Zwischen Westkreuz, Grunewald und AVUS plant Berlin eines seiner großen neuen Stadtquartiere. Die Fläche spielt inzwischen auch für die Olympiabewerbung eine zentrale Rolle. Doch der Plan reicht weit über mögliche Spiele hinaus.

Visualisierung des geplanten „Stadteingang West“ in Berlin mit mehreren Hochhäusern, begrünten Freiräumen und getrennten Wegen für Radfahrer und Fußgänger. Das neue Quartier ist als möglicher Standort für das Olympische Dorf vorgesehen.

Die Visualisierung zeigt den geplanten „Stadteingang West“ in Berlin mit neuen Hochhäusern, Grünflächen sowie breiten Wegen für den Rad- und Fußverkehr. Das Quartier könnte im Zuge einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung zeitweise als Olympisches Dorf dienen. / © Visualisierung Hosoya Schaefer Architects AG, Agence Ter.de GmbH

© Titelbild: Hosoya Schaefer Architects AG & Agence Ter.de GmbH

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Zwischen Bahngleisen, AVUS und Grunewald liegt eine der großen Entwicklungsflächen im Berliner Westen. Was heute vielerorts noch von Verkehrsanlagen und brachliegenden Flächen geprägt ist, soll langfristig ein dichtes Stadtquartier werden. Mit der Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele bekommt das Projekt nun eine zweite Funktion: Ein Teil des „Stadteingang West“ soll zeitweise zum Olympischen und Paralympischen Dorf werden.

  • Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
  • Lage: zwischen den S-Bahnhöfen Westkreuz und Grunewald, Messegelände, ICC und AVUS
  • Projektstatus: Rahmenplan beschlossen, weitere Bauleitplanung läuft
  • Wohnungen: rund 2.400 bis 2.800
  • Weitere Nutzungen: Bildungsstandort, Gewerbe, soziale Infrastruktur sowie Grün- und Freiräume
  • Besonderheit: Bei einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung soll das Quartier vorübergehend als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden

Der „Stadteingang West“ ist dabei keineswegs erst mit der Olympia-Idee entstanden. Berlin verfolgt für die Fläche bereits seit Jahren eigene Ziele. ENTWICKLUNGSSTADT berichtete bereits 2023 über die ersten Entwürfe für das Areal. Nach einem europaweiten wettbewerblichen Dialog setzte sich das Konzept für den „Stadteingang West“ von Hosoya Schaefer Architects und Agence Ter durch.

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Es ordnet einen Ort neu, der heute vor allem von großen Verkehrsachsen bestimmt wird. Wohnen, Arbeiten und Freizeit sollen künftig näher zusammenrücken. Zugleich sieht der Rahmenplan ein autoarmes Quartier mit neuen Grün- und Freiräumen vor. Dabei legt der Rahmenplan noch keine einzelnen Grundstücke und Gebäude abschließend fest. Die Baufelder bleiben bewusst flexibel, sodass Teilbereiche unabhängig voneinander entwickelt werden können.

„Stadteingang West“: Bis zu 2.800 Wohnungen im Berliner Westen

Im April 2026 beschloss der Senat den Rahmenplan „Stadteingang West | Vision 2040+“. Vorgesehen sind nach aktuellem Stand rund 2.400 bis 2.800 Wohnungen sowie ein Bildungsstandort, Gewerbe und soziale Infrastruktur. Das Herzstück bildet der ehemalige Güterbahnhof Grunewald. Dort soll die landeseigene HOWOGE bezahlbaren Wohnraum errichten.

Eng verbunden ist die Entwicklung mit dem geplanten Umbau des Autobahndreiecks Funkturm. Erst dessen Neuordnung schafft die Voraussetzung dafür, bislang schwer erreichbare Flächen besser zu erschließen.

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Genau darin liegt zugleich eine der größten zeitlichen Abhängigkeiten des Projekts. Nach Angaben des Senats vom Mai 2026 wird für den Gesamtumbau des Autobahndreiecks mit etwa acht Jahren Bauzeit gerechnet. Für Planung und Herstellung der anschließenden Erschließung des neuen Quartiers setzt der Senat ebenfalls mindestens acht Jahre an. Eine genauere Einordnung ist erst möglich, wenn der Planfeststellungsbeschluss für das Autobahnprojekt vorliegt.

Olympisches Dorf Berlin: Wohnungen sollen nur vorübergehend umgebaut werden

Für Olympia soll deshalb kein separates Dorf entstehen, das nach wenigen Wochen seine Funktion verliert. Berlin will stattdessen das ohnehin geplante Wohnquartier nutzen. Der Senat hat inzwischen auch beschrieben, wie das funktionieren könnte: Wohnungen sollen für die Dauer der Spiele durch temporäre Zwischenwände in kleinere Einheiten für Athletinnen und Athleten aufgeteilt werden. In einzelnen Gebäuden könnten weitere Nutzungen ergänzt werden. Nach den Spielen sollen diese Einbauten wieder verschwinden. Zusätzliche temporäre Gebäude auf dem Gelände sind nicht vorgesehen.

Der Senat geht zudem davon aus, dass der Rahmenplan grundsätzlich die Anforderungen an ein Olympisches und Paralympisches Dorf erfüllen kann. Detaillierte Anpassungen würden allerdings erst nach einem tatsächlichen Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees geplant.

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Auch deshalb ist die Olympia-Funktion bislang kein feststehender Bestandteil der Realisierung, sondern eine mögliche Zwischennutzung. Berlin ist derzeit noch nicht als deutscher Bewerber bestimmt: Die DOSB-Mitgliederversammlung entscheidet am 26. September 2026, welche deutsche Bewerbung in den internationalen Prozess gehen soll.

Stadteingang West: Olympisches und Paralympisches Dorf
Am Stadteingang West plant Berlin ein neues Stadtquartier mit bis zu 2.800 Wohnungen. Bei einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung soll ein Teil vorübergehend als Olympisches und Paralympisches Dorf genutzt werden.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatskanzlei Berlin, Abgeordnetenhaus von Berlin, BERLIN+ Olympiabewerbung, Hosoya Schaefer Architects

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