Das Großaquarium „Ocean Berlin“ in Lichtenberg befindet sich im planmäßigen Baufortschritt. Ein zentraler Meilenstein wurde mit dem Richtfest im November 2025 erreicht. Doch es gibt auch kritische Stimmen und offene Fragen, wie eine schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin zeigt.

Der Baufortschritt am „Ocean Berlin“ in Lichtenberg ist deutlich sichtbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Ozean Berlin (CWB) GmbH
Wer heute am Ufer der Rummelsburger Bucht entlanggeht, erkennt den Fortschritt auf den ersten Blick: Der Rohbau für „Ocean Berlin“ in Lichtenberg ist vollständig abgeschlossen. Nachdem bereits Ende 2025 das Richtfest gefeiert wurde, finden aktuell Fassaden-, Ausbau- und Installationsarbeiten statt.
Parallel dazu wird die Gebäudehülle geschlossen und die Verglasung umgesetzt. Der Baukörper ist in seiner finalen Form bereits deutlich sichtbar und prägt zunehmend das Umfeld an der Rummelsburger Bucht.
„Ocean Berlin“ in Lichtenberg soll 2027 eröffnen: Verschiedene Themenbereiche sind geplant
Die Fertigstellung des Wasserhauses ist für das Jahr 2026 vorgesehen. Die Eröffnung des „Ocean Berlin“ wird aktuell für das Frühjahr 2027 avisiert – und damit rund ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Die Inbetriebnahme geht über die reine Bauphase hinaus, da technische Systeme und biologische Prozesse vorbereitet werden müssen.
Das zentrale Hauptbecken wird rund 7,5 Millionen Liter Wasser fassen. Ergänzend entstehen zahlreiche weitere Becken unterschiedlicher Größe. „Gemäß den eingereichten Plänen zu den Ausstellungsbereichen gibt es verschiedene Themenbereiche und darin wiederum unterschiedliche Tanks und Tankgrößen“, erklärt das Bezirksamt Lichtenberg. Konkrete Zuordnungen zu Tierarten lägen aktuell noch nicht vor.
Es ist eine von vielen offenen Fragen, die Kritiker auf den Plan rufen. Seiner schriftlichen Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin gibt Grünen-Politikers Dr. Stefan Taschner deshalb den provokanten Titel: „Wann startet das vorprogrammierte Tierleid?“

So soll das „Ocean Berlin“ in Lichtenberg aussehen, wenn es fertig ist. / © Foto: Ozean Berlin (CWB) GmbH
Life Support Systeme sollen Tierwohl im „Ocean Berlin“ sicherstellen
Darin will er unter anderem wissen: Was passiert bei einem großflächigen Stromausfall? Wie wird das Wohlergehen der Tiere in solch einem Fall sichergestellt? Doch das „Ocean Berlin“ hat solche Probleme bereits mitgedacht.
Der Betrieb des Aquariums basiert auf umfangreicher technischer Infrastruktur. Besonders relevant sind die sogenannten Life Support Systeme, die dauerhaft stabile Wasserbedingungen gewährleisten sollen. Für den Fall eines Stromausfalls ist eine Notversorgung vorgesehen.
In den Planungen sei ein großer Raum für eine Netzersatzanlage enthalten, heißt es. Diese soll sicherstellen, dass die beiden großen Life Support Systeme im Gebäude weiter betrieben werden und damit die Lebensbedingungen im Aquarium stabil bleiben.
Wasserverbrauch unter Kontrolle: Keine Risiken durch Salz im Abwasser erwartet
Ein zentrales Umweltschutz-Thema im Betrieb ist auch der Wasserverbrauch. Die Versorgung erfolgt über die Berliner Wasserbetriebe. Laut Planung wird das Wasser durch die Berliner Wasserbetriebe zunächst nach und nach angefüllt. Im laufenden Betrieb sind dann täglich etwa 60 Kubikmeter Frischwasser vorgesehen.
Diese Menge wird gleichzeitig wieder als Abwasser abgeführt. Dazu kommt Wasser in Küche, Toiletten und Co. Insgesamt ergibt sich ein tägliches Abwasseraufkommen von über 120 Kubikmetern.
Sorgen um eine Versalzung des Abwassers sind laut Antwort auf die schriftliche Anfrage unbegründet. „Aufgrund der prognostizierten Abwasser-Menge wird der Salzgehalt des Abwassers 2 Prozent Natriumchlorid nicht überschreiten“, heißt es. Dieser Salzgehalt im Abwasser sei für die Leitungsnetze der Berliner Wasserbetriebe unschädlich.

Der Rohbau des „Ocean Berlin“ in Lichtenberg ist noch von einem Baugerüst umgeben. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
„Ocean Berlin“: Bau kommt voran, Details noch in Klärung
Ein weiterer Sorgen-Punkte des Grünen-Politikers Dr. Stefan Taschner ist die Genehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz. Laut Bezirksamt wurde eine entsprechende Erlaubnis beantragt. „Finale Entscheidungen insbesondere zu den Arten, dem Fischbesatz und eventuellen Auflagen liegen noch nicht vor“, heißt es.
Wie die Kontrolle nach der Eröffnung konkret aussehen wird, ist ebenfalls noch offen. Das Bezirksamt verweist auf fehlende Grundlagen: „Das kann erst nach einer Risikoanalyse und dem Personalschlüssel […] entschieden werden.“
Der Baufortschritt von „Ocean Berlin“ in Lichtenberg ist also klar sichtbar und folgt dem aktuellen Zeitplan. Der Rohbau steht, die technischen Systeme werden installiert, die Fassade wird geschlossen, der Innenausbau geht voran. Gleichzeitig bleiben einige Fragen derzeit noch offen.
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 25 407, Ocean Berlin
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Noch ein verspäteter Aptilscherz?
Wir werden nach der Stilllegung des Braunkohlebergbaus in Berlin extremen Wassermangel in der Spree haben, unsere Trinkwasserversorgung über Uferfiltration ist gefährdet. Nun sollen 60 m3 /Tag Frischwasser zusätzlich in dieses Objekt fließen, woher kommen diese? Wäre nicht eine zusätzliche Anlage zur Wasseraufbereitung notwendig? Wir Bewohner werden sommertags zum Wassersparen angehalten und was plant hier die Stadt Berlin?
Zitat: .“. infolge des Braunkohlebergbaus und des Grundwasserwiederanstiegs in den ehemaligen Tagebauen von Verockerung durch Eisenhydroxid bräunlich verfärbt. Zudem liegt die Sulfatbelastung des Flusses im gesamten Unterlauf unterhalb der Tagebauregion bis in den Berliner Müggelsee seit etwa 2013 regelmäßig deutlich über den Trinkwassergrenzwerten. Die Talsperre Spremberg hält den Großteil des Eisenockers zurück, jedoch nicht das im Wasser gelöste Sulfat.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Spree
Abgesehen von der im vorherigen Kommentar angesprochenen Frage der ökologischen Sinnhaftigkeit des Projektes noch ein Wort zum Bauernwurf: von der einen Seite interessant, bewegt (lieber Design als gar keine Architektur), von der anderen, zur Straße und den Gleisen zugewandten Seite umso langweiliger. Es ist also ziemlich schade, dass der Bau hinten nicht hält, was er von vorne verspricht.