Großevents wie Olympische Spiele versprechen Investitionen, Aufmerksamkeit und Entwicklung. Doch was bleibt wirklich, wenn das Event vorbei ist? Die Veranstaltung „Urban Catalyst“, die am gestrigen Dienstagnachmittag in der Uber Eats Hall stattfand, suchte nach Antworten und zeigte, wie schmal der Grat zwischen nachhaltigem Nutzen und teuren Fehlplanungen ist. 

„Der olympische Spirit“: Heike Drechsler, Doppel-Olympiasiegerin, Keynote Speaker und Gesundheitsbotschafterin der BARMER, und Ronald Rauhe, Doppel-Olympiasieger, Speaker, TV-Experte, Autor, mit Moderatorin Sandra Pabst. Fotograf: Pedro Becerra / STAGEVIEW

 

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© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT, Open AI / Erstellt mit KI

Großveranstaltungen wie Olympische Spiele gelten seit Jahren als Chance für Städte, sich neu zu erfinden. Sie bringen internationale Aufmerksamkeit, Investitionen und politischen Rückenwind. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob dieser Impuls langfristig trägt oder ob er nach wenigen Wochen verpufft.

Berlin prüft derzeit eine Bewerbung für Olympische Spiele, im Gespräch sind Austragungen in den Jahren 2036, 2040 oder 2044, im Rahmen eines sogenannten Berlin-Plus-Konzepts mit weiteren Austragungsorten.

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„Urban Catalyst“: Welche nachhaltigen Mehrwerte bieten Mega-Events wie Olympia für Metropolen?

In  der Konferenz „Urban Catalyst“, ausgerichtet vom VBKI, stand genau diese Frage im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten, wie Megaevents gezielt für eine nachhaltige Stadtentwicklung genutzt werden können. Im Fokus stand die sogenannte Legacy, also das, was nach dem Event bleibt und Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft dauerhaft prägt.

Großevents sind mit erheblichen Investitionen verbunden. Für eine mögliche Bewerbung rechnet Prof. Dr. Holger Preuß mit Kosten in einer Größenordnung ähnlich wie bei den Spielen in Paris, also rund 4,5 Milliarden Euro. Ein Teil davon entfällt auf das Organisationsbudget, das über eine privatwirtschaftliche Gesellschaft getragen werden soll und nach seiner Einschätzung ohne Defizit auskommen kann.

Olympia in Berlin: Infrastrukturmaßnahmen müssen von Steuergeldern getragen werden

Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Anteil an öffentlichen Ausgaben, etwa für die Infrastruktur. Diese werden aus Steuermitteln finanziert und betreffen damit nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland.

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Preuß betonte dennoch, dass Olympische Spiele sowohl ökonomisch als auch sozial positive Effekte haben können, wenn sie richtig eingebettet sind. Zugleich machte er deutlich, dass die Vorteile nicht gleichmäßig verteilt sind. Während Unternehmen, Investoren und einzelne Branchen besonders profitieren, nehmen viele Menschen vor allem die finanziellen Belastungen wahr.

London 2012: Gezielte Aufwertung mit Nebenwirkungen

Die Spiele in London gelten vielen als Beispiel für eine gelungene Nutzung eines Megaevents. Ein strukturschwacher Stadtteil im Osten der Stadt wurde gezielt entwickelt und infrastrukturell erschlossen. Neue Verkehrsverbindungen, Wohnraum und öffentliche Räume entstanden, die auch nach den Spielen genutzt werden.

Ricky Burdett, der an der Planung und Durchführung der Spiele in London beteiligt war, hob in seinem ausführlichen Vortrag hervor, dass die Planung bewusst auf langfristige Nutzung ausgelegt war. Die betroffenen Gebiete seien zuvor kulturell vielfältig, aber infrastrukturell benachteiligt gewesen. Durch die Investitionen habe sich ihre Attraktivität deutlich erhöht.

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Auch aus wirtschaftlicher Perspektive wird London oft positiv bewertet. Holger Preuß verwies darauf, dass die Spiele dort vergleichsweise erfolgreich in eine langfristige Entwicklungsstrategie eingebettet wurden.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel aber auch Grenzen auf. Die Aufwertung führte zu steigenden Mieten und veränderte die soziale Struktur in Teilen der Stadt. Nicht alle ursprünglichen Bewohner konnten von der Entwicklung profitieren. Der Prozess der Gentrifizierung bleibt damit ein zentraler Kritikpunkt.

Mehrere hundert Zuhörer waren in die Uber Eats Arena am Berliner Ostbahnhof gekommen, um den Vorträgen im Rahmen der „Urban Catalyst“ Konferenz zu lauschen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Olympia in Rio 2016: Hohe Kosten und begrenzter Nutzen

Anders fällt die Bilanz für Rio de Janeiro aus, wo 2016 Olympische Sommerspiele stattfanden, nur zwei Jahre nach der Fußball-WM. Auch dort wurden Infrastrukturprojekte umgesetzt und internationale Aufmerksamkeit erzeugt. Doch viele Erwartungen erfüllten sich nicht. Der Stadtforscher Marcos L. Rosa machte deutlich, dass es an einer klaren langfristigen Strategie fehlte. Ein Teil der Sportstätten wurde nach den Spielen kaum genutzt, während die Kosten bei Staat und Stadt verblieben.

Besonders kritisch wurden die sozialen Auswirkungen gesehen. Umsiedlungen und steigende Lebenshaltungskosten trafen vor allem einkommensschwächere Bevölkerungsschichten. Die erhofften Verbesserungen kamen bei ihnen oft nicht an.

Aus wirtschaftlicher Sicht blieb der Nutzen begrenzt. Zwar gab es kurzfristige Impulse, doch langfristige Effekte auf Wachstum und Beschäftigung waren weniger deutlich als erwartet. Rio zeigt damit die Risiken eines Megaevents, wenn Planung und Nachnutzung nicht konsequent mitgedacht werden.

Welche Lehren kann Berlin aus vergangenen Olympischen Spielen ziehen?

Für Berlin stellt sich damit die Frage, welche Lehren aus diesen Beispielen gezogen werden können. Die Konferenz machte deutlich, dass Großevents vor allem dann wirken, wenn sie Teil einer langfristigen Strategie sind. Investitionen müssen sich an bestehenden Bedarfen orientieren und dürfen nicht allein durch das Event motiviert sein .

Zugleich bleibt die Frage nach der konkreten Umsetzung offen. Wo neue Infrastruktur entstehen könnte und welche Stadtteile davon profitieren würden, ist bislang nicht geklärt. Auch Ricky Burdett konnte darauf keine eindeutige Antwort geben (verwies allerdings darauf, dass er das Stadtgebiet von Berlin auch nicht so gut kenne).

Berlin ist mit den Olympischen Spielen in London und Rio nur bedingt zu vergleichen

Die Idee, gezielt benachteiligte Gebiete zu entwickeln, wird zwar als Chance gesehen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass solche Prozesse zu Verdrängung führen und bestehende soziale Ungleichheiten verstärken.

Berlins Ansatz für die Austragung Olympischer Spiele ist hingegen nicht mit London oder Rio vergleichbar, denn einen Großteil der notwendigen Sportstätten in der Stadt gibt es bereits, mit dem Olympiapark würde eine bestehende Anlage genutzt und ausgebaut werden.

Auch Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand sprach auf der „Urban Catalyst“ Konferenz. Fotograf: Pedro Becerra / STAGEVIEW

Berlin: Olympiapark und viele Sportstätten existieren bereits; neue Wohnungen durch Olympisches Dorf?

Ein gänzlich neuer Stadtteil würde für Olympia demzufolge nicht aus dem Boden gestampft werden, viele Sportstätten (das Olympiastadion, das Velodrom, die Uber Arena oder die derzeit geplante Basketball-Halle in Adlershof) würden vor als auch nach den Spielen weiter genutzt werden, denn sie verfügen allesamt über bestehende Ankermieter.

Fraglich wäre lediglich, wie und wo in Berlin das Olympische Dorf errichtet werden könnte, dazu hat sich Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand auch gestern nicht geäußert. Dass im Rahmen eines solchen Projekts auch mehrere hundert Wohnungen entstehen können, die im Nachgang dem Berliner Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen würden, zeigen Beispiele aus vergangenen Jahren.

Gute Planung vorausgesetzt: Großevents können Städte langfristig positiv beeinflussen

Die Diskussion zeigt, dass Großevents weder automatisch Gewinner noch Verlierer produzieren. Sie können Investitionen bündeln, Planungsprozesse beschleunigen und internationale Aufmerksamkeit schaffen.

Ob sie einer Stadt langfristig nutzen, hängt jedoch davon ab, wie sie geplant sind und wem die Ergebnisse zugutekommen. Die Beispiele London und Rio verdeutlichen, wie unterschiedlich die Auswirkungen ausfallen können.

Für Berlin bleibt damit vor allem eine Aufgabe. Die Frage nach dem Nutzen einer Olympia-Kampagne muss vor der Bewerbung beantwortet werden. Denn erst wenn klar ist, was nach dem Event bleibt, lässt sich beurteilen, ob sich der Aufwand lohnen wird.

Olympische und Paralympische Spiele London 2012: Prof. Ricky Burdett, Direktor LSECities, London School of Economics, sprach ausführlich über die Erfahrungen, die in der englischen Hauptstadt mit den Spielen vor 12 Jahren gemacht wurde und riet dazu, rechtzeitig mit den Planungen zu beginnen. Fotograf: Pedro Becerra / STAGEVIEW

Quellen: Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., Konferenz „Urban Catalyst“

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3 Kommentare

  1. KatMei 23. April 2026 at 18:43 - Reply

    Die meisten unabhängigen Untersuchungen zeigen, dass sich Olympia wirtschaftlich in der Regel nicht lohnt. Die Kosten übersteigen den Nutzen. Auch wenn hier London gut wegkommt: betrachtet man das Gelände auf der Karte, dann wird klar, dass vor allem riesige Freiflächen und Bauten für Olympia gebaut wurde und nicht für die Stadt. Wenn es nur um die Stadt ginge, würde man es auf keinen Fall so bauen. Auch der so nachhaltige Umbau des Olympiastadions in ein Fußballstadion hat soviel gekostet wie ein Abriss+Neubau.

    Der unrealistische Traum das nächste Barcelona zu sein, hat sich zum Glück bei den neueren Olympiabewerbungen etwas verflüchtigt. Heute setzt man darauf nicht so viele Sachen zu bauen, aber es so wirklich klappt das auch nicht, wenn die Sanierungen fast so teuer sind wie Neubauten.

    Einer der großen Dramen ist immer das olympische Dorf. Los Angeles hat da einen Standortvorteil, weil die tatsächlich nichts neues bauen müssen und einfach die Studentenwohnheime nutzen. In Berlin sind solche Sachen auf der grünen Wiese fast immer ein Dekadenprojekt. Wo soll man das machen? Dasselbe Problem haben auch die anderen deutschen Olympiabewerber.

    Letztlich bleibt als einziger nachweisbarer Nutzen die signifikant verbesserte Stimmung in der Bevölkerung. Die hält Monate lang an.
    Aber lohnen sich Milliarden für einen Stimmungsbooster?

  2. Löwe 24. April 2026 at 12:48 - Reply

    Zitat:“Der Prozess der Gentrifizierung bleibt damit ein zentraler Kritikpunkt.“

    KI Anfrage zu Gentrifizierung

    Situation: Berlin bleibt ein angespanntes Miet- und Wohnungsmarktgebiet mit weiter steigenden Angebotsmieten und starken Nachfrage­druck, besonders innenstadtnah; Neubau findet vor allem außerhalb des S‑Bahn‑Rings statt.

    Preise: Die durchschnittlichen Angebotsmieten stiegen 2024 deutlich (z. B. +12 % Bericht 2025) und liegen weiterhin auf hohem Niveau; Leerstand bleibt niedrig.

    Verdrängung: Soziale Durchmischung nimmt in vielen beliebten Kiezen ab — Haushalte mit niedrigerem Einkommen werden zunehmend an den Stadtrand gedrängt; Modernisierungen und Umwandlungen verschärfen das.

    Neubau & Versorgung: Projektzahlen und Neubauvolumen steigen, aber sie reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken; großer Teil der Projekte liegt außerhalb der S‑Bahn‑Ring‑Zonen.

    Politik & Regulierung: Instrumente wie Mietpreisbremse, Zweckentfremdungsverbot und Ausweitungen sozialer Wohnungsbauten sind im Einsatz, haben aber begrenzte Wirkung gegen Marktdruck.

    Prognose (kurz- bis mittelfristig)

    Mieten: Weiter ansteigend bis moderat wachsend, solange Nachfrage größer ist als Angebot und Neubau nicht massiv innenstadtnah ausgeweitet wird.

    Gentrifizierungsmuster: Konzentration in zentralen und trendigen Bezirken (z. B. Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Neukölln); fortgesetzte Verlagerung in Randbezirke.

    Einflussfaktoren: Zuzug, Zinsniveau, Baupolitik, staatliche Förderungen für sozialen Wohnungsbau und mögliche Änderungen im Mietrecht.

  3. […] Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten über die langfristigen Folgen solcher Veranstaltungen. Entwicklungsstadt hebt hervor, dass es wichtig ist, aus den Erfahrungen vergangener Olympiaden, wie in London 2012 oder Rio 2016, […]

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