In Friedrichshain ist ein zentraler Abschnitt der Tramlinie 21 bis auf Weiteres außer Betrieb. Ursache sind verschlissene Gleise und eine Planung, die seit Jahren nicht vorankommt.

Das Ostkreuz liegt zwischen Friedrichshain und Rummelsburg und ist besonders vom Ausfall der Tramlinie 21 betroffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: depositphotos.com / SandraFotodesign
© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Am Ostkreuz ist seit Jahren eine neue Straßenbahnhaltestelle vorgesehen, die den Bahnhof direkt mit der Tramlinie 21 anbinden soll. Der Zugang zur bestehenden Strecke über die Marktstraße war bislang umständlich, denn Fahrgäste mussten rund sieben Minuten bis zur Haltestelle laufen. Seit rund einer Woche ist selbst dieser Weg nicht mehr nutzbar, weil die BVG einen 900 Meter langen Abschnitt zwischen Boxhagener Straße und Marktstraße stillgelegt hat.
Die Verkehrsbetriebe begründen die Stilllegung mit stark abgenutzten Gleisen, die seit etwa vier Jahrzehnten ohne Unterbrechung genutzt wurden. Die Möglichkeiten der laufenden Instandhaltung seien ausgeschöpft, eine sichere Weiterfahrt könne nur durch einen vollständigen Austausch der Schienen gewährleistet werden. Eine solche Erneuerung ist nach Angaben der BVG jedoch nicht geplant.
Tramlinie 21 in Friedrichshain: BVG richtet Zwischenendstelle ein
Mit der letzten regulären Fahrt der Linie 21 von der Warschauer Straße nach Karlshorst wurde auch der durchgehende Betrieb eingestellt. Seitdem pendeln die Bahnen auf zwei getrennten Abschnitten, was für mehrere tausend Fahrgäste tägliche Umstiege bedeutet. Der ohnehin stark belastete Knoten am Ostkreuz wird dadurch zusätzlich gefordert.
Um den Betrieb in Friedrichshain aufrechtzuerhalten, richtet die BVG in der Boxhagener Straße eine temporäre Zwischenendstelle vor der Zille-Schule ein. Dort wird eine Weiche eingebaut, damit die Bahnen wenden können. Zudem werden im Bereich der Marktstraße etwa 80 Meter Gleis erneuert, damit Züge aus Richtung Schöneweide weiterhin bis in die Nähe des Bahnhofs Ostkreuz fahren können.
Ostkreuz Tramlinie 21: Warum die Planung seit 15 Jahren stockt
Warum trotz erkennbaren Bedarfs keine neue Strecke vorhanden ist, führt der HTW-Professor Christian Böttger vor allem auf sehr langsame Planungsabläufe zurück. Nach seinen Einschätzungen kommen die Arbeiten seit rund 15 Jahren kaum voran. Dadurch sei eine veraltete Strecke weiterbetrieben worden, ohne grundlegende Sanierungen vorzunehmen.
Böttgerverweist zudem auf Anwohnerproteste, vor allem in der Sonntagsstraße. Dort wird befürchtet, dass die Tram zu mehr Lärm führen könnte. Eine lokale Initiative schlägt als Alternative einen direkten Gehweg von der Marktstraße zum Ostkreuz vor, der den bisherigen Weg deutlich verkürzen würde.
Tram-Ausbau am Ostkreuz: Lärmschutz und Bedenken der Feuerwehr bremsen die Planung
Ein weiteres Problem liegt in den Planungsunterlagen der BVG. Bereits 2018 mussten diese zurückgezogen werden, weil Fehler im Lärmschutz festgestellt wurden. In den folgenden Jahren blieben weitere Versionen unvollständig oder enthielten Formfehler. Nach Angaben des BUND soll nun eine fünfte Auslegung erforderlich werden. Sprecher Nikolas Šustr erklärte, dass dann erneut Einwendungen eingereicht werden können.
Vor allem die Berliner Feuerwehr habe Bedenken geäußert, etwa zur Sicherheit ihrer Einsatzfahrzeuge unter den Oberleitungen. Šustr betonte jedoch, dass ähnliche räumliche Bedingungen in anderen Städten gelöst wurden und bezweifelte, dass die Platzfrage ein grundsätzliches Hindernis darstellt.
BVG Tramlinie 21: 900 Meter Verkehrsunterbrechung zwischen Friedrichshain und Rummelsburg
Für die Fahrgäste zeigt sich der langjährige Planungsstau nun in Form einer dauerhaften Unterbrechung. Böttger erklärte, man sei davon ausgegangen, dass die alte Strecke bald ersetzt würde. Daher sei bewusst in Kauf genommen worden, dass sie weiter verschleißt. Die BVG hält eine umfassende Sanierung angesichts der geplanten Neubaustrecke weder für wirtschaftlich noch für sinnvoll.
Damit klafft auf einer wichtigen Verbindung nun eine dauerhafte Lücke, die nur mit Ersatzbussen überbrückt werden kann. Weder aus Karlshorst und Rummelsburg noch von der Warschauer Straße gelangen Fahrgäste aktuell ohne Umstieg zum Ostkreuz. Ob die Lösung in einer beschleunigten Planung oder einer Sanierung der Altstrecke liegt, bleibt offen.
Quellen: rbb, BVG
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


