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Nach fast zehn Jahren Planung ist das Vorhaben zur verkehrsberuhigten Umgestaltung der Kreuzberger Oranienstraße gescheitert. Statt einer Flaniermeile mit breiten Gehwegen und Radstreifen bleiben Engstellen, Stau und Konflikte im Straßenverkehr bestehen. Der Bezirk nennt organisatorische, rechtliche und finanzielle Gründe für den Stopp.
Oranienstraße mit Blick auf den Moritzplatz

Sie ist seit vielen Jahren eine der am schwierigsten zu durchfahrenden Straßen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg: Die Oranienstraße, insbesondere der Abschnitt zwischen Moritzplatz und dem Kreuzungsbereich am Görlitzer Bahnhof. / © Foto: Wikimedia Commons, De-okin, CC BY-SA 3.0

© Foto: Wikimedia Commons, De-okin, CC BY-SA 3.0 
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Joe Mabel, CC BY-SA 4.0 

 

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Die Oranienstraße zwischen Moritzplatz und Görlitzer Bahnhof gilt als eines der verkehrlich am stärksten belasteten Straßenstücke in Friedrichshain-Kreuzberg. Schmale Gehwege, fehlende Radinfrastruktur und dauerhafte Staus durch Zweite-Reihe-Parker prägen das Bild. Auch die Buslinie M29 steckt hier regelmäßig fest.

Seit 2016 verfolgte der Bezirk das Ziel, den Autodurchgangsverkehr weitgehend herauszunehmen, um mehr Platz für Fuß- und Radverkehr zu schaffen. Vorgesehen waren breitere Gehwege, Aufenthaltsflächen, Begrünung und zusätzliche Fahrradstellplätze. 2022 sollten die Bauarbeiten beginnen und 2024 abgeschlossen sein.

Teure Planungen und kaum sichtbare Ergebnisse an der Oranienstraße in Kreuzberg

Umgesetzt wurde bislang nur ein kurzer Abschnitt am Oranienplatz. Dort entstanden auf wenigen Metern breite Radwege und Haltebuchten für den Busverkehr. Alle weiteren Maßnahmen wurden gestrichen. Die Planungen hatten bereits 2018 in einem Verkehrskonzept Gestalt angenommen, 2020 folgte die Bürgerbeteiligung, wie der Tagesspiegel berichtet.

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Insgesamt gab der Bezirk bisher rund 276.000 Euro für das Projekt aus. Bewilligt waren ursprünglich 690.000 Euro aus verschiedenen Förderprogrammen, darunter Mittel aus dem städtebaulichen Denkmalschutz und aus dem Programm „Lebendige Zentren und Quartiere“.

Neue Auflagen und Haushaltskürzungen besiegeln das Aus für den Umbau der Oranienstraße

Laut Bezirksamt ergaben sich während der Planungsphase ab 2019 neue Anforderungen, etwa beim Denkmalschutz und beim Regenwassermanagement. Für die Sperrung des Durchgangsverkehrs wäre zudem eine Herausnahme der Straße aus dem übergeordneten Straßennetz nötig gewesen. Der Nachweis, dass das umliegende Netz den Verkehr auffangen kann, blieb bislang aus, wie der Tagesspiegel berichtet.

Diese zusätzlichen Hürden führten in Kombination mit Kürzungen im Haushalt dazu, dass das Bezirksamt die Umsetzung nun nicht weiterverfolgt. Die beteiligten Planungsbüros und Projektsteuerer wurden über das Aus informiert.

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Geplatzte Pläne lassen Verkehrsprobleme in der Oranienstraße vorerst ungelöst

Die Oranienstraße steht seit Jahren sinnbildlich für die Konflikte im Berliner Straßenverkehr. Bereits in einer früheren Verkehrsstrategie des Bezirks war vorgesehen, motorisierten Durchgangsverkehr und Parkplätze zu reduzieren, um den begrenzten Straßenraum gerechter zu verteilen. Anlieger- und Busverkehr sollten dagegen bestehen bleiben.

Mit dem Stopp des Projekts bleibt es bei den bestehenden Problemen: hoher Parkdruck, unübersichtliche Verkehrsführung und ein Mangel an sicheren Radwegen. Ob und wann ein neuer Anlauf zur Umgestaltung gestartet wird, ist derzeit unklar.

Quellen: Tagesspiegel, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

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One Comment

  1. M.Hillen 16. August 2025 at 19:22 - Reply

    …und der Spaß hat Geld gekostet..Geld der Steuerzahler… Schade, daß nur Steuerhinterziehung strafbar ist.. Steuerverschwendung müßte ebenfalls bestraft werden

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