Hamburg treibt seine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele weiter voran. Der Senat hat ein Finanzkonzept vorgelegt, das Organisationskosten, Einnahmen sowie langfristige Investitionen in Infrastruktur und Sportanlagen umfasst. Nach der aktuellen Kalkulation könnten die Durchführungskosten vollständig durch Einnahmen gedeckt werden.

Das Konzept der Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele setzt auf kompakte Wettkampfstätten und kurze Wege. Rund 85 Prozent der Sportanlagen sollen innerhalb eines Radius von sieben Kilometern liegen, viele davon in bestehenden Stadien oder temporären Arenen. / © Visualisierung: moka-studio 2025
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Hamburg arbeitet weiter an seiner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Der Senat stellte gemeinsam mit externen Finanzgutachtern und Experten ein umfassendes Finanz- und Organisationskonzept vor. Die Planungen orientieren sich am Prinzip einer wirtschaftlich tragfähigen Ausrichtung. Gleichzeitig sollen Investitionen in Sportanlagen, Infrastruktur und Stadtentwicklung langfristige Effekte für die Stadt schaffen.
Das Konzept setzt stark auf vorhandene Infrastruktur. Rund 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von etwa sieben Kilometern. Zwei zentrale Wettkampfcluster bilden der „Olympic Park Altona“ und die „Olympic Park City“. Ergänzende Standorte befinden sich unter anderem an der Binnenalster sowie auf dem Heiligengeistfeld. Weitere Wettbewerbe könnten in Kiel und Markkleeberg stattfinden.
Organisationskosten der Olympischen Spiele in Hamburg: Durchführungsbudget liegt bei rund 4,8 Milliarden Euro
Den größten Kostenblock bildet das sogenannte Durchführungsbudget. Es umfasst sämtliche organisations- und veranstaltungsbezogenen Ausgaben für die Wettkämpfe. Dazu zählen unter anderem temporäre Infrastruktur, Dienstleistungen, Personal, Technologie sowie Marketing und Kommunikation.
Nach aktueller Kalkulation belaufen sich diese Kosten auf rund 4,8 Milliarden Euro. Etwa ein Viertel davon entfällt auf die sogenannte „Venue Infrastructure“. Dieser Posten umfasst Planung, Bau, Ausstattung und Betrieb der Wettkampfstätten sowie deren technische und logistische Infrastruktur. Ein Teil der Aufträge soll laut Planung an Hamburger Unternehmen gehen, wodurch lokale Firmen wirtschaftlich profitieren könnten.
Einnahmenstruktur der Spiele in Hamburg: Sponsoring, Ticketverkäufe und IOC-Beiträge finanzieren Organisation
Den Ausgaben stehen prognostizierte Einnahmen von rund 4,9 Milliarden Euro gegenüber. Damit könnte das gesamte Organisationsbudget vollständig über Veranstaltungserlöse finanziert werden. Die Einnahmen stammen vor allem aus Vermarktungsrechten, Sponsoring, Ticketverkäufen sowie Hospitality- und Lizenzprogrammen.
Der größte Anteil entfällt mit etwa 32 Prozent auf lokales Sponsoring. Rund 30 Prozent der Einnahmen sollen aus Ticketverkäufen entstehen, wobei etwa zehn Millionen Eintrittskarten geplant sind. Weitere 25 Prozent stammen aus Beiträgen des Internationalen Olympischen Komitees, vor allem aus Medienrechten und internationalen Sponsorenprogrammen.
Als Vergleichsmaßstab dienten frühere Spiele, insbesondere Paris 2024. Insgesamt ergibt sich nach aktueller Berechnung ein Überschuss von rund 100 Millionen Euro. Diese Mittel sollen anschließend in den Hamburger Breitensport sowie in Sportanlagen und Vereinsstrukturen fließen.
Infrastruktur und Stadtentwicklung in Hamburg: Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro geplant
Neben dem Organisationsbudget enthält das Konzept ein separates Investitionsbudget für langfristige Maßnahmen. Dieses umfasst vor allem Infrastrukturprojekte und Modernisierungen bestehender Sportanlagen. Insgesamt rechnet die Stadt derzeit mit Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro.
Rund 76 Prozent der Wettkampfstätten existieren bereits heute und sollen modernisiert oder temporär erweitert werden. Weitere Anlagen entstehen nur für die Dauer der Spiele und können anschließend an anderen Orten weiterverwendet werden. Darüber hinaus plant Hamburg Investitionen in barrierefreie Infrastruktur, Grünflächen, Sportförderung sowie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Geplant sind unter anderem Verbesserungen im S- und U-Bahn-Netz, darunter die neue Linie U5 sowie eine Erweiterung der S6.
Unterstützung durch den Bund für die Bewerbung: Bundesregierung signalisiert finanzielle Beteiligung
Die Bundesregierung unterstützt grundsätzlich eine deutsche Bewerbung zu den Olympische Sommerspiele. In einer politischen Vereinbarung vom Dezember 2025 erklärte der Bund, gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und möglichen Ausrichterregionen Verantwortung für die Finanzierung zu übernehmen.
Sollte Hamburg den Zuschlag erhalten, könnten zusätzliche Bundesmittel für Infrastrukturprojekte in die Stadt fließen. Dazu zählt etwa die geplante Erweiterung des Hamburger Hauptbahnhofs, die im Zusammenhang mit den Spielen priorisiert werden könnte. Sollte eine andere Bewerberregion ausgewählt werden, würden diese Mittel entsprechend dorthin fließen.
Quellen: hamburg.de, Hamburger Abendblatt, Die Welt, Hamburg Active City
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