Die Autofahrbahn der Onkel-Tom-Straße in Berlin-Zehlendorf wurde 2023 innerhalb weniger Wochen saniert. Radfahrende und Schulkinder müssen sich dagegen weiterhin mit schmalen, brüchigen und teilweise blockierten Wegen arrangieren. Dabei kämpft eine Bürgerinitiative seit beinahe einem Jahrzehnt für sichere Radwege, doch Bezirk und Senat ignorieren das Vorhaben bislang.

Rad fahrendes Kind auf einem schmalen Weg zwischen parkenden Autos und Gehweg in der Onkel-Tom-Straße.

Parkende Autos, Radweg und Gehweg liegen auf engstem Raum nebeneinander. Für Kinder auf dem Fahrrad bleiben kaum Sicherheitsabstände. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die Onkel-Tom-Straße gehört zum Berliner Radvorrangnetz. Eigentlich müsste sie damit besonders hohe Standards für ein schnelles, komfortables und vor allem sicheres Radfahren erfüllen. Die Realität in Zehlendorf sieht jedoch anders aus: Schmale und brüchige Radwege, Engstellen sowie parkende Fahrzeuge machen die Strecke für Radfahrende vielerorts zu einem Hindernisparcours.

  • Die Onkel-Tom-Straße in Berlin-Zehlendorf gehört zum Berliner Radvorrangnetz.
  • Radwege sind dennoch schmal, beschädigt und teilweise blockiert.
  • Die Autofahrbahn wurde 2023 innerhalb weniger Wochen saniert.
  • Initiativen fordern seit Jahren sichere Schulwege und eine Neuordnung des Straßenraums.

Besonders problematisch ist die Situation für Kinder und Jugendliche. Im Umfeld der Nord-Grundschule sowie der Zinnowald-Grundschule und weiterer Einrichtungen wird die Straße täglich als Schulweg genutzt. Weil sichere und ausreichend breite Radwege fehlen, weichen Radfahrende teilweise auf den ebenfalls engen Gehweg aus. Dadurch entstehen neue Konflikte mit Fußgängerinnen und Fußgängern.

Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf: Fahrbahn für Autos wurde 2023 schnell saniert

Wie leistungsfähig die Berliner Verwaltung sein kann, zeigte sie im Sommer 2023. Zwischen der Argentinischen Allee und der Sven-Hedin-Straße ließ das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf die Fahrbahndecke der Onkel-Tom-Straße komplett erneuern.

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Die Arbeiten begannen am 19. Juni und sollten bereits am 14. Juli abgeschlossen sein; ein für Berliner Straßenbauprojekte bemerkenswert kompakter Zeitplan. Der alte Belag wurde entfernt, neuer Asphalt wurde aufgetragen.

Während die Fahrbahn für den motorisierten Verkehr damit innerhalb weniger Wochen instand gesetzt wurde, blieben die Radwege weitgehend im bisherigen Zustand. Eine grundlegende Neuordnung des Straßenraums war nicht Teil der Maßnahme. Gerade vor dem Hintergrund der Einstufung als Radvorrangroute wirft dieses Vorgehen Fragen nach den tatsächlichen Prioritäten der Verkehrsplanung auf.

Stark beschädigter und rissiger Asphalt eines schmalen Radwegs neben parkenden Autos in der Onkel-Tom-Straße.

Risse, Unebenheiten und ausgebrochener Asphalt prägen Teile des Radwegs. Direkt daneben schränkt der ruhende Autoverkehr den verfügbaren Raum zusätzlich ein. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Zehlendorf: Radverkehr bleibt trotz Vorrangnetz im Nachteil

Das Berliner Radnetz unterscheidet zwischen einem Vorrang- und einem Ergänzungsnetz. Auf den Vorrangrouten soll Radverkehr besonders sicher, direkt und komfortabel geführt werden. In der Onkel-Tom-Straße ist von diesem Anspruch bislang wenig zu erkennen.

Teilweise sind die Wege zu schmal, baulich beschädigt oder durch parkende Fahrzeuge eingeschränkt. An Einmündungen und Engstellen geraten Radfahrende zudem nah an Autos und Lastwagen.

Damit bleibt ausgerechnet eine offiziell wichtige Radverbindung hinter den Standards zurück, die Berlin selbst für sein Vorrangnetz formuliert hat. Bauliche Schutzmaßnahmen gegen das Parken auf dem Gehweg, wie sie in anderen Bezirken angewandt werden, gibt es hier nicht.

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Bürgerinitiative fordert Neuordnung des Straßenraums

Die Bürgerinitiative Zehlendorf fordert seit Jahren Veränderungen. Vor allem der Abschnitt zwischen Scharfestraße und Potsdamer Straße gilt nach ihrer Darstellung als besonders gefährlich. Im Bereich der Nord-Grundschule endet die Tempo-30-Zone kurz vor einer Engstelle, obwohl dort täglich zahlreiche Kinder unterwegs sind.

Als mögliche Lösung wird eine Einbahnstraßenregelung für den Autoverkehr mit einem breiten Zweirichtungsradweg vorgeschlagen. Zudem stehen eine Sperrung für den Lkw-Durchgangsverkehr und deutlichere Markierungen für Radfahrende zur Diskussion.

Bereits 2017 wandte sich die Initiative an Behörden und Bezirk. Eine grundlegende Verbesserung blieb bislang jedoch aus, fast ein ganzes Jahrzehnt ist damit verstrichen, ohne dass das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf oder der Berliner Senat hier tätig geworden wären.

Kind mit Fahrrad auf einem schmalen gepflasterten Radweg neben einem parkenden Auto in Berlin-Zehlendorf.

Auch für Schulkinder gehört der enge und unebene Radweg zum Alltag. Die Strecke ist dennoch als Teil des Berliner Radvorrangnetzes eingestuft. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Schulwegsicherheit darf keine Restgröße sein

Die Onkel-Tom-Straße zeigt sehr deutlich, wie groß die Lücke zwischen den verkehrspolitischen Zielen Berlins und ihrer Umsetzung vor Ort sein kann. Eine Straße wird nicht schon dadurch zur Vorrangroute, dass sie auf einer Karte entsprechend markiert ist.

Dabei versicherte Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde bei einer Presseveranstaltung Ende August in der „STATION“ am Gleisdreieck, wie wichtig ihr die Schulwegsicherheit und der Schutz der Radwege in Berlin sei. In der Onkel-Tom-Straße ist davon bislang nichts zu sehen.

In der Onkel-Tom-Straße genießt der Autoverkehr auch weiterhin die höhere Priorität

Dass die Autofahrbahn kurzfristig saniert werden konnte, während Radfahrende und Schulkinder weiterhin mit gefährlichen Engstellen leben müssen, vermittelt eine eindeutige Botschaft: Der fließende Autoverkehr besitzt in der Onkel-Tom-Straße noch immer die höhere Priorität.

Soll das Radvorrangnetz mehr sein als ein planerisches Versprechen, muss nicht nur die Onkel-Tom-Straße umfassend neu geordnet werden. Eine sichere Infrastruktur für Kinder und Radfahrende sollte dabei nicht länger als nachrangige Ergänzung behandelt werden.

Sanierte Fahrbahn der Onkel-Tom-Straße mit parkenden Autos, Wohnhäusern und Tempo-30-Schild.

Die Fahrbahn der Onkel-Tom-Straße wurde im Sommer 2023 innerhalb weniger Wochen erneuert. Eine grundlegende Verbesserung der Radverkehrsanlagen blieb dagegen aus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Onkel-Tom-Straße, Zehlendorf

Quellen: mein.berlin, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Bürgerinitiative Zehlendorf, GB infraVelo GmbH

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One Comment

  1. Löwe 21. September 2026 at 22:51 - Reply

    Zitate:“Dabei kämpft eine Bürgerinitiative seit beinahe einem Jahrzehnt für sichere Radwege, doch Bezirk und Senat ignorieren das Vorhaben bislang.“

    Ein weiteres Sinnbild wie der Senat einseitig Prioritäten setzt. Die Wähler-innen haben vor kurzem dazu eine klare Ansage gemacht, sie sind unzufrieden mit einer Gewichtung für das Auto, welche Heute als überholt gilt.

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