Am Berliner Kulturforum konzentrieren sich gleich drei der größten Kultur-Bauprojekte der Hauptstadt. Eines wächst bereits sichtbar in die Höhe, bei einem zweiten beginnt die Sanierung, während das dritte erst im kommenden Jahrzehnt richtig startet. Zusammengerechnet erreichen die Vorhaben ein Kosten-Volumen, das selbst für Berlin außergewöhnlich ist.
Philharmonie Berlin: geplante Generalsanierung
Museum berlin modern
Staatsbibliothek zu Berlin: Grundinstandsetzung
© Titelbild: depositphotos.com
Am Kulturforum in Berlin-Mitte entsteht eine ungewöhnliche Konzentration öffentlicher Großprojekte. Während das Museum „berlin modern“ bereits gebaut wird, steht die Staatsbibliothek vor einer jahrelangen Grundinstandsetzung. Wenige Meter weiter bereiten die Berliner Philharmoniker die Sanierung ihres berühmten Konzerthauses vor. Die drei Vorhaben könnten zusammen einen finanziellen Rahmen von mehr als drei Milliarden Euro erreichen.
- Bezirk: Mitte, Ortsteil: Tiergarten
- berlin modern: Scharounplatz / Ecke Potsdamer Straße; im Bau; Fertigstellung: 2030; Kosten: rund 507 Mio. Euro
- Staatsbibliothek: Potsdamer Straße 33; Vorbereitung; Fertigstellung: 2041, Kosten: 1,1 Mrd. Euro plus rund 350 Mio. Euro für Risiken und Baupreissteigerungen
- Philharmonie: Herbert-von-Karajan-Straße 1; Vorbereitung; Start: 2032; Kosten: rund 800 Mio. Euro für die Sanierung und rund 350 Mio. Euro für eine mögliche Interimsspielstätte
Das Kulturforum steht damit vor einer langen Phase des Umbaus. Der Berliner Senat hatte Anfang 2026 den Masterplan für das Kulturforum fortgeschrieben. Freiräume, Wege und Plätze sollen neu geordnet und stärker begrünt werden. Der Standort verändert sich damit nicht nur innerhalb der Gebäude, sondern auch im öffentlichen Raum.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Innenraum der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße nach der umfassenden Sanierung. Das Scharoun-Gebäude am Berliner Kulturforum zählt mit rund 1,1 Milliarden Euro genehmigten Kosten zu Berlins teuersten Bauprojekten. / © Visualisierung: gmp Architekten
Staatsbibliothek: 1,1 Milliarden Euro genehmigt – weitere Risiken eingerechnet
Das größte bereits konkret beschlossene Vorhaben betrifft die Staatsbibliothek. Für die Grundinstandsetzung des 1978 fertiggestellten Hauses sind rund 1,1 Milliarden Euro genehmigt. Zusätzlich wurden laut offiziellen Projektdaten rund 350 Millionen Euro für Risiken und Baupreissteigerungen berechnet.
Die Dimension zeigt sich auch am Zeitplan. Vorbereitende Maßnahmen laufen seit 2026, die Sanierung des Bücherturms soll 2027 beginnen. Ab 2030 startet die Hauptmaßnahme. Die Hauptarbeiten sollen 2041 enden, die Außenanlagen 2042. Vorher müssen unter anderem rund 5,4 Millionen Bücher bewegt werden. Das Gebäude umfasst rund 114.000 Quadratmeter Brutto-Grundfläche.

Die Visualisierung zeigt das neue Museum „berlin modern“ am Berliner Kulturforum. Der Neubau für die Kunst des 20. Jahrhunderts zählt mit prognostizierten Gesamtkosten von rund 507 Millionen Euro zu Berlins teuersten Bauprojekten. / © Visualisierung: Stiftung Preußischer Kulturbesitz
„berlin modern“: Museumsneubau soll 2030 fertig werden
Direkt gegenüber wächst mit „berlin modern“ ein neues Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Der aktuelle Bundesbau-Projektstand nennt 2030 als geplante bauliche Fertigstellung. Das Haus nach Plänen von Herzog & de Meuron bietet rund 9.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die Gesamtkosten wurden zuletzt mit rund 507 Millionen Euro einschließlich Risikovorsorge prognostiziert.
Zuletzt hatten Feuchteschäden und mikrobieller Befall im Rohbau den Zeitplan belastet. Bereits im September 2026 konnte das unfertige Haus jedoch erstmals für eine Ausstellung genutzt werden. Die erste Ausstellung im Rohbau von „berlin modern“ gab damit bereits einen Vorgeschmack auf die spätere Nutzung.

Der Große Saal prägt die Architektur der Berliner Philharmonie. Während der geplanten Generalsanierung soll auch das Innere des Konzerthauses umfassend erneuert werden. / © Foto: depositphotos.com
Philharmonie: Studie rechnet mit bis zu 1,15 Milliarden Euro
Das dritte Milliardenprojekt liegt nur wenige Schritte entfernt. Eine neue Machbarkeitsstudie beziffert die mögliche Sanierung der Philharmonie auf rund 800 Millionen Euro. Weitere rund 350 Millionen Euro könnten für eine Interimsspielstätte nötig werden. Die Studie kommt damit auf rund 1,15 Milliarden Euro. Die endgültige Finanzierung und die konkrete Interimslösung stehen jedoch noch nicht fest.
Der Bund hat inzwischen zugesagt, sich mit bis zu 225 Millionen Euro an der Philharmonie-Sanierung zu beteiligen. Der Baustart ist derzeit für 2032 vorgesehen. Die Berliner Philharmoniker selbst sprechen ebenfalls von einer für 2032 anstehenden Generalsanierung.
Kulturforum Berlin: Wie aus drei Projekten mehr als drei Milliarden Euro werden
Addiert man die 1,1 Milliarden Euro genehmigter Kosten für die Staatsbibliothek, 507 Millionen Euro für „berlin modern“ und 1,15 Milliarden Euro aus der Philharmonie-Machbarkeitsstudie, ergeben sich rund 2,76 Milliarden Euro. Werden zusätzlich die bei der Staatsbibliothek berechneten 350 Millionen Euro für Risiken und Baupreissteigerungen berücksichtigt, steigt der mögliche finanzielle Rahmen auf rund 3,11 Milliarden Euro.
Die Zahl ist daher keine einheitlich bewilligte Investitionssumme. Sie verbindet unterschiedliche Planungs- und Kostenstände. Dennoch macht sie die Größenordnung deutlich: Rund um den Scharounplatz konzentrieren sich drei der aufwendigsten Kultur-Bauvorhaben Berlins – und ihre Umsetzung wird das Kulturforum bis weit in die 2040er-Jahre beschäftigen.
Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bundesbau, Berliner Philharmoniker, Senat Berlin
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4 Kommentare
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3 Millarden!?
Ich dachte Berlin hat kein Geld?
Sind die Verantwortlichen noch ganz dicht?
Wieviel Schulen könnte man davon bauen, wieviel Strassen reparieren, Brücken sanieren…
Absolut Null Verständnis hab ich dafür, wenn für Kulturbegeisterte (2-5% der Bevölkerung) so viel ausgegeben wird.
Ach ja. Da hat endlich mal ein Mitbürger die korrekte gefühlte Anzahl von „Kulturbegeisterten“ parat. Der Populismus wird immer schlimmer.
Laut meiner kurzen Recherche betrugen die Baukosten der Philharmonie Anfang der 60er Jahre 17 Mill DM, Inflationsbereinigt 38 Mill Euro. Der Bau dauerte 3 Jahre.
Die Sanierung solle jetzt dreimal so lange dauern und das 20fache Kosten. Ich fände es gut, wenn der Artikel darauf eingehen würde und eine Erklärung böte.
Mir ist klar, dass die Kosten nicht auf einmal anfallen und über 20 Jahre verteilt werden, aber ginge das vielleicht auch eine Nummer kleiner?
Da kündigt sich das nächste Stuttgart21 an: Aus den 3 Mrd. werden 12, 15 … und die Bauzeit verlängert sich um 10 Jahre … wie bei den Bauten auf der Museumsinsel.