Der Umbau des früheren „Lok-Zirkus“ in Babelsberg ist abgeschlossen und das historische Industriedenkmal hat eine neue Nutzung erhalten. Heute arbeitet das Hauptzollamt unter der markanten Schwedler-Kuppel.

Die historische Ziegelfassade des früheren „Lok-Zirkus“ blieb erhalten und wurde im Zuge der Sanierung um neue Fensteröffnungen ergänzt. Diese sorgen heute für eine natürliche Belichtung und Belüftung der Büroräume des Hauptzollamts Potsdam. Der frühere Durchfahrtsbereich dient nun als Haupteingang des Gebäudes. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Seit Herbst 2025 ist die Sanierung der historischen Lokomotivmontagehalle in Potsdam-Babelsberg abgeschlossen. Das Gebäude, das lange als „Lok-Zirkus“ bekannt war, dient heute als Hauptsitz des Hauptzollamts Potsdam. Unter dem Projektnamen „Paradome Potsdam“ erhielt das Industriedenkmal eine dauerhafte Nutzung, nachdem es viele Jahre leer stand.
Auf rund 16.000 Quadratmetern entstanden moderne Büro- und Verwaltungsflächen. Etwa 540 Arbeitsplätze verteilen sich heute auf mehrere Ebenen. Ergänzend richtete man Archivflächen, Besprechungsräume, Technik- und Lagerräume ein. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben stellt das Gebäude dem Hauptzollamt zur Verfügung und sichert damit eine langfristige Nutzung durch eine Bundesbehörde.
Ehemalige Montagehalle wird Verwaltungsstandort: 20 Meter hohe Kuppel bildet Zentrum
Das räumliche Zentrum bildet die rund 20 Meter hohe Schwedler-Kuppel. Unter ihr integrierte das Planungsteam einen eingeschossigen Baukörper, der in den Boden eingelassen ist. Dessen Dach ist begehbar und dient als zusätzliche Erschließungs- und Aufenthaltsfläche. Auf diese Weise blieb die Weite der Halle erlebbar, während gleichzeitig neue Nutzflächen entstanden.
Die frühere Durchfahrt nutzt das Gebäude heute als Haupteingang. Sie führt in ein neu gestaltetes Foyer, das als Verteiler für die verschiedenen Nutzungsbereiche dient. Die Büroflächen organisieren sich über mehrere Ebenen im Splitt-Level-Prinzip, wodurch Sichtbezüge entstehen und Tageslicht in das Gebäude gelangt.
Fassaden, Dach und Konstruktion des „Paradome Potsdam“: Historischer Bestand mit zeitgemäßen Ergänzungen
Die historische Ziegelfassade blieb im Zuge der Sanierung erhalten. Gleichzeitig ergänzten neue Fensteröffnungen das Mauerwerk, sodass die Büroräume heute natürlich belichtet und belüftet werden können. Die neuen Öffnungen ordnen sich dem historischen Erscheinungsbild unter und bleiben zugleich als Eingriffe ablesbar.
Die ursprüngliche Sheddachkonstruktion aus Stahl ersetzte man durch ein Dach aus Stahlbeton. Dabei griffen die Planerinnen die historische Form auf und setzten sie konstruktiv neu um. So erfüllt das Gebäude aktuelle Anforderungen an Statik, Energieeffizienz und Technik, ohne seinen industriellen Charakter zu verlieren.
Sanierung verhinderte Abriss: Planung und Nutzung des ehemaligen „Lok-Zirkus“
Die Planung übernahm das Berliner Büro Bollinger + Fehlig Architekten. Sie arbeiteten dabei mit UndKraussConsult sowie Kniepkamp Architekten zusammen. Den Auftrag erteilte DRIVEN Investment im Jahr 2021. Ziel war es, den drohenden Abriss zu verhindern und zugleich einen funktionalen Verwaltungsstandort zu schaffen.
Zur Ausstattung gehören außerdem eine Tiefgarage mit 118 Stellplätzen sowie umfangreiche Fahrradabstellmöglichkeiten. Klare Wegeführungen und kurze Distanzen unterstützen den täglichen Behördenbetrieb.
Geschichte der Lokomotivfabrik und Bedeutung für Potsdam: Erhalt industrieller Baukultur
Die sechseckige Montagehalle entstand in den Jahren 1898 und 1899 als Teil der Lokomotivfabrik Drewitz von Orenstein & Koppel. Bis 1976 fertigte man hier Lokomotiven, später nutzten andere Industriezweige das Gelände. Nach dem Produktionsende im Jahr 1992 stand der Bau lange leer und diente nur noch sporadisch als Filmkulisse oder Veranstaltungsort.
Mit der abgeschlossenen Sanierung ist dieser Zustand beendet. Der „Lok-Zirkus“ wird wieder dauerhaft und sinnvoll genutzt. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie industrielle Bestandsgebäude in Potsdam erhalten werden und zugleich eine zeitgemäße Funktion übernehmen. Der ehemalige „Lok-Zirkus“ ist damit vom Sanierungsprojekt zu einem festen Bestandteil des städtischen Alltags geworden.

Die teilweise geöffnete Schwedler-Kuppel überspannt den Innenhof des Komplexes und prägt weiterhin den Raumeindruck der historischen Halle. Ein Großteil der Büro- und Verwaltungsflächen ist entlang der Außenbereiche angeordnet, wodurch klare Arbeitszonen entstehen. Der Entwurf stammt von Bollinger + Fehlig Architekten, Ziel war es die ehemalige Montagehalle zu einem modernen Verwaltungsstandort umzugestalten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Bollinger + Fehlig Architekten Berlin, Driven Investment, Kniepkamp Architekten
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