Nach 17 Jahren Leerstand könnte der „Paradieshof“ in Alt-Sachsenhausen endlich wiederbelebt werden. Der Magistrat der Stadt Frankfurt plant, noch in diesem Herbst eine Beschlussvorlage für ein neues Konzeptverfahren vorzulegen, das die Nutzung des Areals für Wohnungen, Gewerbe und kulturelle Angebote ermöglicht. Dafür ist ein Investitionskostenzuschuss von bis zu 4,5 Millionen Euro vorgesehen.

Der „Paradieshof“ in Alt-Sachsenhausen gilt als Symbol des Stillstands: Der Bund der Steuerzahler kritisiert den langen Leerstand und die steigenden Sanierungskosten und fordert eine zeitnahe, realistische Nachnutzung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Seit fast zwei Jahrzehnten steht der „Paradieshof“ in Alt-Sachsenhausen leer. Das markante Gebäude an der Paradiesgasse 23, nur wenige Minuten vom Museumsufer entfernt, wurde in den 1960er-Jahren errichtet und diente zunächst als Gaststätte und Wohnhaus. Später beherbergte es eine Diskothek, bevor die Räume 2008 endgültig leer standen.
Um den „Paradieshof“ im Rahmen des „Stadterneuerungsverfahrens Alt-Sachsenhausen“ gezielt entwickeln zu können, kaufte die Kommunale Entwicklungs- und Grundstücksgesellschaft (KEG) das Anwesen 2010 für rund 1,3 Millionen Euro. Kurz darauf übernahm die Stadt die Immobilie vollständig in ihren Besitz.
17 Jahre Leerstand: Architekturwettbewerb und Konzeptverfahren scheitern an fehlenden Mitteln
Bereits 2010 sollte die Volksbühne Frankfurt eine neue Spielstätte im „Paradieshof“ erhalten. Für den Architekturwettbewerb investierte die Stadt rund 150.000 Euro, doch der Siegerentwurf konnte aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden.
Ein späteres Konzeptverfahren 2015, aus dem die private „European School of Design“ als Siegerin hervorging, scheiterte ebenfalls an der Finanzierung. So bleibt das Gebäude seit 17 Jahren ungenutzt, allein zwischen 2020 und 2024 entstanden dadurch Unterhaltskosten von rund 70.000 Euro.
Neues Konzeptverfahren und Baukostenzuschuss sollen „Paradieshof“ aus dem Stillstand führen
Mittlerweile gilt der „Paradieshof“ als Symbol des Stillstands. Der Bund der Steuerzahler kritisiert den langen Leerstand und die wachsenden Sanierungskosten und fordert eine zeitnahe, realistische Nachnutzung. Der Magistrat hat jetzt konkrete Schritte angekündigt: Noch in diesem Herbst soll eine Beschlussvorlage für ein neues Konzeptverfahren vorgelegt werden. Geplant ist eine gemischte Nutzung mit zwei Dritteln Wohnungen und einem Drittel gewerblicher Flächen. Die Kaltmieten für die Wohnflächen sollen zwischen 12 und 14 Euro pro Quadratmeter liegen.
Zur Umsetzung soll ein Baukostenzuschuss von 4,5 Millionen Euro bereitgestellt werden, der rund 61 Prozent der geschätzten Gesamtkosten von 7,4 Millionen Euro für Sanierung oder Neubau abdeckt. Nach Auswahl des besten Konzepts erhält die oder der Bietende die Liegenschaft für ein Jahr „anhand“, also mit exklusivem Zugriffsrecht, um das Konzept zu verfeinern und eine Bauanfrage zu erstellen. Anschließend wird ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen. Der Erbbauzins soll nach ersten Berechnungen rund 32.000 Euro jährlich betragen, die endgültige Höhe richtet sich nach der Nutzungsmischung.
Kombination aus Wohnen, Gewerbe und Kultur als Chance für die Belebung des „Paradieshofs“
Neue Impulse kommen auch aus der Stadtpolitik. Die CDU-Fraktion im Römer fordert, den „Paradieshof“ stärker kulturell zu beleben. Vorgeschlagen wird ein Nutzungskonzept mit geförderten Atelierwohnungen für Künstlerinnen und Künstler sowie einem öffentlich zugänglichen Café im Erdgeschoss, das Raum für Live-Musik und kleinere Veranstaltungen bietet. Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Christian Becker, sieht darin die Chance, einen kreativen und sozial belebenden Anlaufpunkt im Herzen des Quartiers zu schaffen. Das Stadtparlament hat den Magistrat beauftragt, den Vorschlag zu prüfen.
Schon im Sommer zeigte sich das Potenzial einer kulturellen Nutzung: Ein kleines Festival mit Musik, Comedy und Nachbarschaftsaktionen auf dem Platz vor dem „Paradieshof“ stieß auf große Resonanz. Die geplante Kombination aus Wohnen, Gewerbe und Kultur könnte Alt-Sachsenhausen also nachhaltig beleben und dem „Paradieshof“ neues Leben einhauchen. Ob das aktuelle Konzeptverfahren erfolgreich verläuft, bleibt jedoch abzuwarten.

Der Paradieshof im November 2025: Das Gebäude steht seit vielen Jahren leer und ist heruntergekommen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

In direkter Nachbarschaft: Die kleine Rittergasse in Sachsenhausen ist abends ein belebter Ort mit vielen Bars und Restaurants. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Bund der Steuerzahler Deutschland, FAZ, CDU Frankfurt am Main
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