In Reinickendorf wächst der Streit um den Straßenneubau der Ollenhauerstraße. Neue Details werfen Fragen zu Plänen, Variantenwahl und Baumfällungen auf.

Blick auf die Ollenhauerstraße in Reinickendorf mit großen, ausgewachsenen Straßenbäumen vor mehrgeschossigen Wohnhäusern. Die Baumreihe steht im Mittelpunkt der Debatte um die Pläne für den Straßenneubau und mögliche Baumfällungen.

Die Ollenhauerstraße in Reinickendorf wird von einem dichten Bestand alter Straßenbäume geprägt. Die geplanten Maßnahmen im Zuge des Straßenneubaus sorgen seit Monaten für Diskussionen über Stadtgrün, Verkehr und Klimaschutz. / © Foto: BUND Berlin / Uwe Bahr

© Titelbild: Wikimedia Commons, Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0 DE

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Der geplante Straßenneubau der Ollenhauerstraße in Reinickendorf bleibt politisch umstritten. Das „Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf“ und die „Initiative Ollenhauerstraße“ verweisen auf neue Erkenntnisse aus Akteneinsicht und BVV-Anfragen. Im Mittelpunkt stehen 116 Straßenbäume, die geplante Radverkehrsführung und die Frage, ob der neue Bezirksstadtrat Sebastian Pieper die bisherigen Pläne noch einmal prüfen lässt.

  • Bezirk: Reinickendorf
  • Adresse: Ollenhauerstraße, 13403 Berlin
  • Geplante Aktion: Fahrrad-Demo, Baum-Mahnwache und Pressekonferenz
  • Streitpunkt: Pläne für Straßenneubau, Radwegführung und Fällung von 116 Straßenbäumen

Das „Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf“ ruft gemeinsam mit der „Initiative Ollenhauerstraße“ für Dienstag, den 16. Juni 2026, zu einer kombinierten Fahrrad-Demo und Mahnwache auf.

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Von 17.00 bis 18.00 Uhr sollen Teilnehmende an den Straßenbäumen stehen, Plakate zeigen, Flyer verteilen und mit Passantinnen und Passanten sprechen. Parallel demonstrieren Radfahrende auf dem Abschnitt  zwischen Oranienburger Straße, Höhe Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, und Ollenhauerstraße/Friedrich-Karl-Straße. Ab 18.00 Uhr ist vor der Ollenhauerstraße 97 eine Open-Air-Pressekonferenz geplant.

Neue Details zu den Plänen für die Ollenhauerstraße

Nach Angaben der Initiative ergab eine eingeschränkte Akteneinsicht im März 2026 zusammen mit mehreren Einwohneranfragen in der BVV Reinickendorf neue Hinweise zur Variantenwahl. Demnach lagen drei Planungsvarianten vor. Ausgewählt wurde jene Variante, bei der nach Darstellung der Initiative alle 116 Straßenbäume ab Oktober 2026 gefällt werden sollen. Diese Lösung sieht einen neuen Hochbord-Radweg vor. Eine andere Variante hätte den bestehenden Radfahrstreifen neben der Fahrbahn und die Bäume erhalten.

Besonders umstritten ist die Bewertungsmatrix, mit der die Verwaltung die Varianten verglich. Nach Angaben des Netzwerks erhielt die ausgewählte Variante 16 Punkte. Die Variante mit Erhalt des Radfahrstreifens und der Bäume kam auf 14 Punkte. Zwischen beiden Varianten lagen damit lediglich zwei Punkte.

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In der BVV-Sitzung vom 13. Mai 2026 kritisierte die Bezirksverordnete Angela Budweg, Diplom-Ingenieurin und Stadtplanerin, die Kriterien, Priorisierung und Bewertung als nicht nachvollziehbar. Sie verwies besonders darauf, dass die Kategorien „Eingriff in die Natur“ und „Baumbilanz“ den Erhalt gewachsener Bäume und Ersatzpflanzungen rechnerisch gleichwertig behandelt hätten.

Zu sehen ist ein gefällter Baum.

An der Ollenhauerstraße in Berlin-Reinickendorf sollen Bäume gefällt werden. Anwohnende wehren sich dagegen. / © Foto: depositphotos.com (Symbolbild)

Erwartungen an Stadtrat Pieper in Reinickendorf

Auch die Bewertung der Radverkehrsführung wirft aus Sicht der Kritiker Fragen auf. Die Variante mit geradem Radfahrstreifen erhielt demnach nur eine mittlere Bewertung. Der neu geplante Hochbord-Radweg schnitt besser ab, obwohl Kritiker ihn wegen möglicher Verschwenkungen und Engstellen skeptisch sehen. Bereits seit Ende 2023 existiert auf Teilen der Ollenhauerstraße ein Radfahrstreifen, den das Netzwerk als praktikable Alternative bewertet.

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Sebastian Pieper ist seit März 2026 Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt und Verkehr in Reinickendorf. Die Initiative erwartet von ihm, die alten Pläne für den Straßenneubau der Ollenhauerstraße nicht einfach zu übernehmen, sondern fachlich neu zu prüfen. Dazu gehören aus ihrer Sicht die Variantenwahl, die Baumfällungen, die Radwegführung, mögliche Auswirkungen auf das Stadtklima und die Frage, ob die Planung noch zu veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen passt.

Kosten für Straßenneubau der Ollenhauerstraße sind gestiegen

Ein weiterer Streitpunkt sind die Finanzen. Während frühere Angaben die Kosten des Vorhabens mit rund 14,5 Millionen Euro bezifferten, verweist das Netzwerk auf Aussagen in der BVV, wonach 19,5 Millionen Euro im Haushalt fest eingeplant seien.

Nach Darstellung der Initiative begründet das Bezirksamt sein Festhalten an den Plänen auch damit, dass Mittel bei einem Stopp verfallen könnten. Kritiker sehen darin kein ausreichendes Argument, wenn neue fachliche Erkenntnisse vorliegen.

Ollenhauerstraße bleibt ein Konflikt zwischen Verkehr, Klima und Stadtgrün

Der Fall zeigt den Zielkonflikt in Reinickendorf deutlich. Die Verwaltung verfolgt Pläne für mehr Verkehrssicherheit und eine neue Radinfrastruktur. Zugleich befürchten Anwohnende und Initiativen den Verlust gewachsener Bäume, eine lange Bauzeit und ein verändertes Straßenbild ohne großen Schattenbestand. Die Petition gegen die Fällungen zählt nach Angaben der Initiative inzwischen mehr als 3.600 Unterstützende.

Das Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf, ein Projekt von Changing Cities e.V., verbindet seine Kritik mit eigenen verkehrspolitischen Forderungen. Es setzt sich für ein durchgängiges Radnetz, sichere Kreuzungen, moderne Radwege, mehr Tempo 30, weniger Verkehrslärm und weniger Durchgangsverkehr in Wohnvierteln ein. Bei der Ollenhauerstraße fordert es jedoch nicht nur bessere Bedingungen für den Radverkehr, sondern zugleich den Erhalt der bestehenden Straßenbäume.

Ollenhauerstraße in Reinickendorf

 

Quellen: Bezirksamt Reinickendorf, Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf, Initiative Ollenhauerstraße, OpenPetition zur Ollenhauerstraße, BVV Reinickendorf

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6 Kommentare

  1. Bernhard Jelinski 12. Juni 2026 at 14:10 - Reply

    Die Bäume 🌳 müssen bleiben.

  2. Bernhard Jelinski 12. Juni 2026 at 14:13 - Reply

    Lieber Bäume und kein Baulärm und Dreck. Es wäre alles nur Geldverschwendung.

  3. Koko 14. Juni 2026 at 14:22 - Reply

    Die Bäume müssen bleiben, wir brauchen sie zum Schutz. Wenn ich die Beträge sehe,wird mir schlecht. Das sollten die in Schulen investieren .

  4. Katrin 17. Juni 2026 at 04:18 - Reply

    Es geht nicht in meinem Kopf, wie man wirklich grosse über 50 Jahre alte Strassenbäume durch diese lütten Dinger aus der Ersatzpflanzung ersetzen will.
    Ein grosser (!!!) Baum ist soviel mehr als eine statische Zahl… Schattenspender, Lebensraum für Tiere, Sauerstofferzeuger und er kühlt dank Verdunstung über seine Blätter den Standort!

  5. Toni 5. Juli 2026 at 20:22 - Reply

    Es ist sehr traurig, dass die Bäume, die Berlins Straßenbild ausmachen, sinnlos gefällt werden sollen. Ich hoffe, es wird eine gute Alternativlösung für dieses Projekt gefunden.

  6. Viola 9. Juli 2026 at 14:54 - Reply

    Bei solchen Vorhaben ist immer Korruption im Spiel!
    Da ist schon abgesprochen, wer sich wie großzügig die Taschen mit den Steuergeldern vollstopft.
    Um Bäume oder Tiere geht es den heutigen Politikern nie, die ja auch kein Interesse an Volksentscheiden und Demokratie wie in der Schweiz haben, und auch hier deutlich den Bürgerwillen, der ja hier ganz klar geäußert wird, der Wille der Bürger muss zählen sonst ist Politik abgekoppelt und sinnlos, vollständig ignorieren!…weil sie es können. Es ist Machtmissbrauch in Reinform!
    Es ist vollkommen glasklar total unvernünftig und irre, alte, große Schattenspendende Böume zu fällen, und damit zu töten!
    Daran, dass den Entscheidern die Bäume mit allen Konsequenzen für Tiere, Natur und Menschen, komplett am Hintern vorbeigehen ist die Korruption deutlich zu erkennen.
    Die Bürger wählen aber seit Jahrzehnten in großer Zahl genau diese Machtmissbrauch betreibenden, sich wie Royals aufführenden arroganten, inkompetenten Politiker und Parteien, denen der Bürgerwille völlig am Hintern vorbeigeht.
    Und warum geht diesen Politikern der Bürgerwille am Hintern vorbei? Richtig, weil die reich sind, jeder von denen hockt in einer Villa am Stadtrand im Grünen, natürlich wohnt niemand von denen in der viel befahrenen Haupstrasse Ollenhauerstr.
    Um es ganz deutlich zu sagen, ein intelligenter, spiritueller, vernünftiger Mensch schützt die Natur, schützt das Vorhandene, die Tiere. Wer das nicht tut, dessen Interesse gilt nur dem Geld verdienen! Wer diese Leute seit Jahrzehnten wählt, soll jetzt nicht heulen!

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