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In Lichterfelde-Süd verzögert ein Ameisenhaufen möglicherweise den Bau eines der größten Wohnquartiere Berlins. Während der Investor auf eine schnelle Lösung drängt, verweist das Bezirksamt auf Artenschutz und saisonale Grenzen. Der Streit zeigt exemplarisch, wie ökologische Fragen Bauvorhaben in der Hauptstadt beeinflussen können.
Eine Visualisierung vom künftigen Wohnquartier Neulichterfelde.

Die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen für die Realisierung des Quartiers „Neulichterfelde“ haben ganz im Südwesten Berlins begonnen. Doch ein Ameisennest könnte nun zu unabsehbaren Verzögerungen im Bau führen. / © Visualisierung: Groth Gruppe

© Visualisierungen: Groth Gruppe

 

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In Lichterfelde-Süd entsteht auf einem riesigen Areal eines der größten Wohnprojekte Berlins. Bis 2033 sollen dort rund 2.500 Wohnungen gebaut werden, in denen etwa 6.000 Menschen leben könnten. Doch noch vor dem eigentlichen Baustart sorgt der Fund einer Kahlrückigen Waldameise für Konflikte.

Seit Jahren werden auf dem Gelände bereits Zauneidechsen eingesammelt und umgesiedelt. Nun muss auch ein Ameisennest berücksichtigt werden, das im Juli im zweiten Bauabschnitt entdeckt wurde. Der Investor Groth Gruppe stellte daraufhin einen Antrag auf Umsiedlung, den das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf jedoch ablehnte. Die Begründung: Die geeignete Zeit für Umsiedlungen sei von März bis Mai, eine spätere Verlagerung gefährde das Überleben des Volkes, wie der Tagesspiegel berichtet.

Wohnungsbau in Lichterfelde-Süd: Ameisennest gefährdet Zeitplan für Baumfällungen und Infrastrukturarbeiten

Die Groth Gruppe hält die Entscheidung für problematisch. Das Unternehmen betont, dass vor Beginn der Bauarbeiten nachgewiesen werden müsse, dass keine geschützten Arten mehr auf den Flächen leben. Ohne eine Umsiedlung könnten wichtige Baumfällungen nicht wie geplant erfolgen. Sprecherin Anette Mischler erklärte dem Tagesspiegel, Berlin brauche dringend neuen Wohnraum, doch ein Ameisenhaufen könne einen ganzen Bauabschnitt verzögern.

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Sollte das Nest erst im kommenden Frühjahr verlegt werden, dürften keine Bäume gefällt werden. Damit würde sich die Freimachung des Areals auf die Fällperiode 2026 verschieben. Der Investor sieht dadurch den Zeitplan für die gesamte Infrastruktur in Gefahr, da Strom-, Wasser- und Internetleitungen nicht rechtzeitig verlegt werden könnten.

Umweltstadtrat Aykal pocht auf Artenschutz und warnt vor voreiliger Rodung in Lichterfelde-Süd

Der zuständige Umweltstadtrat Urban Aykal (Grüne) zeigt sich von der Kritik verärgert. Er betont laut dem Tagesspiegel, dass das Bezirksamt in engem Austausch mit der Groth Gruppe stehe. Ihm sei vor allem der Bau von Sozialwohnungen wichtig, doch beim Artenschutz müsse Sorgfalt Vorrang haben. Ein voreiliges Handeln sei nicht im Sinne der gesetzlichen Vorgaben.

Zwar habe es im Vorjahr bereits eine Umsiedlung im Spätsommer gegeben, doch laut Amt habe diese gegen den Grundsatz der Vermeidung von Risiken verstoßen. Das umgesiedelte Volk habe zwar überlebt, dennoch sei das Vorgehen im Nachhinein als unzulässig bewertet worden. Die Behörde befürchtet, dass durch Druck ganze Flächen gerodet werden könnten, ohne dass anschließend zeitnah gebaut wird.

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Lichterfelde-Süd: Zwischen dringend benötigtem Wohnungsbau und dem Schutz sensibler Ökosysteme

Der Fall in Lichterfelde-Süd macht deutlich, wie eng ökologische Belange und die Schaffung von Wohnraum miteinander verknüpft sind. Während die Stadt dringend neue Wohnungen benötigt, schützen gesetzliche Regelungen die Lebensräume von Tieren wie Ameisen oder Zauneidechsen. Zwischen pragmatischen Lösungen und ökologischer Verantwortung gilt es, einen Ausgleich zu finden.

Gerade weil der Mensch immer stärker in Lebensräume von Tieren eingreift, sollen gesetzliche Regelungen verhindern, dass Arten verdrängt werden, mit weitreichenden Folgen für das gesamte Ökosystem. Am Donnerstag will das Bezirksamt gemeinsam mit dem Senat und der Groth Gruppe erneut beraten, wie der Prozess beschleunigt und zugleich der Artenschutz gewährleistet werden kann.

Visualisierung der Wohnhäuser mit Bäumen und Wegen zwischen den Gebäuden.

© Visualisierung: Groth Gruppe

Quellen: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Groth Gruppe, Tagesspiegel, Architektur Urbanistik Berlin, Berliner Morgenpost

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