Kampnagel steht vor einer der größten Transformationen seiner Geschichte. Ab 2026 wird das Hamburger Produktionshaus bei laufendem Betrieb saniert und erweitert – behutsam, denkmalgerecht und mit Blick auf die Zukunft der freien darstellenden Künste.

Vertreterinnen von Kampnagel, der städtischen Immobiliengesellschaft Sprinkenhof und des Planungsteams erläuterten die zentralen Ziele der Sanierung: die bauliche Erneuerung bei laufendem Betrieb, bessere Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen sowie eine langfristige Sicherung des Standorts. / © Foto: Sprinkenhof GmbH
© Titelbild: Lacaton & Vassal
Kampnagel zählt zu den prägenden Orten der freien darstellenden Künste in Europa. Nun steht das internationale Produktionszentrum in Hamburg-Winterhude vor einer tiefgreifenden baulichen und funktionalen Erneuerung. Im Rahmen einer exklusiven Hintergrundführung informierten Kampnagel und die Sprinkenhof GmbH über die geplanten Maßnahmen, die ab Sommer 2026 beginnen sollen. Der mehrjährige Umbau erfolgt bei laufendem Spiel- und Veranstaltungsbetrieb.
Ziel des Projekts ist es, Kampnagel langfristig zukunftsfähig aufzustellen, ohne den industriellen Charakter des denkmalgeschützten Areals zu verlieren. Gemeinsam mit dem französischen Architekturbüro Lacaton & Vassal, der Stadt Hamburg, der Sprinkenhof GmbH und mit Unterstützung des Bundes soll der Standort behutsam weiterentwickelt werden.
Modernisierung der Bestandsgebäude und zwei Neubauten: Architektur als Fortsetzung der Geschichte
Im Zentrum der Planungen steht das Prinzip des Weiterbauens im Bestand. Die Architektur von Lacaton & Vassal will an die industrielle Vergangenheit des Ortes anknüpfen und sie in zeitgemäße Nutzungen übertragen. Vorgesehen sind eine umfassende Modernisierung der Bestandsgebäude sowie zwei Neubauten: eine zusätzliche Halle für Proben, Werkstätten und Lagerflächen sowie ein Residenzgebäude für internationale Künstlerinnen und Künstler.
Die enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz ist dabei ein zentraler Bestandteil der Planung. „Wir verstehen das Projekt als Weiterbauen im Bestand. Kampnagel ist ein Ort des Schaffens – früher industriell, heute künstlerisch. Unsere Architektur setzt diese Geschichte fort, indem sie Räume erweitert, öffnet und neue Nutzungen ermöglicht“, erklärte Anne Lacaton beim Rundgang.
Bauen im Betrieb: Wie Kampnagel zur performativen Baustelle wird
Während der gesamten Bauzeit bleibt Kampnagel geöffnet. Der Ort wird bewusst als „performative Baustelle“ gedacht, in der künstlerische Produktion, Öffentlichkeit und bauliche Transformation gleichzeitig stattfinden. Intendantin Amelie Deuflhard und Geschäftsführer Jonas Zipf machten deutlich, dass es sich bei der Modernisierung nicht allein um einen baulichen Eingriff handle, sondern um eine notwendige Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen für die freie Szene.
Auch aus Sicht der Projektsteuerung ist das Vorhaben komplex. Andrea Hagedorn von der Sprinkenhof GmbH verwies auf die Vielzahl teils widersprüchlicher Anforderungen: modernste Bühnentechnik, Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Offenheit für Stadt und Nachbarschaft bei stark begrenztem Raum. Logistisch setze man daher auf modulare Bauweisen, die eine schrittweise Umsetzung ermöglichen.
Weniger Energieverbrauch trotz erweiterter Nutzflächen geplant
Trotz einer geplanten Erweiterung der Nutzflächen um bis zu 50 Prozent soll der Energieverbrauch des laufenden Betriebs deutlich sinken. Der Wärmebedarf der Bestandsgebäude wird voraussichtlich um rund 70 Prozent reduziert. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 168 Millionen Euro, davon steuert der Bund 60 Millionen Euro bei, die übrigen Mittel trägt die Stadt Hamburg.
Mit der Sanierung möchte Hamburg einen Kulturort stärken, der seit Jahrzehnten internationale Impulse setzt und sich nun baulich wie programmatisch auf kommende Generationen vorbereitet.
Quellen: Kampnagel, Sprinkenhof GmbH, Wikipedia
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