Die Berliner Chabad-Gemeinde wächst und benötigt deutlich mehr Platz. In Wilmersdorf soll die bestehende Synagoge nach Plänen von TCHOBAN VOSS nahezu verdoppelt und für bis zu 488 Menschen erweitert werden.

Ein ovales Oberlicht bildet das zentrale architektonische Element der erweiterten Synagoge. Die gestaffelte Deckenkonstruktion soll Tageslicht in den künftig nahezu doppelt so großen Gebetsraum führen. / © Visualisierung: TCHOBAN VOSS Architekten
© Visualisierungen: TCHOBAN VOSS Architekten
Die jüdische Gemeinde Chabad Lubawitsch Berlin will ihre Synagoge an der Münsterschen Straße in Berlin-Wilmersdorf deutlich erweitern. Die Planungen des beauftragten Architekturbüros TCHOBAN VOSS zeigen, wie der bestehende Gebetsraum und das Gemeindezentrum künftig umgebaut werden sollen.
Hintergrund ist das kontinuierliche Wachstum der Chabad-Gemeinde in Berlin. Die bisherige Synagoge stößt nach Angaben der Gemeinde seit Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen. Bereits Anfang 2025 war öffentlich geworden, dass die Baugenehmigung für die Erweiterung erteilt wurde und vor allem die Finanzierung des Projekts noch geklärt werden müsse.
Chabad-Synagoge in Berlin-Wilmersdorf soll deutlich erweitert und neu ausgerichtet werden
Das jüdische Bildungs- und Kulturzentrum befindet sich in einem ehemaligen Umspannwerk aus dem Jahr 1922. Das klassizistische Gebäude wurde 2007 von TCHOBAN VOSS Architekten im Auftrag von Chabad Lubawitsch Berlin zu einem Gemeindezentrum umgebaut.
In der früheren Transformatorenhalle entstand die Synagoge. Ergänzt wurde der Standort unter anderem um eine Mikwe, Seminarräume, eine Bibliothek, Räume für Kindergottesdienste, ein Café sowie einen Festsaal mit koscherer Küche.
Wachsende Chabad-Gemeinde benötigt mehr Platz in der Münsterschen Straße
Die Zahl der Gemeindemitglieder ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, wie die Gemeinde bestätigt. Anfang 2025 bezifferte Chabad die Zahl der Mitglieder auf rund 3.000. Die bestehende Synagoge mit etwa 250 Plätzen reicht nach Angaben der Gemeinde daher längst nicht mehr aus.
Nach den aktuellen Planungen soll der Synagogenraum in seinen Abmessungen nahezu verdoppelt werden. Der bisherige, inzwischen international bekannte Charakter des Innenraums sowie seine Formen- und Materialsprache sollen dabei weitgehend erhalten bleiben.

Auch die Gemeinschaftsbereiche des jüdischen Bildungs- und Kulturzentrums werden neu gestaltet. Holz, Naturstein und ein großflächiges Oberlicht prägen den geplanten Innenraum. / © Visualisierung: TCHOBAN VOSS Architekten
Sergei Tchoban plant Erweiterung der Synagoge für bis zu 488 Personen
Für die Vergrößerung wird der Synagogenraum um 90 Grad gedreht. Ein Teil des rückwärtigen, dreigeschossigen Bestandsgebäudes soll dafür herausgeschnitten und das vorhandene Satteldach nach hinten verlängert werden.
Künftig soll die Synagoge Platz für bis zu 488 Personen bieten. Vorgesehen sind 280 Plätze im unteren Hauptraum, 180 Plätze auf der Empore sowie weitere 28 Plätze in einer abteilbaren „Kleinen Synagoge“. Ein ovales Oberlicht in der gestaffelten Saaldecke soll Tageslicht in den Gebetsraum führen.
Nussbaumholz und helle Putzfassaden prägen den Entwurf von TCHOBAN VOSS
Materialität und Farbgebung der neuen Bauteile orientieren sich am bestehenden Gebäude. Helle, pastellfarbene Putzflächen sollen durch eine vertikale Profilierung gegliedert werden.
Im Inneren ist eine horizontal gegliederte Holzvertäfelung aus Nussbaumholz vorgesehen. Auch der Gemeindesaal wird erweitert und soll künftig in einem neuen zweigeschossigen Anbau untergebracht werden. Eine vorgelagerte Terrasse kann bei gutem Wetter den Saal in Richtung Garten erweitern.
ENTWICKLUNGSSTADT sprach mit Sergei Tchoban über den geplanten Synagogen-Umbau
ENTWICKLUNGSSTADT konnte persönlich mit Architekt Sergei Tchoban über den aktuellen Stand des Projekts sprechen. Nach seinen Angaben befinden sich die Projektbeteiligten weiterhin in konstruktiven und zielführenden Gesprächen über die Umsetzung der Erweiterung.
Im Mittelpunkt stehe derzeit vor allem die Finanzierung des Vorhabens. Ein großer Teil der benötigten Mittel solle über Spenden aufgebracht werden, bestätigte Tchoban im Gespräch. Das deckt sich mit früheren Angaben der Gemeinde: Anfang 2025 war von einem Projektvolumen von rund 20 Millionen Euro die Rede, von dem zu diesem Zeitpunkt etwa die Hälfte finanziell gesichert gewesen sei.
Neue Synagoge in Berlin: Finanzierung bleibt entscheidender Faktor für den Baustart
Wann das Projekt tatsächlich abgeschlossen werden kann, ist derzeit allerdings noch offen. Der aktuelle Stand der Finanzierung wird maßgeblich darüber entscheiden, in welchem Zeitrahmen die Erweiterung tatsächlich vollständig umgesetzt wird.
Mit dem Umbau würde nicht nur der Synagogenraum deutlich wachsen. Das gesamte jüdische Bildungs- und Kulturzentrum an der Münsterschen Straße soll räumlich weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der gewachsenen Gemeinde angepasst werden. Der geplante Ausbau wäre damit ein weiteres bedeutendes Projekt jüdischen Lebens im Berliner Westen.

Der neue Gemeindesaal öffnet sich mit großzügigen Fensterflächen und vorgelagerter Terrasse zum Garten. Auch das Dach des Anbaus soll künftig als Terrasse genutzt werden können. / © Visualisierung: TCHOBAN VOSS Architekten

Der Entwurf zeigt den künftig deutlich vergrößerten Synagogenraum in der Münsterschen Straße. Bis zu 488 Menschen sollen hier künftig Platz finden. / © Visualisierung: TCHOBAN VOSS Architekten

Die Bibliothek des Chabad-Gemeindezentrums ist als konzentrierter Lern- und Arbeitsraum geplant. Raumhohe Bücherregale und eine warme Holzgestaltung bestimmen den Entwurf. / © Visualisierung: TCHOBAN VOSS Architekten
Quellen: Jüdische Gemeinde Chabad Berlin, Tchoban Voss Architekten, Berliner Morgenpost, DIE ZEIT
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