Nach dem Tod von Margot Friedländer ist unklar, wie die Stadt Berlin der Holocaust-Überlebenden und Ehrenbürgerin dauerhaft gedenken will. Vorschläge zur Umbenennung von Straßen und Plätzen liegen vor, doch konkrete Entscheidungen stehen aus.

Margot Friedländer, die am 9. Mai im Alter von 103 Jahren verstorben ist, lebte während der NS-Zeit in der Skalitzer Straße 32 mit ihrer Familie, bevor sie deportiert wurde. / © Foto: Wikimedia Commons, European Parliament, CC BY 2.0
© Fotos: Wikimedia Commons, European Parliament, CC BY 2.0
Zwei Monate nach dem Tod von Margot Friedländer ist unklar, wie Berlin an die Holocaust-Überlebende und Ehrenbürgerin dauerhaft erinnern will. Die öffentliche Trauerphase endet, doch eine politische Entscheidung über eine Straßen- oder Platzbenennung wurde bisher nicht getroffen. Unmittelbar nach Friedländers Tod am 9. Mai 2025 waren verschiedene Vorschläge aufgekommen.In Charlottenburg-Wilmersdorf sprach sich die Bezirksverordnetenversammlung auf Initiative von CDU und Grünen für die Benennung eines Platzes in der Nähe des Kurfürstendamms nach Friedländer aus.
Auch im Abgeordnetenhaus fand sich Unterstützung: Die SPD-Fraktion forderte laut Tagesspiegel die Umbenennung der Skalitzer Straße in Kreuzberg. Dort lebte Friedländer in den Jahren der NS-Verfolgung zur Untermiete. Die Entscheidung liegt jedoch beim Berliner Senat. Nach geltender Regelung dürfen Straßen frühestens fünf Jahre nach dem Tod einer Person umbenannt werden, es sei denn, es handelt sich um eine herausragende Persönlichkeit. Ob dies im Fall Friedländer zutrifft, muss der Senat bewerten.
Zentrale Gedenkfeier und politische Zurückhaltung: Debatte um Friedländer-Erinnerung in Berlin stockt
Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne, Friedrichshain-Kreuzberg) betonte laut Tagesspiegel, es brauche kein „Wettrennen“, sondern ein „würdiges Gedenkkonzept für die ganze Stadt“. Auch CDU-Fraktionschef Dirk Stettner sprach sich für eine sorgfältige Debatte nach dem Ende der offiziellen Trauerphase aus.
Für Mittwochabend war eine zentrale Gedenkfeier mit rund 1600 Gästen geplant, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Erwartungen an ein gemeinsames Vorgehen des Senats sind hoch. Die Initiativen aus den Bezirken zeigen: Der Wunsch nach einer sichtbaren Erinnerung im Stadtraum ist da, doch der Weg dahin bleibt politisch offen.
Zeitzeugin mit Auszeichnungen gewürdigt — politische Entscheidung über Straßenbenennung steht aus
Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin geboren und überlebte den Holocaust im Konzentrationslager Theresienstadt. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Friedländer emigrierte nach dem Krieg in die USA, kehrte aber im Alter von fast 90 Jahren nach Berlin zurück. Von da an reiste sie unermüdlich durch das Land, sprach mit Schulklassen und trug zur Aufarbeitung des NS-Unrechts bei.
Für ihr Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet, mit dem Bundesverdienstkreuz, Ehrendoktorwürden und zuletzt dem Großen Verdienstkreuz, das ihr am Tag ihres Todes überreicht werden sollte. Ihre Beisetzung fand auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee in einem Ehrengrab statt.
Trotz zahlreicher Ehrungen fehlt bislang ein sichtbares Zeichen im Stadtraum. Die Umbenennung eines Platzes oder einer Straße könnte das Vermächtnis Friedländers dauerhaft im Stadtbild verankern. Ob dies in naher Zukunft geschieht oder sich weiter verzögert, hängt nun von der politischen Initiative des Senats ab.
Quellen: Tagesspiegel, Wikipedia
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