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Steinernes Erinnern in Prenzlauer Berg: In der zweiten Folge der Doku-Reihe „Orte Ost“ führt Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk zum Ernst-Thälmann-Denkmal und erklärt dessen Rolle in der DDR-Geschichtspolitik. Ab sofort ist die neue Folge, produziert vom DDR-Museum, auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT zu sehen.

© Foto Titelbild: DDR-Museum

 

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Nach dem Auftakt der Dokumentationsreihe „Orte Ost“ des DDR-Museums folgt nun der zweite Teil. Die 27-minütige Episode wird heute exklusiv auf ENTWICKLUNGSSTADT veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung des DDR-Museums. Erneut führt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk an einen symbolisch aufgeladenen Ort der DDR-Geschichtspolitik; diesmal zum Ernst-Thälmann-Denkmal im Berliner Prenzlauer Berg. Weitere Teile der Reihe sind bereits in Vorbereitung und sollen in den kommenden Monaten folgen.

Die Filmreihe beleuchtet historische Schauplätze Ostdeutschlands als Projektionsflächen politischer Ideologie, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Umbrüche. Nach dem ersten Teil in Oberschöneweide richtet sich der Blick nun auf eines der monumentalsten politischen Kunstwerke der späten DDR.

Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg: Monument sozialistischer Erinnerungspolitik

Das Ernst-Thälmann-Denkmal wurde Mitte der 1980er-Jahre errichtet und ist dem früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann gewidmet, der 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. In der DDR wurde Thälmann als kommunistischer Märtyrer verehrt und in den staatlichen Kanon politischer Helden integriert. Die Enthüllung des Denkmals erfolgte am 15. April 1986.

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Das Denkmal entstand nach Entwürfen des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel und zeigt Thälmann als überlebensgroße Büste aus Bronze. Es war Teil eines umfassenden städtebaulichen Ensembles im damaligen Neubaugebiet Prenzlauer Berg, das bewusst mit politischer Symbolik aufgeladen wurde. Der Ort sollte nicht nur erinnern, sondern Identifikation stiften und historische Kontinuität zur kommunistischen Bewegung herstellen.

Steinerne Erinnerung an Thälmann: Deutungskämpfe nach 1990

Mit dem Ende der DDR verlor das Monument seine ursprüngliche politische Funktion, blieb jedoch als materielles Zeugnis sozialistischer Erinnerungskultur bestehen. In den 1990er-Jahren entbrannten Debatten über Abriss, Umgestaltung oder Kontextualisierung. Während einige das Denkmal als Relikt einer autoritären Geschichtspolitik betrachteten, sahen andere darin ein wichtiges Zeitdokument.

Heute ist das Areal um das Denkmal Teil eines öffentlichen Parks und Gegenstand historischer Einordnung. Informationstafeln und künstlerische Interventionen versuchen, den Ort in einen kritischeren Zusammenhang zu stellen. Das Denkmal steht damit exemplarisch für den schwierigen Umgang mit politischer Monumentalkunst aus der DDR.

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DDR-Museum: Dokumentation „Orte Ost“ als filmische Spurensuche

In der neuen Folge ordnet Kowalczuk das Denkmal historisch ein und zeigt, wie sehr Architektur, Kunst und Stadtplanung in der DDR zur politischen Erzählung beitrugen. Der Film macht deutlich, dass der Ort weniger über die reale Person Thälmann erzählt als über das Geschichtsbild, das die DDR von sich selbst entwerfen wollte.

Mit „Orte Ost“ setzt das DDR-Museum die spannende Dokumentation fort und eröffnen neue Perspektiven auf bekannte Stadträume. Die Reihe verbindet historische Analyse mit heutiger Stadterfahrung und zeigt, wie sehr vor allem Berlins Stadtraum bis heute von ideologischen Einschreibungen geprägt ist.

Ostdeutsche Geschichte: Weitere Orte werden in der Doku-Reihe „Orte Ost“ unter die Lupe genommen

Weitere Folgen sollen andere Orte in Ostdeutschland in den Blick nehmen und damit das Spektrum historischer Erfahrungen erweitern. Vorgesehen sind Kurzfilme mit einer Länge von jeweils rund 25 Minuten zu folgenden Orten und Themen: Gefängnis Keibelstraße am Alexanderplatz, Rundfunk der DDR in der Nalepastraße, Parteizentrale der SED, Staatsratsgebäude der DDR, Wohnen und Wohnraum in der DDR, Wohnen im Grünen sowie Wohnen in der Platte.

Auch diese Folgen werden auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT als auch auf der Video-Plattform des DDR-Museums zu sehen sein.

© Foto: DDR-Museum

Quellen: DDR Museum, Verein für die Geschichte Berlins e.V., Industriesalon Schöneweide, Deutsches Architektur Forum, berlin.de, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

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