Sperrungen, Ersatzbusse und fehlende Ausweichstrecken belasten den Bahnverkehr zwischen Berlin und Polen. Gerade die lange vernachlässigte Ostbahn könnte das Netz robuster machen. Doch bis zu einem umfassenden Ausbau ist es noch ein weiter Weg.

Der Bahnhof Küstrin-Kietz mit Bahnhofsgebäude und Gleisanlagen an der Ostbahn zwischen Berlin und dem polnischen Kostrzyn.

Der Bahnhof Küstrin-Kietz liegt an der Ostbahn kurz vor der deutsch-polnischen Grenze. Die Strecke zwischen Berlin und Kostrzyn soll langfristig zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, FAL

© Titelbild: Wikimedia Commons, karstenknuth

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Berlin und Polen rücken wirtschaftlich immer enger zusammen. Auf der Schiene zeigt sich davon derzeit allerdings nur ein widersprüchliches Bild. Zwar wächst das Angebot an internationalen Zügen langfristig, zugleich führen Baustellen und schwache Ausweichstrecken immer wieder zu erheblichen Problemen. Eine aktuelle Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus zeigt nun, wie groß der Handlungsbedarf weiterhin ist.

  • Strecke: Berlin – Müncheberg – Küstrin-Kietz – Kostrzyn
  • Linie: RB26
  • Projektstatus: Grundlagenermittlung
  • Ausbauziel: durchgehend zweigleisige und elektrifizierte Strecke

Die Probleme betreffen derzeit mehrere Korridore gleichzeitig. Besonders deutlich wird das auf der Verbindung nach Szczecin. Zwischen Angermünde und der polnischen Metropole fahren seit Dezember 2022 abschnittsweise Ersatzbusse. Der deutsche Abschnitt Passow – Grenze soll nach Angaben von DB InfraGO erst im Dezember 2027 in Betrieb gehen. Auf polnischer Seite nennt der Berliner Senat inzwischen das zweite Quartal 2029 – zunächst ohne Elektrifizierung. Eine durchgehend elektrifizierte Strecke erwartet der Senat dort voraussichtlich erst ab dem ersten Quartal 2030.

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Bahn Berlin–Polen: Der Senat sieht keinen historischen Tiefpunkt

Die Frage, ob der grenzüberschreitende Bahnverkehr damit einen historischen Tiefpunkt erreicht habe, beantwortet der Senat dennoch mit Nein. Zwar bezeichnet er die Qualität wegen zahlreicher Baumaßnahmen derzeit und auch für die kommenden Jahre als unbefriedigend. Gleichzeitig hätten sich Reisezeiten auf bereits modernisierten Strecken verkürzt. Zudem habe sich das Angebot grenzüberschreitender Fernzüge gegenüber dem Fahrplanjahr 2016 mehr als verdoppelt.

Besonders problematisch bleiben dennoch Vollsperrungen. Bei Arbeiten auf der Strecke Berlin – Frankfurt (Oder) fehlen leistungsfähige Alternativen. Eine Umleitung von Eurocity-Zügen wurde nach Angaben des Senats geprüft, ließ sich wegen fehlender Kapazitäten auf anderen Strecken jedoch nicht umsetzen. Genau hier kommt die Ostbahn ins Spiel.

Ostbahn Berlin–Kostrzyn soll zweite leistungsfähige Achse werden

Die Ostbahn führt von Berlin über Strausberg, Müncheberg und Küstrin-Kietz nach Kostrzyn. Aber ihr Problem ist seit Jahren bekannt: Auf deutscher Seite ist sie abschnittsweise eingleisig und nicht elektrifiziert. Berlin, Brandenburg, die polnische Woiwodschaft Lubuskie und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verfolgen deshalb ein gemeinsames Zielbild. Die Strecke soll durchgehend zweigleisig und elektrifiziert werden, Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h ermöglichen und für 740 Meter lange Güterzüge geeignet sein.

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Eine vom VBB vorgestellte Untersuchung empfiehlt einen Ausbau in Stufen. Inzwischen befindet sich das Vorhaben im Auftrag von Berlin und Brandenburg in der Grundlagenermittlung. Dabei soll auch geprüft werden, ob zunächst ein kleinerer Ausbau wirtschaftlich sinnvoll wäre. Einen Termin für den Baustart oder die Fertigstellung nennt der Senat nicht. Eine kurzfristige Umsetzung sei angesichts der noch notwendigen Planungsschritte auch nicht zu erwarten.

Neues Bundesgesetz stärkt die Ostbahn – finanziert ist sie damit nicht

Politisch hat sich die Lage 2026 dennoch verändert. Die Ausbaustrecke Berlin – Küstrin-Kietz – deutsch-polnische Grenze wurde in das Infrastruktur-Zukunftsgesetz aufgenommen. Damit gilt sie als Vorhaben von überragendem öffentlichen Interesse. Das kann Planungs- und Klageverfahren beschleunigen. Eine gesicherte Finanzierung des vollständigen Ausbaus folgt daraus jedoch nicht. Brandenburg erklärte noch im August 2026, dass eine verbindliche Finanzierungsperspektive des Bundes fehle.

Eine reine Elektrifizierung könnte nach Angaben des Berliner Senats grundsätzlich über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz mit einer Förderquote von bis zu 90 Prozent unterstützt werden. Ob dieser Weg sinnvoll ist und sämtliche Voraussetzungen erfüllt werden, ist aber offen. Auch zusätzliche Mittel aus militärischen Infrastrukturprogrammen stehen keineswegs fest: Im europäischen militärischen Verkehrsnetz ist die Ostbahn derzeit nicht enthalten. Brandenburg setzt sich jedoch für eine Aufnahme in das geplante deutsche Militäreisenbahngrundnetz ein.

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RB26 bleibt wichtig – doch ein belastbares Ausbaudatum fehlt

Während über den großen Ausbau gesprochen wird, bleibt die RB26 für Fahrgäste die entscheidende Verbindung auf der Ostbahn. Zuletzt sorgten Baustellen und fehlende Fahrzeuge wiederholt für Einschränkungen. Nach Angaben des Senats soll sich zumindest die Fahrzeuglage durch zusätzliche Züge und abgeschlossene Wartungsarbeiten schrittweise entspannen. Der VBB begleitet im Auftrag Berlins und Brandenburgs Maßnahmen zur Stabilisierung der Linie.

Berlin-Lichtenberg
Der Bahnhof Berlin-Lichtenberg liegt am Berliner Abschnitt der Ostbahn Richtung Kostrzyn.
Strausberg
Der Bahnhof Strausberg liegt an der Ostbahn zwischen Berlin und der deutsch-polnischen Grenze.
Müncheberg (Mark)
Müncheberg ist ein wichtiger Bahnhof der Ostbahn auf dem Weg von Berlin nach Kostrzyn.
Küstrin-Kietz
Küstrin-Kietz liegt unmittelbar vor der deutsch-polnischen Grenze auf der Ostbahn.
Kostrzyn
Der Bahnhof Kostrzyn ist der polnische Grenzbahnhof und Knotenpunkt der Ostbahn.

 

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26840, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg

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