Unter einem Grundstück an der Voßstraße verbirgt sich einer der letzten baulichen Reste der ehemaligen Neuen Reichskanzlei. Über der Anlage sollen Wohnungen und Büros entstehen. Nun hat der Berliner Senat deutlich gemacht, wie er mit dem historischen Ort umgehen will.

Ein historischer Lageplan zeigt die Neue Reichskanzlei an der Voßstraße und die Lage des Großen Bunkers sowie weiterer unterirdischer Anlagen.

Der Lageplan ordnet den Großen Bunker der Reichskanzlei entlang der Voßstraße sowie weitere Bunkeranlagen des früheren NS-Regierungsviertels ein. / © Foto: Berliner Unterwelten e.V.

© Titelbild: Berliner Unterwelten e.V. / Reiner Janick

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Unter der Voßstraße in Berlin-Mitte befindet sich ein Überrest des früheren NS-Regierungsviertels. Der Verein Berliner Unterwelten möchte die erhaltene Bunkeranlage in einen Informations- und Dokumentationsort integrieren. Der Berliner Senat verfolgt dagegen weiterhin die geplante Bebauung des Grundstücks.

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Voßstraße 13–15, 10117 Berlin
  • Projektstatus: Neubebauung geplant
  • Geplante Nutzung: Wohnen und Büro
  • Wohnungen: 66 Einheiten

Der Streit um die Zukunft des Areals beschäftigt inzwischen auch das Abgeordnetenhaus. Auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Abgeordneten Michael Efler und Anne Helm, über die der Tagesspiegel berichtet, erklärte Bau-Staatssekretär Alexander Slotty (SPD), dass der Senat grundsätzlich an der Neubebauung festhält. Eine endgültige Baugenehmigung gibt es allerdings noch nicht. Nach Angaben des Senats wird derzeit ein Widerspruch gegen Teile eines Vorbescheids geprüft.

Ein Bagger steht bei Erdarbeiten über dem Zugang zum Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei in Berlin-Mitte.

Bei Erdarbeiten wurde der Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei freigelegt und untersucht. Die Aufnahme dokumentiert die Öffnung der unterirdischen Anlage im Jahr 2007. / © Foto: Berliner Unterwelten e.V. / Reiner Janick

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Reichskanzlei in Berlin: Um welchen Bunker geht es eigentlich?

Damit geht die Debatte weiter, die bereits im Sommer öffentlich wurde. Anfang August hatte der Verein Berliner Unterwelten ein Konzept für den Erhalt des Bunkers vorgestellt. Dabei geht es nicht darum, die Bebauung des Grundstücks grundsätzlich zu verhindern. Der Verein will vielmehr untersuchen lassen, ob sich Neubau und historische Anlage miteinander verbinden lassen.

Gerade bei der Bezeichnung der unterirdischen Anlage gibt es einen wichtigen Unterschied. Der Senat spricht nach der aktuellen parlamentarischen Antwort von einem sehr kleinen Rest eines Bunkers, der der Fahrbereitschaft gedient habe. Die Berliner Unterwelten widersprechen dieser Zuordnung. Nach ihren Unterlagen seien noch rund 45 Prozent des sogenannten Großen Bunkers der Neuen Reichskanzlei erhalten. Der Verein beziffert die nutzbare Fläche auf etwa 1.250 Quadratmeter.

Voßstraße 13–15: Planungen reichen mehrere Jahre zurück

Auch amtliche Unterlagen stützen zumindest die Unterscheidung verschiedener Anlagen. Der Landesdenkmalrat schrieb im März 2025 ausdrücklich von baulichen Resten des „Großen Bunkers unter der Neuen Reichskanzlei“ auf dem Grundstück Voßstraße 13–15. Damals ging das Gremium von etwa 50 Prozent des ursprünglichen Bauwerks aus. Einen anderen Bunker, der für die Fahrbereitschaft der Reichskanzlei genutzt wurde, führt die Berliner Denkmaldatenbank als Bodendenkmal.

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Für das Grundstück an der Voßstraße 13–15 besteht zudem bereits Baurecht. Laut Landesdenkmalrat überplant der Bebauungsplan die Reste des Großen Bunkers. Zudem bestehen ältere vertragliche Verpflichtungen zwischen dem Land Berlin und der Eigentümerseite. Dazu gehört die Baufeldfreimachung. Denkmalrechtliche Fragen seien in diesen Vereinbarungen allerdings nicht ausdrücklich geregelt worden.

Ein Mann steht in einem überfluteten Raum des Bunkers der ehemaligen Neuen Reichskanzlei neben einer stark verrosteten Stahltür.

Bei einer Erkundung des Bunkers der ehemaligen Neuen Reichskanzlei waren Teile der Anlage bereits überflutet. Die Aufnahme dokumentiert den Zustand der unterirdischen Räume. / © Foto: Berliner Unterwelten e.V. / Reiner Janick

Gebaut werden sollen zwei Gebäude überm NS-Bunker

Nachdem die Vorhabenträgerin bis 2018 weitere angrenzende Grundstücksteile erworben hatte, stimmten Eigentümerin, Land Berlin und Bezirksamt Mitte die Entwicklung des Gesamtgrundstücks ab

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2023 und 2024 liefen anschließend Gespräche zur Vorbereitung eines städtebaulich-hochbaulichen Workshopverfahrens; dessen Auslobung erschien im Januar 2025. Vorgesehen sind zwei Gebäude, die die vorhandene Bebauung an der Voßstraße fortsetzen sollen.

Landesdenkmalrat sieht möglichen Abriss des Bunkers kritisch

Der Landesdenkmalrat bezog bereits im März 2025 eine deutlich andere fachliche Position zum historischen Bestand. Er bezeichnete die Bunkeranlagen als materielle Zeugnisse des früheren NS-Regierungszentrums und empfahl, Erhaltungszustand und eine mögliche Eintragung in die Denkmalliste zu prüfen.

Untersuchungen aus dem Jahr 2007 hätten einen guten Zustand des erhaltenen Bunkerteils ergeben, obwohl dieser unter Grundwassereinfluss stehe. Die Senatsbaudirektorin entschied nach der aktuellen Senatsantwort im Januar 2026 dagegen, die betroffene Anlage nicht als Denkmal einzustufen. Als ein Grund werden die bereits bestehenden vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Vorhabenträgerin genannt.

Berliner Unterwelten wollen Bunker in den Neubau integrieren

Der Verein Berliner Unterwelten verfolgt auch deshalb ein anderes Konzept. Er möchte die erhaltenen Räume als Informations-, Lern- und Dokumentationsort nutzen und dort unter anderem das Ende des NS-Regimes, die letzten Kriegstage in Berlin sowie die spätere Geschichte des Areals vermitteln.

Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, wie sich die Bunkerreste technisch und wirtschaftlich in den Neubau integrieren lassen. Das letzte Wort scheint hier jedenfalls noch nicht gesprochen zu sein.

Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei
Unter dem Grundstück Voßstraße 13–15 befinden sich Reste einer Bunkeranlage der ehemaligen Neuen Reichskanzlei. Für das Areal sind Wohn- und Bürogebäude geplant; über den Erhalt des historischen Bestands wird weiterhin diskutiert.

Quellen: Landesdenkmalrat Berlin, Berliner Unterwelten, Tagesspiegel

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