Im Frühjahr 2027 soll das „Ocean Berlin“ an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg eröffnen. Hinter der geplanten Erlebniswelt steckt jedoch ein technisch komplexes Bauprojekt mit besonderen Herausforderungen. Ein Blick auf die Entstehung eines Großaquariums – und die Fragen, die das Projekt begleiten.

Das Ocean Berlin an der Rummelsburger Bucht soll im Frühjahr 2027 eröffnen. Der Baukörper ist inzwischen weitgehend fertiggestellt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Ozean Berlin (CWB) GmbH
Im Frühjahr 2027 soll an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg ein neues Ausflugsziel eröffnen: das „Ocean Berlin“. Der Bau des Großaquariums ist inzwischen weit fortgeschritten, doch bis Besucherinnen und Besucher die ersten Meeresbewohner sehen können, stehen noch umfangreiche technische Arbeiten an. Denn ein Projekt dieser Größenordnung endet nicht mit der fertigen Gebäudehülle.
Rund 400 Tierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen sollen künftig in dem Aquarium gezeigt werden; von der Nordsee bis zu tropischen Korallenriffen. Geplant sind zahlreiche Becken, darunter ein Hauptbecken mit einem Fassungsvermögen von rund 7,5 Millionen Litern Wasser, sowie ein 3D-Kino. Ergänzt wird die Anlage durch ein Hotel mit 169 Zimmern und ein Nachhaltigkeitszentrum mit Korallenfarm.
Wie hält ein Gebäude die Last von Millionen Litern Wasser aus?
Die besonderen Anforderungen beginnen bei der Konstruktion. Ein Aquarium dieser Größe muss dauerhaft enorme Wasserlasten aufnehmen und gleichzeitig mit hoher Luftfeuchtigkeit sowie salzhaltiger Umgebung umgehen können. Laut Projektleiter und Architekt Yaron Sapir wurde die Tragstruktur deshalb speziell auf die Belastungen ausgelegt und von den zuständigen Behörden geprüft.
Die Becken entstehen aus wasserundurchlässigem Stahlbeton, der zusätzlich durch spezielle Beschichtungen geschützt wird. Für die Sichtfenster kommen besonders stabile Acrylglasscheiben zum Einsatz. Einige der transparenten Elemente erreichen eine Stärke von bis zu 40 Zentimetern, um dem Wasserdruck langfristig standzuhalten.
Auch die Form der Becken spielt eine Rolle. Statt kantiger Konstruktionen setzen die Planer auf organische, abgerundete Formen, die den natürlichen Lebensräumen der Tiere näherkommen sollen. Vorgefertigte Schalungssysteme ermöglichen es, diese komplexen Strukturen präzise umzusetzen.

Blick auf die Baustelle im Frühjahr 2026: Die Architektur des Ocean Berlin wurde speziell auf die besonderen Anforderungen eines Großaquariums mit hohen Wasserlasten und komplexer Technik ausgelegt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Wie entsteht die Technik, die das Meer im Gebäude am Leben hält?
Eine der größten Herausforderungen liegt jedoch hinter den Kulissen. Damit Fische, Haie und andere Meeresbewohner dauerhaft geeignete Bedingungen vorfinden, benötigt ein Großaquarium umfangreiche technische Systeme. Dazu gehören Wasseraufbereitung, Filteranlagen, Temperatursteuerung und Sauerstoffversorgung.
Diese Lebenserhaltungssysteme werden bereits während der Bauphase integriert. Die Technik muss exakt mit der Gebäudestruktur abgestimmt werden, damit später stabile Wasserwerte gewährleistet werden können.
Die ursprünglich für 2026 geplante Eröffnung wurde auf Frühjahr 2027 verschoben. Hintergrund sind vor allem die komplexen Arbeiten zur Inbetriebnahme der Anlagen, nicht allein klassische Bauverzögerungen.

Die Visualisierung zeigt das „Ocean Berlin“ in Lichtenberg nach seiner Fertigstellung. / © Visualisierung: Ozean Berlin (CWB) GmbH
Wie nachhaltig und umstritten ist das Projekt an der Rummelsburger Bucht?
Auch die Energieversorgung stellt eine besondere Herausforderung dar. Der Betreiber setzt nach eigenen Angaben auf eine Kombination aus guter Dämmung, Solaranlagen, Wärmepumpen und effizienten Warmwassersystemen. Gleichzeitig bleibt der Energiebedarf eines Großaquariums ein zentraler Diskussionspunkt.
Kritik gibt es zudem an der grundsätzlichen Ausrichtung des Projekts. Der Berliner Mieterverein und die Initiative „Bucht für alle“ hinterfragen unter anderem die Auswirkungen auf das ehemalige Gewerbe- und Kulturareal an der Rummelsburger Bucht sowie Fragen zu Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und öffentlichem Nutzen. Kritisiert wird insbesondere, dass ein ehemals landeseigenes Grundstück in privater Hand entwickelt wurde, ohne aus Sicht der Initiativen ausreichend verbindliche Vorgaben für eine gemeinwohlorientierte Nutzung festzuschreiben.
Befürworter verweisen dagegen auf geplante Bildungsangebote, Forschungsansätze und die Möglichkeit, Besucherinnen und Besucher stärker für den Schutz der Meere zu sensibilisieren. Ob das Ocean Berlin diesen Anspruch erfüllen kann, wird sich erst nach der Eröffnung zeigen.
Bis dahin bleibt die Baustelle an der Rummelsburger Bucht ein besonderes Beispiel dafür, wie aufwendig die Verbindung von Architektur, Technik und biologischen Anforderungen bei einem modernen Großaquarium ist.
Ocean Berlin (Lichtenberg)
Quellen: Berlin.de, Ocean Berlin, Berliner Mieterverein
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
4 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Kein Mensch braucht ein weiteres Aquarium, egal wo.
Sie sagen es! Statt Platz für Menschen in Form von Wohnungen und Grünflächen bereitzustellen, ist die Berliner Regierung nur dazu fähig, Raum für Profite und Tierquälerei sowie Auslöschung von mariner Biodiversität zu machen.
Die Spree leidet jetzt schon unter Wassernot. 75 % des Trinkwasser kommt aus dem Uferfiltrat. Woher sollen die Wassermassen und die notwendigen Nachfüllung kommen? Hier m üssen die Planer ein zufrieden stellende Antwort geben.
Wasserknappheit und Aquarium in einem Atemzug.