Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof zwischen Pankow und Heinersdorf soll eines der größten neuen Stadtquartiere Berlins entstehen. Nun hat das Bezirksamt Pankow die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand des Bebauungsplans informiert. Dabei wurde deutlich: Das Projekt kommt voran, steht aber weiterhin vor erheblichen Herausforderungen.

© Titelbild: Nöfer Architekten, Foto: depositphotos.com

Das Pankower Tor gehört seit Jahren zu den bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekten im Berliner Norden. Auf dem rund 47 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs zwischen Berliner Straße, Granitzstraße und Prenzlauer Promenade sollen in den kommenden Jahren Wohnungen, Schulen, Grünflächen, kulturelle Einrichtungen und neue Verkehrsverbindungen entstehen. Nach einer langen Planungsphase erreicht das Vorhaben nun einen weiteren Meilenstein: Mit einer digitalen Informationsveranstaltung hat das Bezirksamt Pankow die bevorstehende Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplan 3-60a eingeläutet.

ANZEIGE

Für den Bezirk ist das Projekt weit mehr als ein gewöhnliches Wohnungsbauvorhaben. Bezirksstadtrat des Berliner Bezirks Pankow, Cornelius Bechtler, sprach von einem „ganz, ganz wichtigen Meilenstein“ und bezeichnete das Pankower Tor als einen zentralen Baustein für die Entwicklung Pankows in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren. Neben neuen Wohnungen sollen auf dem Areal auch zwei Grundschulen, Kitas, öffentliche Grünanlagen sowie weitere soziale und kulturelle Einrichtungen entstehen.

2.000 Wohnungen und neue Infrastruktur für Pankow geplant

Kern des Projekts sind rund 2.000 Wohnungen, von denen etwa 30 Prozent im geförderten Segment entstehen sollen. Ergänzt wird das Quartier durch Einzelhandel, Gewerbeflächen, eine Zentralbibliothek sowie einen größeren Stadtpark. Die Planungen reichen von der Mühlenstraße bis zur Prenzlauer Promenade und umfassen damit eines der größten zusammenhängenden Entwicklungsgebiete im Berliner Norden.

Der städtebauliche Entwurf stammt vom Büro Nöfer Architekten, das das Verfahren bereits seit mehreren Jahren begleitet. Architekt Tobias Nöfer bezeichnete das Vorhaben während der Veranstaltung als „großes Gemeinschaftswerk“. Das Quartier solle sich durch eine vielfältige Bebauung, zahlreiche Grünräume und kurze Wege auszeichnen. Geplant sind begrünte Innenhöfe, Spiel- und Aufenthaltsflächen sowie unterschiedliche Gebäudetypologien, die bewusst Monotonie vermeiden sollen.

ANZEIGE

Auch die Mobilität spielt in den Planungen eine zentrale Rolle. Das Quartier soll weitgehend autoarm entwickelt werden. Breite Geh- und Radwege, neue Wegeverbindungen sowie der entlang der Bahntrasse geplante „Panketrail“ sollen den Umweltverbund stärken. Zudem ist eine neue Straßenbahnverbindung vorgesehen, die künftig Weißensee, Heinersdorf und Pankow besser miteinander verknüpfen soll.

Zu sehen ist ein Modell des "Pankower Tor".

Auf dem rund 47 Hektar großen Areal des Pankower Tors sollen in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Schulen und Grünflächen entstehen. / © Visualisierung: Nöfer Architekten

„Pankower Tor“: Ein Projekt mit langer Vorgeschichte

Die Entwicklung des Areals beschäftigt Politik, Verwaltung und Investoren bereits seit vielen Jahren. Eigentümer großer Teile der Fläche ist die Unternehmensgruppe Krieger, die das Gelände bereits Ende 2009 erworben hatte. Ursprünglich standen deutlich größere Einzelhandelsflächen im Mittelpunkt der Planungen. Im Laufe der Jahre wurde das Konzept jedoch mehrfach überarbeitet und stärker auf Wohnungsbau sowie öffentliche Nutzungen ausgerichtet.

ANZEIGE

Während der Informationsveranstaltung wurde mehrfach auf die lange Projektdauer verwiesen. „Wenn Sie die anderen Redner gehört haben, merken Sie: Das ist ein langer Prozess“, sagte Nöfer. Tatsächlich haben sich die Planungen immer wieder verzögert – unter anderem durch naturschutzrechtliche Anforderungen, umfangreiche Gutachten und die Komplexität des Verfahrens.

Bis heute ist unklar, wann auf dem Gelände tatsächlich gebaut werden kann. Während in früheren Jahren noch von einem Baustart Ende der 2020er Jahre ausgegangen wurde, zeichnet sich inzwischen ab, dass die ersten größeren Bauarbeiten erst deutlich später beginnen könnten.

Kreuzkröte bleibt zentraler Streitpunkt

Besonders deutlich wurde während der Veranstaltung, dass der Naturschutz weiterhin zu den entscheidenden Faktoren für den Zeitplan gehört. Auf dem ehemaligen Bahnareal leben mehrere geschützte Arten, darunter Kreuzkröte und Zauneidechse. Vor Beginn der Bauarbeiten müssen daher Ersatzhabitate geschaffen und die Tiere umgesiedelt werden.

ANZEIGE

Die dafür vorgesehenen Flächen werden nach Angaben der Fachplaner derzeit vorbereitet; erst danach kann auf dem Baugelände selbst weitergearbeitet werden. Allein dieser Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern.

Eine Kreuzkröte in der Natur.

Die Kreuzkröte gilt als streng geschützte Art. / © Wikimedia Commons, Lennart Hudel, CC BY-SA 4.0

Edda Metz, Geschäftsführerin der Krieger Gruppe, äußerte in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an den Verzögerungen und warf dem NABU Berlin vor, das Projekt gezielt zu behindern. Dabei gehe es dem NABU gar nicht um die Tiere, sondern darum, das geplante Möbelhaus zu verhindern.

Die Aussage verdeutlichte den spürbaren Frust über die langwierigen Verfahren und die wiederkehrenden Auseinandersetzungen um den Umgang mit dem Artenschutz. Gleichzeitig wurde in der Veranstaltung erneut betont, dass die Umsetzung der Ersatzhabitate und der Schutz der Arten zentrale Voraussetzungen für den weiteren Projektverlauf bleiben.

Öffentlichkeitsbeteiligung startet Ende Juni

Unabhängig von den kontroversen Diskussionen beginnt nun die nächste formelle Phase des Verfahrens. Die Planunterlagen werden vom 29. Juni bis zum 10. August öffentlich ausgelegt. In diesem Zeitraum können Bürgerinnen und Bürger Stellungnahmen einreichen und Hinweise zum Bebauungsplan abgeben.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass das Pankower Tor trotz aller Verzögerungen weiter voranschreitet. Gleichzeitig zeigt das Verfahren erneut, vor welchen Herausforderungen große Stadtentwicklungsprojekte in Berlin heute stehen. Wohnungsbau, Infrastruktur, Klimaanpassung und Naturschutz müssen auf einer Fläche zusammengebracht werden, die über Jahrzehnte ungenutzt blieb. Bis die ersten Bewohnerinnen und Bewohner dort einziehen können, wird noch einige Zeit vergehen.

 

Quellen: Bezirksamt Pankow, NABU, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatskommission Wohnungsbau, Nöfer Architekten, RBB

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

6 Kommentare

  1. Andreas Dorn 24. Juni 2026 at 15:26 - Reply

    Also ehrlich wenn ich an Stelle von Herrn Krieger wär, hätte ich schon längst das Projekt aufgegeben. Lebt er eigentlich noch, Berlin braucht dringend Wohnungen, hat dort Platz für soviele Familien und mittlerweile wächst dort ein Birkenwald, weil solange nichts passiert.

  2. Gesine Eilrich 24. Juni 2026 at 18:33 - Reply

    Menschen und ihre Bedürfnisse nach einem guten Leben in guten Wohnungen gehören mindestens ebenso zu den zu “ schützenden Arten“ wie die Kröten oder Zauneidechsen. Es ist beschämend und empörend, dass die Politisch Verantwortlichen nicht den Mut besitzen, diese monsternde Bürokratie endlich auf das Wohl des Menschen anzupassen.

  3. Bernd Michalski 24. Juni 2026 at 19:11 - Reply

    1981 gab es in Berlin den sogenannten Investorenstreik.
    Der CDU-Senat hat dann die Obergrenze der geförderten Baukosten soweit angehoben, dass Bauen in Berlin doppelt so teuer war wie in Hamburg oder NRW.
    Tagesspiegel vom 24.06.2018
    Stadtentwicklung in Berlin 60.000 Wohnungen genehmigt – keiner baut sie
    https://www.tagesspiegel.de/politik/stadtentwicklung-in-berlin-60-000-wohnungen-genehmigt-keiner-baut-sie/22726928.html

    Und nun wartet die Bau- und Immobilien-Lobby wieder auf „attraktive Förderangebote“ bevor gebaut wird.

    Und als Ausrede werden die Reptilien vorgeschickt.

    • Max 25. Juni 2026 at 15:42 - Reply

      Nehmen Sie doch einen Kredit auf uns zeigen uns wie es geht.

  4. R. Birnstiel 24. Juni 2026 at 22:16 - Reply

    Leider verdeutlicht dieses Projekt mal wieder die behördliche und strukturelle Inkompetenz beim Wohnungsbau. Vor 17 Jahren gekauft und noch nicht einmal anfangen darf er.

  5. TedG 25. Juni 2026 at 08:06 - Reply

    Im ersten Teil ihres Artikels verorten sie das Gebiet zwischen Berliner Allee und Prenzlauer Promenade, richtig ist aber die Berliner Straße und Prenzlauer Promenade.
    Als gebürtiger Pankower verfolge ich die Planung und Verhinderung von Beginn an.
    Investor Krieger hatte von Anfang an eine durchmischte Planung vor. Ich an Schulen und Erholungsflächen gedacht.
    Das der Investor trotz aller Behinderungen dabei bleibt, erstaunlich und hoffentlich geht’s irgendwann los.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.