Hamburg will in Oberbillwerder einen kompletten neuen Stadtteil errichten. Doch auf dem riesigen Areal nördlich der S-Bahn-Station Allermöhe geht es derzeit nicht weiter. Hinter dem Stillstand steckt eine lange Reihe planerischer und juristischer Konflikte.

Der Masterplan für Oberbillwerder zeigt die geplante räumliche Struktur des neuen Hamburger Stadtteils. Die Darstellung hat den Stand 2022. / © Masterplan: IBA Hamburg / ADEPT mit Karres + Brands
© Titelbild: IBA Hamburg / ADEPT mit Karres + Brands
Hamburg braucht neuen Wohnraum, und kaum ein Projekt soll davon so viel auf einmal schaffen wie Oberbillwerder. Auf 118 Hektar plant die Stadt im Bezirk Bergedorf ihr zweitgrößtes Stadtentwicklungsprojekt. Noch im März 2025 schien mit dem Beschluss des Bebauungsplans eine entscheidende Hürde genommen. Inzwischen zeigt sich jedoch, wie schwierig der Weg von einem beschlossenen Plan bis zum Bau eines ganzen Stadtteils sein kann.
- Bezirk: Bergedorf
- Lage: nördlich der S-Bahn-Station Allermöhe
- Projekt: Hamburgs geplanter 105. Stadtteil Oberbillwerder
- Fläche: 118 Hektar
- Wohnungen: rund 6.500
- Arbeitsplätze: rund 4.000 bis 5.000
- Projektstatus: laufende Gerichtsverfahren

Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf zeigt den geplanten Mobility Hub MH7 in Oberbillwerder. / © Visualisierung: STLH Architekten Thauer Höffgen PartGmbB, Hamburg
Auf dem Gelände selbst ist es inzwischen ruhig. Nach Angaben des NDR wurden dort seit März 2026 keine Arbeiter mehr gesehen. Die städtische IBA Hamburg erklärt, sie sei grundsätzlich bereit, die Arbeiten fortzuführen. Das Bezirksamt Bergedorf verweist jedoch auf laufende Verfahren vor dem Hamburgischen Oberverwaltungsgericht. Einen neuen belastbaren Termin für die Fortsetzung nennt derzeit keiner der Beteiligten.

Das ParkQuartier gehört zu den geplanten Nachbarschaften im neuen Hamburger Stadtteil Oberbillwerder. / © Visualisierung: IBA Hamburg / ADEPT + Karres en Brands
Oberbillwerder: Mehrfach mussten Planunterlagen korrigiert werden
Dabei hatte Hamburg im März 2025 bereits Baurecht für den neuen Stadtteil Oberbillwerder geschaffen. Vorgesehen sind rund 6.500 Wohnungen sowie 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze. Hinzu kommen mindestens 14 Kitas, zwei Grundschulen und ein Bildungszentrum mit Stadtteilschule und Gymnasium. Auch ein Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften soll entstehen.
Doch das Planverfahren musste wiederholt nachgebessert werden. Bereits die Öffentlichkeitsbeteiligung von Dezember 2023 bis Februar 2024 war nach amtlichen Angaben fehlerhaft. Später musste Hamburg auf Hinweise des Oberverwaltungsgerichts zum Artenschutz reagieren. Das Gericht hatte im Februar 2024 die geplante Fällung einer Pappelreihe vorerst untersagt. Hintergrund war unter anderem das Ausgleichskonzept für Lebensräume der Feldlerche.

Das Grüne Quartier ist eines der geplanten Teilquartiere von Oberbillwerder und verbindet neue Bebauung mit großzügigen Freiräumen. / © Visualisierung: IBA Hamburg / ADEPT mit Karres und Brands
Grünstreifen entpuppten sich planungsrechtlich als Wald
Ein weiterer Fehler wurde 2025 bekannt. Eine rund drei Hektar große und kilometerlange Fläche am Rand des Planungsgebiets war als Gehölz eingestuft worden. Tatsächlich handelt es sich planungsrechtlich um Wald. Das ist relevant, weil für Wald andere Anforderungen an Ersatz- und Ausgleichsflächen gelten. Deshalb musste auch dieser Teil der Planung erneut bearbeitet und öffentlich ausgelegt werden.
Der Streit reicht inzwischen über diesen Punkt hinaus. Nach Angaben des NDR wenden sich Gegner des Projekts unter anderem gegen Aspekte des Überflutungsschutzes. Zuvor ging es bereits um Baumfällungen und den Schutz der Feldlerche. Ob die aktuellen Einwände rechtlich tragen, müssen die laufenden Gerichtsverfahren klären.

Der Siegerentwurf für den Grünen Loop sieht unter anderem einen Auenspielplatz als Teil der Freiraumgestaltung von Oberbillwerder vor. / © Visualisierung: Atelier Loidl Landschaftsarchitekten Berlin GmbH
Oberbillwerder soll weiterhin 6.500 Wohnungen erhalten
Für Hamburg ist die Verzögerung besonders relevant, weil Oberbillwerder einen erheblichen Beitrag zum Wohnungsbau leisten soll. Das Bergedorfer Wohnungsbauprogramm 2026 nennt für das Projekt einen Anteil von 55 Prozent öffentlich gefördertem Wohnungsbau: 33 Prozent sollen dem ersten und weitere 22 Prozent dem zweiten Förderweg zugeordnet werden. Zudem sind 20 Prozent für Baugemeinschaften vorgesehen.
An der grundsätzlichen Planung halten Senat und IBA weiter fest. Wann die Arbeiten auf dem Gelände wieder in größerem Umfang beginnen und wann der eigentliche Wohnungsbau starten kann, bleibt nach dem aktuellen Stand jedoch offen. Damit hängt der weitere Zeitplan für Hamburgs 105. Stadtteil nun auch davon ab, wie die noch offenen rechtlichen Fragen entschieden werden.

Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf zeigt den geplanten Mobility Hub MH6 in Oberbillwerder. / © Visualisierung: Spengler Wiescholek Architektur / Stadtplanung PartGmbB, Hamburg
Oberbillwerder – Hamburgs 105. Stadtteil
Quellen: NDR, IBA Hamburg, Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburgisches Oberverwaltungsgericht
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