Über Jahrzehnte wurde von der Nalepastraße in Oberschöneweide aus Radio in die gesamte DDR gesendet. Heute hat sich das ehemalige Funkhaus zu einem ungewöhnlichen Kultur- und Kreativstandort entwickelt. Die neue Folge der Filmreihe „Orte Ost“ widmet sich diesem besonderen Ort im Südosten Berlins. Ab sofort ist die neue Folge, produziert vom DDR-Museum, auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT zu sehen.
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Andreas Steinhoff
Im Treptow-Köpenicker Ortsteil Oberschöneweide, direkt an der Spree, befindet sich ein Ort, der über Jahrzehnte hinweg das akustische Zentrum der DDR bildete: das Funkhaus in der Nalepastraße.
Von hier aus wurden Nachrichten, Hörspiele, Musikprogramme und politische Sendungen in die gesamte Republik ausgestrahlt. Heute ist das Gelände ein vielschichtiger Kultur- und Produktionsstandort und zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis ostdeutscher Mediengeschichte.
Die neue Folge der Dokumentationsreihe „Orte Ost“ widmet sich diesem außergewöhnlichen Ensemble und seiner Rolle in der Geschichte des Rundfunks, der Architektur und der Berliner Stadtentwicklung.
Nalepastraße in Oberschöneweide: Rundfunkzentrum der DDR
Der Bau des Funkhauses begann Anfang der 1950er Jahre. Hintergrund war die politische Teilung der Stadt: Das traditionsreiche Haus des Rundfunks in der Masurenallee lag im Westteil Berlins. Die DDR entschied sich deshalb für den Aufbau eines eigenen Rundfunkstandorts im Osten der Stadt.
Bereits 1952 nahm das Funkhaus Nalepastraße den Sendebetrieb auf. In den folgenden Jahren entstand ein weitläufiger Komplex aus Studios, Redaktionsräumen und technischen Anlagen. Von hier aus wurden Programme wie Radio DDR, der Berliner Rundfunk oder später das Jugendradio DT64 produziert und ausgestrahlt.
Architektur für Klang und Produktion am Spreeufer
Das Ensemble wurde speziell für die Anforderungen moderner Radioproduktion geplant. Große Sendesäle, Tonstudios und technische Einrichtungen bildeten eine komplexe Infrastruktur für Aufnahmen und Live-Sendungen.
Besonders bekannt ist der Große Sendesaal, der mit seiner außergewöhnlichen Raumakustik bis heute als einer der bedeutendsten Studiobauten Europas gilt. Viele Räume wurden so konstruiert, dass sie akustisch voneinander entkoppelt sind; eine Voraussetzung für hochwertige Musik- und Sprachaufnahmen.
Nalepastraße in Oberschöneweide: Vom DDR-Staatsrundfunk zum Kreativstandort
Mit dem Ende der DDR verlor das Funkhaus Anfang der 1990er Jahre seine ursprüngliche Funktion. Der Sendebetrieb wurde eingestellt, Teile des Areals standen lange Zeit leer. In den vergangenen Jahren hat sich das Gelände jedoch zunehmend verändert.
Heute nutzen Musiker, Produzenten und Kreativunternehmen die historischen Studios und Räume. Konzerte, Tonaufnahmen und kulturelle Veranstaltungen knüpfen dabei an die besondere Geschichte des Standorts an. Direkt angrenzend soll zudem in den kommenden Jahren das riesige Kultur- und Gewerbeprojekt „Funkytown“ entwickelt werden.
„Orte Ost“: Filmische Spurensuche im Stadtraum
Weitere Teile der Reihe sind bereits in Vorbereitung und widmen sich zusätzlichen Schauplätzen ostdeutscher Geschichte, stets erzählt vom Historiker Sascha-Ilko Kowalczuk.
Die aufwendig produzierte Doku-Reihe verbindet historische Analyse mit heutiger Stadterfahrung und zeigt, wie sehr Berlins Stadtraum bis heute von politischen Einschreibungen geprägt ist. Auch die künftigen Folgen werden auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT als auch auf der Video-Plattform des DDR-Museums zu sehen sein.
Quellen: DDR Museum, Verein für die Geschichte Berlins e.V., Industriesalon Schöneweide, Deutsches Architektur Forum, berlin.de, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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Von da müßte es eine Fußgänger-und Radbrücke rüber zum Plänterwald und Eierhäuschen geben. Das wäre was!