1979 eröffnete das Palasthotel gegenüber dem Berliner Dom, 2001 verschwand es bereits wieder aus dem Stadtbild. Dazwischen lagen zwei Jahrzehnte, in denen das Haus Hotel, Devisenquelle und politisch kontrollierter Begegnungsort zugleich war.

Teilweise abgerissenes Palasthotel in Berlin-Mitte mit freigelegten Betongeschossen und Abrissbaggern im Vordergrund.

Vom einstigen Palasthotel stand im Frühjahr 2001 nur noch ein Teil des Rohbaus. Der DDR-Hotelkomplex wurde nach gut 21 Betriebsjahren abgerissen, um Platz für das neue DomAquarée zu schaffen. / © Foto: Wikimedia Commons, SpreeTom (CC BY-SA 3.0)

© Foto Titelbild: Bundesarchiv, Bild 183-W1025-0005 (CC-BY-SA 3.0)

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Zahlreiche Schaulustige verfolgten im Frühjahr 2001, wie das einst ikonische Berliner Palasthotel Stück für Stück aus dem Stadtbild verschwand. Am 15. Januar hatten die Abrissarbeiten an dem markanten Komplex zwischen Karl-Liebknecht-Straße, Spandauer Straße und Spree begonnen. Nur gut 21 Jahre nach seiner Eröffnung musste eines der bekanntesten Hotels der DDR dem neuen Quartier „DomAquarée“ weichen.

Dabei hielt das Gelände noch eine unerwartete Überraschung bereit: Im Juni 2001 entdeckten Arbeiter in rund vier Metern Tiefe eine amerikanische 250-Kilogramm-Fliegerbombe. Mehr als 55 Jahre hatte der Blindgänger unbemerkt im Boden gelegen; seit dem Bau des Palasthotels sogar direkt unter dessen mächtigem Betonfundament. Die Bombe wurde schließlich an Ort und Stelle entschärft.

Das Grundstück am Berliner Dom an der Spree blieb nach dem Krieg lange unbebaut

Das Areal gegenüber dem Berliner Dom war vor dem Zweiten Weltkrieg mit Wohnhäusern bebaut. Ein Teil der Gebäude wurde während des Krieges schwer beschädigt, die verbliebenen Ruinen wurden um 1950 beseitigt. Anschließend blieb das zentral gelegene Grundstück über viele Jahre weitgehend ungenutzt.

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Mitte der 1970er-Jahre nahm die DDR-Führung die Fläche erneut in den Blick. In Ost-Berlin entstanden zu dieser Zeit mehrere repräsentative Hotelbauten, mit denen die Hauptstadt internationale Gäste empfangen und zugleich dringend benötigte Devisen erwirtschaften wollte.

Zudem wurde in direkter Nachbarschaft das Prestigeprojekt Palast der Republik realisiert. Die Planungen für das Palasthotel begannen 1976, also direkt im Jahr der Fertigstellung des Palastes.

Entworfen von Ferenc Kiss: Das Palasthotel Berlin wurde 1979 eröffnet

Entworfen wurde das Gebäude vom ungarischen Architekten Ferenc Kiss. Die Leitung der Bauarbeiten übernahm Erhardt Gißke, der auch an anderen Großprojekten in Ost-Berlin beteiligt war. Bereits 1979 konnte das neue Palasthotel eröffnet werden.

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Der dreiflügelige Bau gruppierte sich um einen Innenhof, in dem sich der Haupteingang und die Hotelvorfahrt befanden. Von dort war auch die Tiefgarage erreichbar. Die unteren zwei bis drei Geschosse bildeten einen horizontal gegliederten Sockel, über dem sich – getrennt durch eine Technikebene – der eigentliche Hoteltrakt erhob.

600 Zimmer, 40 Suiten und zahlreiche Restaurants

Mit 600 Zimmern und 40 Suiten bot das Palasthotel insgesamt rund 1.000 Betten. Hinzu kamen weitläufige gastronomische Einrichtungen mit etwa 2.000 Sitzplätzen. Zum Angebot gehörten unter anderem das französische Restaurant „Rôti d’or“, das asiatische Restaurant „Jade“, das Märkische Restaurant und die Domklause.

Auch das „Café am Palast“ mit Blick auf Spree, Berliner Dom und Palast der Republik zählte zu den bekannten Einrichtungen des Hauses. Ergänzt wurde das Angebot durch mehrere Bars, darunter die Skybar, die Sinus-Bar, eine Pianobar und eine Kaminbar. Teile der Gastronomie standen auch DDR-Bürgern offen, während sich der eigentliche Hotelbetrieb aber vor allem an ausländische Gäste richtete.

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Palasthotel in Ost-Berlin: Ein Devisenhotel mit westlichem Komfort

Betrieben wurde das Haus von der staatlichen Interhotel-Kette. Das Palasthotel gehörte zu den Hotels, die gezielt auf ein zahlungskräftiges internationales Publikum ausgerichtet waren. Viele Leistungen wurden mit konvertierbaren Währungen bezahlt. Ausstattung, Service und Warenangebot sollten westlichen Standards entsprechen.

Dazu gehörten Produkte, die im Alltag der DDR nur schwer erhältlich waren. Selbst die Fahrzeugflotte des Hotels hob sich mit Limousinen westlicher Marken deutlich vom Straßenbild Ost-Berlins ab. Das Palasthotel war damit zugleich Schaufenster, Wirtschaftsbetrieb und politisch kontrollierter Begegnungsort.

Historische Gesamtansicht des Palasthotels am Spreeufer mit Grünanlagen des Marx-Engels-Forums und einem Ausflugsschiff im Vordergrund.

Das Palasthotel prägte mit seiner lang gestreckten Fassade über zwei Jahrzehnte das Spreeufer in Berlin-Mitte. Im Vordergrund erstrecken sich die Grünanlagen des Marx-Engels-Forums. / © Foto: Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE), Peter Zimmermann, Bundesarchiv Bild 183-1987-0424-040

Das Ministerium für Staatssicherheit hörte Gäste ab

Hinter der repräsentativen Fassade spielte auch das Ministerium für Staatssicherheit eine bedeutende Rolle. Große Teile des Hotels wurden per Video überwacht. In 25 bis 30 Zimmern sollen versteckte Ton- und Bildaufzeichnungsanlagen installiert gewesen sein. Gäste, die für das MfS von besonderem Interesse waren, wurden gezielt in diesen Räumen untergebracht.

Auch der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski nutzte das Palasthotel als Kontaktort. In zwei Zimmern befand sich ein Büro, das mit der Beschaffung westlicher Produkte befasst war.

Nach der Wende übernahm Radisson das Hotel und modernisierte es

Damit spiegelte das Haus wie kaum ein anderes Hotel die Widersprüche der DDR wider: Nach außen präsentierte es internationalen Komfort, im Hintergrund diente es der Devisenwirtschaft und staatlichen Überwachung.

Nach der deutschen Wiedervereinigung führte die Interhotel AG den Betrieb zunächst weiter. Zeitweise nutzte auch die erste Berliner Landesvertretung Nordrhein-Westfalens einen Teil des Gebäudes. 1992 übernahm die Hotelkette Radisson SAS das Haus.

Am 1. Dezember 2000 stellte das Palasthotel den Betrieb ein und wurde dann abgerissen

Noch 1995 wurde der Komplex für rund 60 Millionen Mark umfassend modernisiert. Dennoch blieb seine weitere Zukunft begrenzt. Am 1. Dezember 2000 stellte das Hotel seinen Betrieb ein, wenige Wochen später begann der Abriss.

Auf dem Grundstück entstand anschließend das „CityQuartier DomAquarée“ mit Hotel, Büros, Wohnungen, Gastronomie und Einzelhandel. Das Palasthotel selbst blieb nur auf Fotografien, in Erinnerungen und in literarischen Werken erhalten. Seine kurze Geschichte steht für den repräsentativen Hotelbau der späten DDR, aber auch für den tiefgreifenden städtebaulichen Wandel in Berlins historischer Mitte nach 1990.

Quellen: DDR-Museum, Wikipedia, Veikkos-Archiv, nd-aktuell

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