In Schöneberg startet ein ungewöhnliches Urban-Gardening-Projekt auf einem Parkhausdach. Die Gewobag saniert nicht nur das Parkhaus, sondern eröffnet den Bewohnerinnen und Bewohnern auch neue Möglichkeiten für gemeinschaftliches Gärtnern und Umweltbildung. Verzögerungen verschieben die Nutzung jedoch auf den Sommer 2026.

Visualisierung Urban Gardening auf Parkhausdach

Aktuell ist das Parkhaus in der Kirchbachstraße witterungsbedingt noch komplett eingerüstet. In wenigen Monaten soll sich das oberste Parkdeck jedoch in eine grüne Fläche verwandeln, auf der Gemüse, Kräuter und Blumen wachsen und ein Gewächshaus sowie eine Lerninsel für Kinder entstehen. / © Visualisierung: RaumstarArchitekten

© Titelbild: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0

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Schöneberg. Die Kirchbachstraße 1-2 ist ein markanter Bau aus den späten 1970er-Jahren: Ein Parkhaus mit aufgesetztem Wohngebäude, gestaltet von Peter Heinrichs und Joachim Wermund. Sichtbeton, plastische Formen und rote Akzente prägen die Fassade, die mittlerweile unter Denkmalschutz steht.

Die Gewobag plant hier umfangreiche Instandsetzungsarbeiten, die nun wetterbedingt verzögert starten. Ursprünglich sollte die Sanierung des Parkhauses im Winter 2025 abgeschlossen sein. Nach aktuellem Stand werden die Stellplätze und das oberste Parkdeck für das Urban-Gardening-Projekt jedoch erst im Juli 2026 freigegeben.

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Von der Parkebene zum Gemeinschaftsgarten: Partizipation und soziale Ziele im Fokus

Auf rund 924 Quadratmetern soll mit „Gartendeck 9“ ein grüner Rückzugsort für die Anwohnerinnen und Anwohner entstehen. Gemüse, Kräuter und Blumen werden dort gedeihen, begleitet von einem Gewächshaus, das die ganzjährige Nutzung ermöglicht und zugleich als Treffpunkt für die Nachbarschaft dient. Kinder können auf einer sogenannten „Lerninsel“ spielerisch Natur, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft entdecken, während ein erfahrener Gartenbetreiber die Beete koordiniert, Workshops organisiert und die ordnungsgemäße Nutzung der Fläche verantwortet.

Die Gewobag betont, dass die Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig in die Planung einbezogen wurden, unter anderem bei Informationsabenden und öffentlichen Präsentationen. Ziel sei es, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, Identifikation mit dem Quartier zu fördern und Umweltbildung zu vermitteln.

„Gartendeck 9“ schafft neue grüne Flächen: Parkplätze oder Mieten laut Senat nicht gefährdet

Neben der Dachbegrünung werden auch die Balkone der Wohnungen instandgesetzt, das Parkhaus saniert und moderne Sicherheitskonzepte umgesetzt. Dabei soll ein Funktionsriegel die Wohnbereiche zuverlässig vor unbefugtem Zugang schützen. Ergänzt wird das nachhaltige Konzept durch eine Photovoltaikanlage und ein intelligentes Regenwassermanagement, die den ökologischen Ansatz des Projekts unterstreichen.

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Wer Sorge um steigende Mieten oder die Parkplatzsituation hat, kann beruhigt sein: Der Senat geht nicht davon aus, dass „Gartendeck 9“ als Einzelmaßnahme zu Gentrifizierung oder sozialen Verdrängungstendenzen im Quartier führen wird. Nach Fertigstellung des Projekts werden zudem weiterhin 291 Stellplätze im Parkhaus zur Verfügung stehen.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 24 963, Drucksache 19 / 24 076, Drucksache 19 / 22 108, Gewobag, RaumstarArchitekten, Denkmaldatenbank Berlin

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5 Kommentare

  1. Böhme 13. Februar 2026 at 00:55 - Reply

    Ich wohne in dem Bereich und schaue auf die Garage. Die ist im übrigen unter Zwang saniert worden, weil dort plötzlich Betonstücke aus der Fassade auf die Straße fielen, weshalb der Gehweg zur Alvenslebenstraße zunächst mit Flatterband abgesperrt werden musste. Das sieht alles sehr hübsch aus und ist sehr idealistisch – und wird nicht funktionieren. Wer soll die Gärten auf dem Oberdeck der Garage pflegen. Das wird eine Zeit gut laufen, weil es neu ist – und dann einschlafen! Völlig weltfremd! Mich würde mal interessieren, wer das bezahlen wird!

    • Mario Pohling 16. Februar 2026 at 14:56 - Reply

      Hallo Herr Böhme, als einer der Planer des Gartenprojektes kann ich Ihnen Mut machen bezüglich der Pflege des Gartens. Mit der Eröffnung des Gartens wird ein Verein gegründet werden, der mind. über zwei Jahre professionell von einem Team begleitet wird, das spezialisiert auf die Gründung von Gemeinschaftsgartengruppen ist. Einige dieser aufgebauten Gartengruppen gibt es bereits seit über 15 Jahren. Wir würden uns freuen, Sie bei der Eröffnung im Mai 2026 begrüßen zu dürfen.

      Falls Sie informiert bleiben möchten über das Projekt, können Sie sich im E-Mail Verteiler eintragen lassen unter quartier@gewobag.de.

      • Park Deck 9 Bewohner 17. Februar 2026 at 18:55 - Reply

        Warum wissen wir als Bewohner des Gebäudes nichts davon. Uns wurde gesagt vor Juni gibt es nichts neues und auch keine neuen Informationen. Wo kommt jetzt Mai 2026 her? Die Gewobag sagt Eröffnung ist im September 2026!?
        Bei der E-Mail quartier@gewobag.de bekommt man keinen Antwort, nicht einmal eine Eingangsbestätigung, dort haben wir uns und auch Freunde schon im Oktober 2025 angemeldet. Unser Ziel ist natürlich das wir alles selber belegen und damit Ruhe beim Wohnen haben. Oder werden wir Bewohner absichtlich ausgeschlossen????

      • Böhme 7. März 2026 at 15:10 - Reply

        Liebe Frau Pohling, ich danke Ihnen für den Beitrag. Ich schätze Menschen wie Sie, die voller Enthusiasmus solche Projekte bearbeiten, sehr und wünsche Ihnen – und den Anwohnern – wirklich von Herzen sehr, dass das Projekt gelingt. Die Erfahrung – ich bin ein alter Mann – lehrt allerdings, dass das zwei, drei, vielleicht sogar fünf Jahre gelingt – und dann geht das Projekt unter, da hilft auch keine Vereinsgründung. Es gab hier im Kiez ja auch immer wieder die Initiativen z. B. in der Steinmetzstraße, das Grün zu pflegen (hätte gern dabei geholfen, bin aber so was von behindert – war eine Zeit lang von dem Gedanken getragen, z. B. Bepflanzungen im Innenhof zwischen Steinmetzstraße und Kirchbachstraße vorzunehmen, da ist ja leider das eine oder andere an Grün ausgefallen, war aber leider verhindert.

        Ich wünsche trotz aller Zweifel dem Projekt alles Gute – und komme gern zur Eröffnung im Mai 2026! Beste Grüße!

  2. Park Deck 9 Bewohner 17. Februar 2026 at 18:51 - Reply

    Ich wohne in einer diesen Wohnungen und wir sind weiterhin sehr verärgert weil wir nur unzureichend, fast gar nicht, einbezogen wurden. Unsere Wohnungen sind sanierungsbedürftig, die Nebenkosten durch Heizkosten von 260 Euro im Monat wegen verrotteten Fenster von 1979, keinerlei Wärmedämmung und veralteten Heizungen unmöglich hoch. Die Gespräche und Schritte aus Nachbarwohnungen hörbar, die Zimmertüren fallen aus den Verankerungen etc. etc. etc.. Aber für uns Bewohner wird nichts gemacht ausser Not-Reparaturen. Statt dessen wird für die PKW’s alles hübsch gemacht (ja weil zum Beispiel 2 kg schwere Betonteile auf den Gehweg gefallen sind). UND Veranstaltungen von Kindern und Erwachsenen in einem Veranstaltungsgewächshaus werden uns durch fehlende notwendige Sanierung der Wohnungen weiter Lärmbelästigungen bringen.
    Unser Aufzug ist ständig ausgefallen weil zu alt, aber für das Gartendeck wurde ein neuer Aufzug eingebaut. Von unseren Wasserleitungen und Abwasserleitungen will ich gar nicht reden. WIR sind daher immer mehr Gegner des Urban Gardening und werden jede Minderung unserer Wohnqualität mit allen Mitteln entgehen stehen. Es wird zum Streit kommen und die fehlenden Kommunikation und den Nicht Einbezug unsere Ängste hat dazu beigetragen das wir bereit sind alles gegen diese Nutzung zu unternehmen solange man uns als Mieter im Stich lässt.
    Von dem wirtschaftlichen Unsinn ein Gebäude nur bis zu den Übergabepunkten der Wohnungen zu sanieren, neue Leitungen an alte anzusetzen abgesehen ist dieses Projekt zum scheitern verurteilt.
    Wir mussten zusehen und aushalten dass EINE EINZIGE Person DREIMAL mit einem Presslufthammer teilweise auch Samstag die oberste Schicht des Parkdecks abhämmerte und mit Schubkarre den Betonmüll wegschaffen musste. Wir hatten nun ein Jahr diese Vibrationen und Lautstärke bei der es in den Wohnungen nicht aushaltbar war. Außederm Rissen in unseren Wohnungen.
    Wir würden wegziehen, würde der Wohnungsmarkt dies nicht verhindern.

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