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Das geplante Wohnquartier auf dem Georgen-Parochial-Friedhof III in Weißensee steht vor einer grundlegenden Wende. Nach neuen Bewertungen rückt das Vorhaben in weite Ferne, vor allem wegen eines wertvollen Baumbestands, der sich nicht kompensieren lässt. Auch der lange geplante Schulneubau ist offenbar nicht mehr realisierbar.

Georgen-Parochial-Friedhof-III in Weißensee

An der Gustav-Adolf-Straße sollten Teile des „Georgen-Parochial-Friedhofs III“ für ein neues Wohnquartier genutzt werden. Die geplante Bebauung von rund sechs Hektar ist jedoch vorerst gestoppt. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0

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© Foto Titelbild: pixabay, fietzfotos

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Ein geplantes Wohnquartier auf dem Georgen-Parochial-Friedhof III in Berlin-Weißensee könnte endgültig scheitern. Das Bezirksamt Pankow teilte mit, dass sowohl der Wohnungsbau als auch der lange geplante Grundschulstandort nicht realisiert werden können. Damit steht ein Vorhaben vor dem Aus, das seit Jahren als wichtiger Beitrag zur Entlastung des Berliner Wohnungsmarktes gilt.

Der Friedhof liegt südlich der Gustav-Adolf-Straße und war 2019 für eine teilweise Umnutzung vorgesehen. Rund 615 bis 625 Wohnungen, eine Grundschule, eine Kita und sozial orientierte Punkthäuser waren geplant, getragen von dem Evangelischen Friedhofsverband, der sich eine neue wirtschaftliche Basis für die Erhaltung seiner Anlagen erhoffte.

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Wohnquartier in Weißensee: Gemischte Siedlung war auf ehemaliger Friedhofsfläche vorgesehen

Das Konzept sah eine gemischte Siedlung vor, die verschiedene Wohnformen und Träger einbindet. Studierende, Senioren und Baugruppen sollten gemeinsam ein neues Quartier am Rand Weißensees bilden. Ergänzend war ein zentraler Platz als öffentlicher Aufenthaltsort geplant.

Der Ansatz entsprach dem Trend, nicht mehr benötigte Friedhofsflächen umzuwidmen, ein Vorgehen, das in mehreren Bezirken Berlins bereits angewendet wurde. Für die beteiligten Gemeinden war dies ein Weg, die Pflege großflächiger Areale künftig sichern zu können.

Naturschutz verhindert Bebauung: Alter Baumbestand in Weißensee nicht kompensierbar

Nach aktuellen Angaben des Bezirks scheitert das Projekt jedoch am Naturschutz. Die Prüfungen hätten ergeben, dass der Eingriff in Natur und Landschaft „nicht ausgleichbar“ sei, wie der Tagesspiegel berichtet. Vor allem der alte Baumbestand, der auf dem parkähnlichen Gelände gewachsen ist, könne nicht kompensiert werden.

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Pankow müsste für die Rodungen rund 30 Hektar Ausgleichsfläche schaffen, eine Dimension, die dem Schlosspark Schönhausen entspricht. Diese Fläche ist weder im Bezirk verfügbar noch planerisch realistisch. Daher sei das Bebauungsplanverfahren aktuell nicht weiterführbar.

Überraschende Wende: Schulstandort in Weißensee trotz Wachstum nicht realisierbar

Besonders schwer wiegt der Verzicht auf den Schulneubau, den Pankow trotz der Schwierigkeiten retten wollte. Nun stellt der Bezirk klar: Für das Plangebiet wurde kein dringender Schulraumbedarf angemeldet. Damit entfällt auch dieses zentrale Element des Projekts. Das städtebauliche Konzept soll nun in einer Variante ohne Schule überarbeitet werden.

Für den Bezirk kommt dies laut Tagesspiegel überraschend, da Weißensee zu den am stärksten wachsenden Ortsteilen zählt und Schulflächen traditionell knapp sind. Frühere Machbarkeitsstudien hatten den Standort als geeignet eingestuft.

Weißensee blockiert, in Rosenthal wird gebaut: Unterschiedliche Entwicklungen bei Friedhofsflächen

Damit rückt das geplante Quartier auf dem Georgen-Parochial-Friedhof in weite Ferne. Der Bezirk sieht weiterhin „erheblichen Klärungsbedarf“, während der alte Baumbestand und die fehlende Ausgleichsfläche klare Grenzen setzen. Wohnungen und Schule sind vorerst vom Tisch, ein Rückschlag für die städtebauliche Entwicklung Weißensees. Doch während dieses Projekt ins Stocken gerät, macht ein ähnliches Vorhaben nur wenige Kilometer entfernt deutliche Fortschritte.

Am Friedhof Nordend in Pankow treibt der Bezirk die Planung für rund 260 neue Wohnungen voran. Dort wurde die Umwidmung einer bislang ungenutzten Fläche entlang der Dietzgenstraße erfolgreich vorangetrieben, begleitet von städtebaulichen Rundgängen und einer laufenden Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Beispiel zeigt: Auch wenn der Standort in Weißensee scheitert, entstehen andernorts neue Perspektiven für Wohnraum und der Umgang mit Friedhofsflächen entwickelt sich in Berlin höchst unterschiedlich weiter.

Quellen: Tagesspiegel, Bezirksamt Pankow

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6 Kommentare

  1. Friderike 15. November 2025 at 09:26 - Reply

    Gott sei Dank, dass das Bauprojekt nicht stattfindet.

  2. Icke 15. November 2025 at 09:32 - Reply

    Für das Plangebiet wurde kein dringender schulraumbedarf angemeldet. Alles klar. Wer hat denn diese irre Erkenntnis gehabt? Weißensee schickt jeden Tag mehrere Hundert Schüler in andere Bezirke. Und das werden in den kommenden Jahren jährlich mehr Schüler. Auf den Schulhof der Brandt Schule werden Container gestellt und 100 jährige Bäume gefällt. Komisch da wiedersetzt sich die Politik dem baumschutz.

  3. Theo 15. November 2025 at 14:50 - Reply

    Es ist gut das dieses Vorhaben nicht verfolgt wird .Es wird schon zuviel wertvolle Natur zerstört für den „Wohnungsbau“ der großteils nur aus Habgier durchgedrückt werden soll ohne Rücksicht auf unsere Kinder und ihre Zukunft. Denn Beton erzeugt keinen Sauerstoff zum atmen. Und wir haben schon genug schlechte Beispiele in unserer Stadt. Leerstehenden Bürobauten und es wird immer mehr. Diesen Raum sollte man sinnvoll nutzen.

    • James_Hobrecht_fan 19. November 2025 at 19:53 - Reply

      Kinder werden Erwachsene, die Wohnungen brauchen. Wenn sie nicht dicht gedrängt in Weißensee wohnen, landen sie vielleicht in der Zersiedelung Brandenburgs. Dort können sie fünfmal so viel Natur zerstören und mehr Auto fahren. Oder sie bleiben bis Mitte dreißig bei ihren Eltern wohnen, wie es an Orten mit noch größerer Wohnungsknappheit der Fall ist.

  4. Berliner 21. November 2025 at 23:50 - Reply

    Nichts wird gerade dringender gebraucht als Wohnungen. Das sollten auch diejenigen anerkennen, die das Glück haben schon in einer zufriedenstellenden Wohnung zu sitzen.

  5. Joachim Hasert 27. November 2025 at 00:04 - Reply

    Wir werden mit Brandenburg reden müssen, Berlin um Flächen zu vergrößern. Eventuell die Flächen zwischen Berlin-Frohnau
    und Berlin-Buch kämen in Betracht.
    Der hiesige Baumbestand des Friedhofs ist praktisch als ein mittleres Waldstück anzusehen. Eine kurparkähnliche Anlage ,
    wobei Hunde und Fahrräder draußen bleiben – vgl. Schlosspark Berlin-Britz, wäre wünschenswert. Hinzu kommt der wertvolle Vogelbestand, aber auch allerhand Getier im Boden ist beachtlich.

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