Auf dem Gelände der Polizeiakademie in Berlin-Spandau hat die Polizei Berlin ein „Zentrum für Berufsethik und Reflexion eröffnet“. In dem modernisierten Altbau sollen Anwärter und erfahrene Einsatzkräfte schwierige Situationen ihres Berufsalltags strukturiert aufarbeiten. Das Land investierte dafür rund 3,5 Millionen Euro.

Eingang der Polizeiakademie in Berlin-Spandau: Auf dem Gelände in der Radelandstraße befindet sich das neue „Zentrum für Berufsethik und Reflexion“, das nach zweijähriger Planungs- und Bauzeit in einem modernisierten Altbau eingerichtet wurde. / © Foto: Wikimedia Commons, ChickSR, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: BIM Berliner Immobilienmanagement
Auf dem Gelände der Polizeiakademie in der Radelandstraße in Berlin-Spandau hat die Polizei Berlin ein neues „Zentrum für Berufsethik und Reflexion“ eröffnet. Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH realisierte das Projekt im Auftrag der Polizei. Nach rund zweijähriger Planungs- und Bauzeit nahm die Behörde die neu gestalteten Räume offiziell in Betrieb.
Statt eines Neubaus entschied sich das Land bewusst für die Modernisierung eines über 100 Jahre alten Bestandsgebäudes. Für rund 3,5 Millionen Euro ließ man den Altbau umfassend umbauen. Der Innenausbau folgte künstlerischen Vorgaben, zugleich stellte man Barrierefreiheit her und integrierte einen neuen Aufzug. Darüber hinaus sanierte man die Sanitärbereiche, richtete im Dachgeschoss Büroräume ein und erneuerte sowie erweiterte die elektrischen Anlagen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte, das Zentrum gehöre bundesweit zu den ersten Einrichtungen dieser Art und umfasse rund 900 Quadratmeter Fläche.
Ausbildung nahe der Polizeiakademie in Spandau: Reflexion als fester Bestandteil von Aus- und Fortbildung
Die räumliche Nähe zur Polizeiakademie ist kein Zufall. Die Verantwortlichen verankern das Zentrum bewusst in der Aus- und Fortbildung. Sowohl Polizeianwärterinnen und Polizeianwärter als auch erfahrene Einsatzkräfte sollen hier schwierige Situationen aus dem Berufsalltag reflektieren und ihr eigenes Handeln hinterfragen.
Nach Angaben der Polizeiführung schafft das Haus einen geschützten Rahmen für Gespräche, Begegnungen und Lernen. Polizistinnen und Polizisten verfügen über besondere Eingriffsrechte und tragen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb misst die Behördenleitung der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit ethischen Fragen eine zentrale Bedeutung bei. Künftig sollen perspektivisch auch externe Gruppen, etwa Schulklassen, im Rahmen moderierter Führungen Einblicke erhalten.
Thematische Schwerpunkte im Ethikzentrum in Spandau: Mensch sein, Gewalt, Extremsituationen sowie Tod und Sterben
In mehreren Räumen setzen sich Gruppen von bis zu zwölf Teilnehmenden unter Anleitung von Moderatoren mit vier Themenfeldern auseinander: Mensch sein, Gewalt, Extremsituationen sowie Tod und Sterben. Die Polizei spricht in diesem Zusammenhang von rund 500 Quadratmetern, auf denen Diskussionen, Ausstellungen und interaktive Formate stattfinden.
Zum Konzept gehören Filme, Objekte und szenische Installationen. Zudem diskutieren die Teilnehmenden über Mobbing und sexuelle Belästigung innerhalb der eigenen Organisation. Rollenspiele und moderierte Debatten sollen unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion stärken.
Gesellschaftlicher Hintergrund und Notwendigkeit eines solchen Zentrums: Debatten über Verantwortung und Kontrolle
Die Idee für das Zentrum entstand bereits 2019, Nordrhein-Westfalen diente dabei als konzeptionelles Vorbild. Zugleich steht die Polizei Berlin seit Jahren in der Kritik, insbesondere wenn es um Fragen von Haltung, möglichem Machtmissbrauch und institutioneller Verantwortung geht. Wie unter anderem der Tagesspiegel berichtet, gingen bis 2025 insgesamt 227 Beschwerden gegen Polizisten wegen Verstößen gegen das Antidiskriminierungsgesetz ein. Nur 17 davon stuften die zuständigen Stellen als berechtigt ein.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine solche Maßnahme ausreichend um die Ausbildung der Berliner Polizei nachhaltig zu bereichern. Indem das Zentrum ethische Fragestellungen systematisch in Aus- und Fortbildung integriert, schafft es zumindest einen strukturellen Rahmen, in dem Verantwortung, Grenzsituationen und professionelles Handeln regelmäßig reflektiert werden.
Quellen: BIM Berliner Immobilienmanagement, Der Tagesspiegel
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