In der Ollenhauerstraße in Berlin-Reinickendorf wächst der Protest gegen den geplanten Straßenneubau. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf ruft zu einer Mahnwachen-Demo für den Erhalt von 116 Bäumen auf.

Die Ollenhauerstraße in Reinickendorf wird von einem dichten Bestand alter Straßenbäume geprägt. Die geplanten Maßnahmen im Zuge des Straßenneubaus sorgen seit Monaten für Diskussionen über Stadtgrün, Verkehr und Klimaschutz. / © Foto: BUND Berlin / Uwe Bahr
© Titelbild: Wikimedia Commons, Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0 DE
Die Diskussion um die Ollenhauerstraße geht in die nächste Runde. Während das Bezirksamt an den Plänen für den Straßenneubau festhält, wächst der Widerstand gegen die geplante Fällung von 116 Straßenbäumen. Mit einer weiteren Mahnwachen-Demo wollen Initiativen am 4. Juli auf ihre Kritik aufmerksam machen.
- Bezirk: Reinickendorf
- Adresse: Ollenhauerstraße, 13403 Berlin
- Geplante Fällungen: 116 Straßenbäume
- Geplanter Straßenneubau: ab 2027
Die dritte Mahnwachen-Demo beginnt um 11.00 Uhr in der Ollenhauerstraße. Zwischen Auguste-Viktoria-Allee und Friedrich-Karl-Straße wollen Teilnehmende an den Bäumen stehen, Plakate zeigen, Flyer verteilen und mit Passantinnen und Passanten sprechen. Parallel sollen Radfahrende die Straße abfahren. Ab etwa 12.00 Uhr ist eine Kundgebung am Kurt-Schumacher-Platz geplant.
Ollenhauerstraße: Bäume stehen im Mittelpunkt der Debatte
Das Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf und die Initiative Ollenhauerstraße fordern den Erhalt aller 116 Straßenbäume. Nach ihren Angaben sind die Bäume gesund und im Schnitt 47 Jahre alt. Sie verweisen auf deren Bedeutung für Schatten, Kühlung, Regenrückhalt, Luftreinigung und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Die Initiative verweist auf die ökologische Leistung der bestehenden Straßenbäume. Nach ihrer Einschätzung werden deren Funktionen bei der bisherigen Planung nicht ausreichend berücksichtigt. Ersatzpflanzungen könnten den heutigen Kronenumfang nach ihrer Einschätzung erst nach Jahrzehnten erreichen. Zudem sei offen, ob junge Straßenbäume unter den Bedingungen vor Ort dauerhaft anwachsen und ausreichend versorgt werden könnten.
Auch die geplanten Ersatzpflanzungen sind umstritten. Das Bezirksamt erklärte nach Angaben des Netzwerks, dass klimaresiliente Baumarten gepflanzt werden sollen. Auf Nachfrage sei dabei der Spitzahorn genannt worden. Genau diese Baumart wächst jedoch bereits an vielen Stellen in der Ollenhauerstraße. Aus Sicht der Initiative zeigt das, dass sich die vorhandenen Bäume bereits an die schwierigen Standortbedingungen angepasst haben und kein Argument für ihre Fällung besteht.

An der Ollenhauerstraße in Berlin-Reinickendorf sollen Bäume gefällt werden. Anwohnende wehren sich dagegen. / © Foto: depositphotos.com
Straßenneubau in der Ollenhauerstraße: Streit um Radweg und Planung
Ein zweiter Kernpunkt ist die Radverkehrsführung. Seit Herbst 2023 gibt es in Teilen der Ollenhauerstraße einen Radfahrstreifen neben der Fahrbahn. Die Initiativen sehen darin eine funktionierende Lösung, weil Radfahrende geradlinig und gut sichtbar geführt würden. Gefahrenstellen an Ein- und Ausfahrten müssten aus ihrer Sicht aber besser markiert und gesichert werden.
Die bisherige Neubauplanung sieht dagegen einen Hochbord-Radweg vor. Dafür müssten die Bäume nach Angaben der Initiativen weichen. Kritiker warnen zudem davor, Fuß- und Radverkehr enger auf dem Hochbord zusammenzuführen. Der bestehende Radfahrstreifen trenne beide Verkehrsarten bereits heute klarer voneinander.
Bereits frühere Berichte hatten auf offene Fragen zur Variantenwahl hingewiesen. Demnach standen mehrere Planungsvarianten zur Diskussion. Eine Variante hätte den bestehenden Radfahrstreifen und die Bäume erhalten. Ausgewählt wurde jedoch jene Lösung, die nach Angaben der Initiativen zur Fällung aller 116 Bäume führen würde.
Ollenhauerstraße: Konflikt zwischen Verkehr und Stadtgrün bleibt
Das Bezirksamt Reinickendorf verfolgt weiter die Erneuerung der Ollenhauerstraße und Oranienburger Straße zwischen Tessenowstraße und Scharnweberstraße. Die Verwaltung begründet das Vorhaben mit der Neuordnung des Straßenraums. Kritiker halten dagegen, dass die Planung rund zehn Jahre alt sei und neue Anforderungen an Klimaanpassung, Baumerhalt und Stadtgrün stärker berücksichtigen müsse.
Offen bleibt, ob das Bezirksamt die Planung vor Beginn möglicher Fällungen noch einmal fachlich überprüft. Fest steht: Der Protest richtet sich nicht gegen sicheren Radverkehr. Er richtet sich gegen eine Variante, die aus Sicht der Initiativen gesunde, alte Straßenbäume zugunsten eines Straßenneubaus opfert.
Ollenhauerstraße
Quelle: Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf
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5 Kommentare
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Es ist beschämend zu sehen, wie das CDU geführte Bezirksamt Reinickendorf an der veralteten, fehlerhaften und irrwitzigen Planung festhält, 116 durchschnittlich 50 Jahre alte und an den Klima-Stress angepasste Straßenbäume für einen Hoch-Bord-Radweg opfern zu wollen. Wie Crazy ist das? Gerade in diesen Tagen des Hitzesommers 2026 kann man nicht verstehen, wie eine Fachverwaltung auf die Idee kommen konnte, alte und gesunde Bäume durch neue Pflanzungen ersetzen zu wollen. Jedes Kind weiß doch, dass der Baum nur dann anwächst, wenn du ihn regelmäßig gießt. Leider sehen wir im Stadtbild oft mickrige oder gar vertrocknete Bäume. Diese haben den Anwachsprozess nicht überlebt. Sie hatten keine Chance, so große Baumkronen zu bilden, wie man sie noch in der Ollenhauerstraße finden kann. Bitte kommt alle zu der Demonstration am 4. Juli um 11:00 Uhr.
Treffpunkt: Kaufland Ollenhauerstraße 122.
Euch 1.000 Dank!
Ich finde es unverantwortlich das die Bäume 🌳 gefällt werden sollen. Wir brauchen mehr Bäume, wegen de Klimawandel es wird ja nicht besser mit der Wärme. Es gibt viel zuwenig Grünfläche. Selbst die Experten warnen da vor, wir brauchen in der Stadt mehr Grün.
Unfassbar was geplant ist.
Die Radfahrer sollten mal langsam zur Kasse gebeten werden.
Diese Politik muss abgesetzt werden.
Es ist ein Irrsinn, was hier in der Stadt passiert.
Unfassbar ist nicht nur die geplante Fällung der Bäume, sondern auch die Dummheit einiger BürgerInnen(siehe obiger Kommentar). Die fallen doch wirklich auf die CDU-Lüge herein, dass „für Radfahrer“ Bäume gefällt werden.
Kein Radfahrer will das und wir protestieren regelmäßig gegen jede Baumfällung.
Radfahrer brauchen im Gegensatz zu Autofahrern keine schnurgeraden, breiten Pisten und können auch um Bäume herumfahren.
Bin mit meinem E-Mobil auch sehr oft unterwegs und erfreue mich der Bäume und Grünflächen in der Stadt. Seit wann muss man schöne alte Bäume fällen um fahren zu können? Wer einen Baum nicht umfahren kann , ab zum Verkehrskindergarten und fahren lernen. VIEL GLÜCK