Mock-up.

Mathematikgebäude der Technischen Universität Berlin

Das Mathematikgebäude der Technischen Universität Berlin am Ernst-Reuter-Platz steht seit 2023 weitgehend leer. Studierende machen dort auf die Wohnungsnot aufmerksam und entwickeln im Rahmen des Projekts „Campus as Commons“ Konzepte für temporäres studentisches Wohnen im Bestand. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0

© Fotos: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0

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In Berlin wird Wohnraum für Studierende zunehmend knapp. Steigende Mieten und eine hohe Nachfrage verschärfen die Situation seit Jahren. Gleichzeitig stehen große Flächen einzelner öffentlicher Gebäude zeitweise leer. Ein Beispiel ist das Mathematikgebäude der Technischen Universität Berlin am Ernst-Reuter-Platz.

Das Gebäude steht seit 2023 weitgehend leer. Gleichzeitig diskutieren Politik und Universität über Abriss, Sanierung oder eine neue Nutzung. Vor diesem Hintergrund entstand das Studienprojekt „Campus as Commons“. Die Studierenden untersuchen darin, ob sich Teile des Gebäudes temporär als studentischer Wohnraum nutzen lassen.

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Architektur der 1970er-Jahre am Ernst-Reuter-Platz: High-Tech, Solarideen und Pop-Art-Elemente

Das Mathematikgebäude entstand in den 1970er-Jahren nach einem Wettbewerb zur Erweiterung des TU-Campus aus dem Jahr 1967. Die Architekten Georg Kohlmaier und Barna von Sartory entwickelten dafür ein Gebäude, das mehrere architektonische Strömungen verbindet. Ihr Entwurf kombiniert High-Tech-Architektur, Solararchitektur, Pop-Art-Elemente sowie Aspekte eines „soften“ Brutalismus.

Typisch für das Gebäude sind große Glasflächen, sichtbare Technik sowie Betonstützen und Betonwände. Rote und blaue Metallpaneele prägen zusätzlich das Erscheinungsbild. Gleichzeitig sollte die Glashauskonstruktion möglichst viel Tageslicht nutzen und solare Wärme gewinnen. Diese Ideen entstanden auch im Kontext der Energiekrise der 1970er-Jahre.

Experimentelles Pop-up-Wohnen im Mathematikgebäude: Mock-up im Ostflügel der TU Berlin

Das Projekt „Campus as Commons“ nutzt heute den Ostflügel des Gebäudes als Experimentierraum. Masterstudierende aus Architektur, Stadtplanung und Urban Design bauten dort ein begehbares Mock-up für temporäres studentisches Wohnen. Vier Seminarräume im siebten Stock verwandelten sie dafür in einen prototypischen Wohnbereich.

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Der Prototyp umfasst Doppelzimmer, einen Wohnraum mit Bad, eine Küche sowie einen Ausstellungsraum. Alle Elemente bleiben mobil und lassen sich vollständig zurückbauen. Dadurch greift das Konzept kaum in die bestehende Struktur ein. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von den Initiativen vonwegenleer, Kunst-Stoffe e.V. und dem Haus der Materialisierung, die Materialien und Re-Use-Strategien bereitstellen.

Eine dauerhafte Wohnnutzung ist derzeit allerdings nicht vorgesehen, da das Gebäude planungsrechtlich weiterhin als Universitätsbau gilt. Das Projekt versteht sich jedoch auch als räumlicher Denkanstoß und will darauf aufmerksam machen, dass leerstehende Gebäude in einer Stadt mit Wohnraummangel als potenzielle Ressource stärker in den Blick geraten sollten.

Quellen: monopol-magazin, BauNetz

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One Comment

  1. Böhme 15. März 2026 at 09:37 - Reply

    Hinter dem Gebäudeensemble steckt außen wie innen eine Idee – wie man eine solche Anlage derart verkommen lassen kann, man ist nur fassungslos! Provinzkaff Berlin eben!

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