Nach jahrelangem Leerstand beginnen am kommenden Montag die Abrissarbeiten an den Gebäuden Oeder Weg 74–78 im Frankfurter Nordend, deren gravierende statische Mängel eine weitere Nutzung unmöglich machen. Auf dem Grundstück soll bis Ende 2027 ein Neubau mit 34 Wohnungen entstehen.

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0

 

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Am Oeder Weg 74 bis 78 im Frankfurter Nordend startet am kommenden Montag, dem 16. Februar, der Abriss von drei Mehrfamilienhäusern, die seit Jahren leer stehen. Erste Hinweise auf gravierende bauliche Probleme traten bereits 2016 zutage. Damals wurde festgestellt, dass die Gebäude marode sind, woraufhin in sämtlichen Wohnungen Stahlträger eingezogen wurden, um die Konstruktion zu stabilisieren. Doch bereits zwei Jahre später hatten alle Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen verlassen.

Bis zum Sommer 2025 befanden sich die Häuser im Eigentum der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Die VBL plante zwischenzeitlich einen Neubau, setzte dieses Vorhaben jedoch nicht um, während sich der bauliche Zustand der Bestandsgebäude weiter verschlechterte. Der jahrelange Instandhaltungsstau führte schließlich zu der Entscheidung, die Häuser nicht zu sanieren, sondern abzureißen.

Statische Mängel und Eigentümerwechsel bilden die Basis für Neubaupläne am Oeder Weg

Grundlage für die Abrissgenehmigung bildete ein Gutachten, bei dem festgestellt wurde, dass die durchhängenden Decken aus sogenannten Magerbeton bestehen, der in den 1950er Jahren nach dem Krieg verbaut wurde. Damals habe man minderwertigen Beton eingesetzt, dem es an Zement fehle. Zudem sei der Beton nicht ausreichend mit Stahl bewehrt worden.

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Im August 2025 veräußerte die VBL das Grundstück an Aberdeen Investments Deutschland. Der neue Eigentümer übernahm die Pläne für einen Neubau die ein Frankfurter Architekturbüro bereits im Auftrag der VBL erarbeitet und dafür eine Baugenehmigung erhalten hatte. Vorgesehen ist ein Mehrfamilienhaus mit 34 Wohnungen.

Zweifel an Unabwendbarkeit des Abrisses führen zur Einrichtung eines Akteneinsichtsausschusses

Die Fraktion Die Linke im Römer äußerte Zweifel daran, dass der Abriss unausweichlich sei, und beantragte die Einrichtung eines Akteneinsichtsausschusses. Der Ausschuss soll die erteilte Abriss- und Neubaugenehmigung prüfen und insbesondere Einsicht in das Gutachten nehmen, das der Bauaufsicht als Grundlage für ihre Entscheidung diente.

Nach Angaben der Linken wurde dieses Gutachten den früheren Mieterinnen und Mietern nicht offengelegt. Da zahlreiche langjährige Bewohnerinnen und Bewohner ihre günstigen Wohnungen in innenstadtnaher Lage dauerhaft verloren haben, soll nun geklärt werden, ob der Abriss tatsächlich unvermeidbar war oder ob Alternativen bestanden.

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Weitere frühere VBL-Liegenschaften im Blick: Probebohrungen sollen statische Sicherheit klären

Über den Oeder Weg hinaus geraten weitere frühere Liegenschaften der VBL in den Blick. Mit Ausnahme des Eckgebäudes am Oeder Weg und der Adlerflychtstraße weisen drei Gebäudekomplexe auffällige statische Befunde auf. In der Adlerflychtstraße 35 bis 37 sowie in der Hermannstraße 42 bis 42a, 42b und 46 bis 46a sind Probebohrungen in ausgewählten Wohnungen vorgesehen.

Während am Oeder Weg der Rückbau unmittelbar bevorsteht und die Planung für den Neubau läuft, entscheidet sich an anderen Standorten erst in den kommenden Monaten, wie es um die Tragfähigkeit der Gebäude tatsächlich bestellt ist.

Quellen: Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse, Die Linke im Römer

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