Das Berliner Startup Durahemp entwickelt nachhaltige Baustoffe aus Nutzhanf und Kalk und bereitet die industrielle Produktion unter Nutzung regionaler Rohstoffe für das Jahr 2027 vor. Ihr Ziel: das ökologische Bauen und Dämmen massentauglicher machen und den CO2-Abdruck der Bauwirtschaft nachhaltig senken.

Hanf statt Beton? Durahemp aus Berlin entwickelt nachhaltige Baustoffe auf Pflanzenbasis und plant den industriellen Durchbruch ab 2027. Ziel ist es, klimafreundliches Dämmen und Bauen wirtschaftlich skalierbar zu machen. Das Unternehmen ist in Räumlichkeiten der werdenden Urban Tech Republic untergebracht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: janpaulsfotografie 

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In der Bauwirtschaft gewinnen ökologische Rohstoffe zunehmend an Bedeutung. Das Unternehmen Durahemp fokussiert sich dabei auf Hanfkalk als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Baustoffen. Die Wurzeln der Firma liegen in einer studentischen Forschungsarbeit und einer ersten Kooperation aus dem Jahr 2019.

Im Jahr 2025 wurde das Projekt als GmbH neu gegründet. Die Gründer erklären, dass der Firmenname sowohl für die Haltbarkeit der Produkte als auch für den intensiven Entwicklungsprozess steht. Während Hanfkalk in Frankreich bereits verbreitet ist, strebt das Team in Deutschland eine Professionalisierung des Sektors an.

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Hanfkalk als Baustoff: Von der Manufaktur zur industriellen Fertigung

Ein zentraler Aspekt ist die Skalierung der Produktion. Während das Material bisher oft in Handarbeit vorproduziert oder sogar erst direkt auf Baustellen verarbeitet wurde, setzt Durahemp auf die industrielle Vorfertigung von Bauteilen. Durch diese modulare Bauweise lassen sich lange Trocknungszeiten umgehen, die bei herkömmlichen Verfahren oft ein Hindernis darstellen, so die Verantwortlichen.

Das Ziel des Teams ist es, Hanfkalk für Großbaustellen und serielle Sanierungen attraktiv zu machen. Die beiden Unternehmer, Roger Dauer und Gökcan Güney, arbeiten hierfür mit Holzbauunternehmen zusammen, um die vorgefertigten Elemente effizient in moderne Bauprozesse zu integrieren.

Standort in der Urban Tech Republic: Geeignete Flächen für grüne Innovationen

Trotz der landwirtschaftlichen Herkunft des Rohstoffs hat sich das Unternehmen bewusst für Berlin entschieden. In der Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen Tegel betreibt die Firma ein Labor. Ein geplanter Showroom in der Berliner Innenstadt soll zudem den direkten Austausch mit Bauherren ermöglichen.

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Erste Projekte in Neukölln oder Eberswalde belegen bereits die praktische Anwendbarkeit der Steine. Die Gründer sehen in der Verbindung von ökologischem Material und effizienter Fertigung einen wichtigen Beitrag für die Zukunft des urbanen Bauens.

Die Produktion mit Hanfkalk bindet mehr CO2 als dadurch entsteht

Verwendet werden Hanfschäben, die holzigen Kernröhren der Stängel, ein Nebenprodukt der industriellen Fasererzeugung, die mit Kalk und Wasser vermischt werden. Die entstandene Masse wird in Form gegossen und verdichtet. Mittels natürlicher Trocknung und Aushärtung sowie einhergehender chemischer Reaktion wird wenig Energie benötigt und sogar CO2 aus der Luft gebunden.

Obwohl die Kalkherstellung selbst energieintensiv ist, weist das fertige Bauelement eine positive Bilanz auf. Die Gründer erklären, dass Hanf an sich große Mengen Kohlendioxid bindet. Da die Pflanzenteile bis zu 75 Prozent des Materials darstellen, sind die fertigen Elemente, in Kombination mit der „Trocknungskarbonatisierung“ effektive Kohlenstoffspeicher.

Produktionsstäten in Brandenburg und Sachsen: Regionale Wertschöpfung im Fokus

Bei der Standortwahl setzt das Unternehmen verstärkt auf Regionalität. Ursprünglich war eine Pilotanlage in der Berliner Urban Tech Republic geplant, doch dieses Vorhaben ließ sich dort nicht realisieren. Nun rückt Brandenburg als künftiger Produktionsstandort in den Mittelpunkt. Die Nähe zur Hauptstadt und attraktive Fördermöglichkeiten für junge Unternehmen sprechen für das Berliner Umland.

Gleichzeitig blickt das Team in Richtung Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dort befinden sich bereits spezialisierte landwirtschaftliche Betriebe und Anlagen zur Faserverarbeitung. Durch kurze Transportwege soll eine geschlossene regionale Wertschöpfungskette entstehen. Die Entscheidung für einen Standort im Osten Deutschlands verbindet somit ökologische Vorteile mit logistischer Effizienz und den persönlichen Anforderungen der Firmengründer.

Erste Zertifizierung und industrielle Fertigung Anfang 2027

Das Unternehmen strebt eine industrielle Produktion für das erste Quartal 2027 an. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die erste Charge in der geplanten Produktionsstätte in Brandenburg gefertigt werden. Ein entscheidender Schritt in diesem Prozess ist die Erteilung der bauaufsichtlichen Zulassung durch das verantwortliche Deutsche Institut für Bautechnik.

Um den bürokratischen Prozess zu beschleunigen, konzentriert sich das Team in der ersten Phase auf die Zertifizierung für nicht tragende Innenwände. Die Gründer erläutern, dass dieser strategische Fokus notwendig ist, da umfassende Zulassungsverfahren für tragende Bauteile oft mehrere Jahre dauern können. Durch diesen schrittweisen Ansatz soll das ökologische Material schneller für Bauprojekte verfügbar gemacht werden.

Durahemp: Finanzierung durch Banken und Förderprogramme

Die finanzielle Basis des Unternehmens wurde nach einer anfänglichen Phase der Eigenfinanzierung deutlich erweitert. Neben einem ersten privaten Investor sichert vor allem die Zusammenarbeit mit der GLS Bank sowie der Landwirtschaftlichen Rentenbank die hohen Investitionskosten für den Produktionsstandort ab.

Für die Anschaffung der spezialisierten Maschinenanlagen setzt das Team zudem auf regionale Wirtschaftsförderungen. Zuvor konnten bereits wichtige Forschungsarbeiten durch eine Kooperation mit der Technischen Universität München und die Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt realisiert werden. Diese Kombination aus wissenschaftlicher Förderung und klassischer Bankfinanzierung soll es der Firma künftig ermöglichen, den Übergang von der Forschung zur industriellen Serienfertigung zu vollziehen.

© Foto: janpaulsfotografie

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Setzen auf den Baustoff Hanfkalk: Die Unternehmer Roger Dauer (l.) und Gökcan Güney. / © Foto: janpaulsfotografie

Quellen: © Titelbild: janpaulsfotografie, Durahemp 

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