Hamburg will rund die Hälfte des Elbtowers kaufen und dort das Naturkundemuseum ansiedeln. Damit könnte das seit 2023 stillstehende Prestigeprojekt gerettet und ein neues wissenschaftliches Zentrum geschaffen werden. Der Turm soll jedoch kleiner werden als ursprünglich geplant.

Hamburgs Elbtower: Statt 245 soll der Turmbau am Ende nur noch 199 Meter umfassen, dafür aber immerhin fertiggestellt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Seit dem Herbst 2023 steht die Baustelle des Hamburger Elbtowers still. Der geplante Wolkenkratzer an der Elbe, ursprünglich als höchstes Gebäude Norddeutschlands geplant, wurde nach der Insolvenz des österreichischen Immobilienkonzerns Signa Holding zu einem Symbol für das Scheitern ambitionierter Immobilienprojekte. Nun aber deutet sich ein Wendepunkt an: Die Stadt Hamburg will rund die Hälfte des Gebäudes erwerben und dort das neue Naturkundemuseum Hamburg ansiedeln.

Stillstand nach Signa-Insolvenz: Hamburgs Prestigeprojekt drohte zum Torso zu werden

Im Oktober 2023 hatte das Bauunternehmen Lupp die Arbeiten am Elbtower eingestellt, weil Signa Zahlungen schuldig geblieben war. Wenige Wochen später folgte die Insolvenz des Konzerns und seiner Tochtergesellschaften. Seitdem dominiert ein unfertiger Rohbau das Hafentor der Stadt. Ursprünglich sollte der Turm 245 Meter hoch werden und auf 64 Etagen Büroflächen, Gastronomie, öffentliche Nutzungen und Veranstaltungsräume beherbergen.

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Mit dem Baustopp stand nicht nur ein städtebauliches Prestigeprojekt auf der Kippe. Auch für die Entwicklung der östlichen HafenCity, in der der Turm als weithin sichtbarer Abschluss geplant war, hätte ein Rückbau oder jahrelanger Leerstand gravierende Folgen gehabt.

Politischer Schulterschluss: Hamburger Senat präsentiert Kaufpläne für den Elbtower

Nun präsentiert der Hamburger Senat eine Lösung, die sowohl finanzielle als auch städtebauliche Aspekte miteinander verbinden soll. Bürgermeister Peter Tschentscher, Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, Finanzsenator Andreas Dressel, Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein und Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal stellten das Vorhaben gemeinsam auf einer Landespressekonferenz vor.

Die Stadt will zwölf Etagen mit einer Fläche von rund 46.000 Quadratmetern für einen Festpreis von 595 Millionen Euro erwerben. In diesen Flächen soll das Naturkundemuseum Hamburg, künftig als sogenanntes „Evolutioneum“, eine neue Heimat finden. Tschentscher erklärte, die Realisierung des Museums im Elbtower sei technisch machbar, wirtschaftlich vorteilhaft und deutlich schneller als ein kompletter Neubau. Zugleich könne die HafenCity damit städtebaulich vollendet werden.

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Elbtower wird niedriger, aber bleibt Deutschlands zweithöchstes Hochhaus

Der Elbtower wird in seiner endgültigen Form deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Stadtentwicklungssenatorin Pein kündigte an, dass die Gebäudehöhe um zwölf Etagen reduziert wird, von 245 auf rund 199 Meter. Dadurch sollen die Kosten sinken und das Risiko einer schwierigen Nachvermietung minimiert werden.

Auch in der abgespeckten Version wird der Elbtower aber das höchste Gebäude Deutschlands außerhalb von Frankfurt am Main sein. Das international renommierte Architekturbüro David Chipperfield Architects, das den ursprünglichen Entwurf erstellt hat, ist weiterhin an Bord und soll die Überarbeitung begleiten.

Wirtschaftlichkeit und Finanzierung: Stadt sieht Vorteile gegenüber Neubau

Laut Finanzsenator Dressel ergab eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse, dass der Erwerb von Teileigentum am Elbtower die wirtschaftlich günstigste Lösung für die Stadt darstellt. Ein Neubau an anderer Stelle wäre demnach mit rund 824 Millionen Euro erheblich teurer geworden. Hinzu wäre ein deutlich längerer Realisierungszeitraum gekommen.

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Der Festpreis für den Kauf beinhaltet alle erforderlichen Bauleistungen und den Ausbau der Museumsflächen. Die Stadt zahlt erst, wenn das Gebäude von außen fertiggestellt und der Innenausbau weit fortgeschritten ist. Eine finanzielle Beteiligung an der Gesamtfertigstellung des Turms wird ausgeschlossen. Der Elbtower bleibt im Eigentum des Investors, die Stadt erwirbt ausschließlich das Teileigentum.

Wissenschaft im Fokus: Hamburgs Naturkundemuseum als zukunftsweisendes Projekt

Das Naturkundemuseum soll künftig Sammlung, Forschungslabore und Ausstellungsflächen unter einem Dach vereinen. Wissenschaftssenatorin Blumenthal sprach von einer „großartigen Chance für Hamburg“. Jährlich rechnet die Stadt mit rund 500.000 Besucherinnen und Besuchern. Zentrale Themen wie Biodiversität, Klimawandel und Artenvielfalt sollen dort erlebbar gemacht werden.

Die Entscheidung hat auch eine strategische Vorgeschichte: Bereits 2021 hatte Hamburg gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen die Gründung eines Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels beschlossen. Mit dem Einzug in den Elbtower soll nun der zentrale Baustein dieses Vorhabens umgesetzt werden.

Politische Kontroverse um Elbtower-Weiterbau: Zustimmung und scharfe Kritik

Während SPD und Grüne die Entscheidung als wirtschaftlich sinnvolle Lösung und starkes Signal für Wissenschaft und Stadtentwicklung bezeichnen, kommt aus Opposition und Verbänden massive Kritik. Vertreter des Bund der Steuerzahler Hamburg werfen dem Senat Wortbruch vor, weil dieser jahrelang betont hatte, keine öffentlichen Mittel in das Projekt zu investieren. CDU-Fraktionschef Dennis Thering sprach von einer „Schocksumme“ und kritisierte fehlende Gegenfinanzierungen.

Auch Vertreter von Linkspartei und AfD äußerten sich ablehnend. Sie sehen in der Entscheidung eine finanzielle Entlastung des neuen Investors auf Kosten der Steuerzahler. Immobilienexperten wiederum bemängelten den hohen Preis von fast 13.000 Euro pro Quadratmeter.

Östliche HafenCity: Vertragliche Details noch offen, Baustart 2026 möglich

Die Eckpunkte des Deals stehen fest, der finale Vertrag muss jedoch noch ausgearbeitet werden. Der Senat will in der kommenden Woche seine Zustimmung geben. Nach derzeitigem Stand könnte der Weiterbau im zweiten oder dritten Quartal 2026 beginnen. Eine Fertigstellung des Elbtowers wäre dann bis 2029 oder 2030 möglich.

Sollte die Vereinbarung scheitern, werde die Stadt das Gebäude nicht selbst fertigbauen, betonte Tschentscher. Das finanzielle Risiko bleibe somit aus Sicht des Hamburger Senats begrenzt. Mit dem Ankauf würde Hamburg aber ein deutliches Signal senden, sowohl an den Immobilienmarkt als auch an die Entwicklung der HafenCity.

KI-generierte Vision: Im Sockelbereich des bislang unfertigen Elbtowers könnte das neue Naturkundemuseum „Evolutioneum“ einziehen. Damit würde Hamburg seine naturhistorische Sammlung erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder öffentlich zugänglich machen. / © Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT (KI erstellt)

Quellen: Hamburger Abendblatt, Immobilien-Zeitung, Deal Magazine, David Chipperfield Architects 

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