DMSW hat den Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur gewonnen. Der Neubau am Mittelweg in Berlin-Neukölln überzeugt vor allem durch seine monolithische Backsteinfassade und die klare architektonische Antwort auf ein Grundstück, das lange als unbebaubar galt.

Schmales, sechsgeschossiges Eckgebäude aus hellem Backstein mit zurückspringenden Loggien, umgeben von Bäumen und parkenden Autos, im Hintergrund ältere Nachbargebäude.

Die rechtwinklig hervorstehende Ecke am Mittelweg entstand aus den strengen Brandschutzvorgaben des schwierigen Grundstücks./ © Foto: Jan Bitter

© Titelbild: Jan Bitter

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Am Mittelweg in Berlin-Neukölln steht ein Gebäude, das eigentlich nicht existieren dürfte. Grund dafür ist eine Stadtplanung aus dem Jahr 1915. Sie sah hier den Bau einer Straße vor, die quer durch den Block führen sollte. Dieser Plan gilt bis heute, doch die Straße wurde nie gebaut. Das Stadtplanungsamt erteilte deshalb eine Ausnahmegenehmigung für den Neubau, der zu einem großen Teil auf öffentlicher Straßenfläche steht.

Zusätzlich erschwerten reale Gegebenheiten das Vorhaben. Ein nicht überbaubarer Abwasserkanal verläuft über das Grundstück, und zwei Nachbargebäude orientieren sich an der nie gebauten Straße. Deshalb rückte das Berliner Büro DMSW seinen Baukörper von der ursprünglichen Straßenflucht ab. Die Architekten entwickelten das Projekt gemeinsam mit einer Baugemeinschaft, der sie selbst angehören. Zudem übernahmen sie die Projektentwicklung sowie die Leistungsphasen eins bis fünf.

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Neubau an der Thomashöhe: Wohn- und Bürogebäude einer Baugemeinschaft entsteht

Auf dem schwierigen Grundstück entstand dennoch bis 2023 das sechsgeschossige Wohn- und Bürogebäude. In den oberen Stockwerken liegen neun Eigentumswohnungen, während sich im Erdgeschoss ein Büroraum befindet, den DMSW selbst nutzt. Ausschreibung und Bauleitung übernahm das Berliner Büro Senftleben.

Die Bruttogrundfläche liegt bei rund 2100 Quadratmetern. Die Baukosten beliefen sich auf knapp 3,8 Millionen Euro brutto. Das entspricht etwa 2.700 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche und liegt damit deutlich unter den marktüblichen Preisen für Neubauten in Berlin.

Architektursprache im Mittelweg: Backstein und Loggien prägen die Fassade

Offener Wohn- und Essbereich mit Holztisch und Stühlen, im Hintergrund eine Frau, die durch den Raum geht, rechts eine große Fensteröffnung mit Blick auf eine Loggia und Bäume.

Alle Wohnungen sind Ost-West durchgesteckt und verfügen über eine tiefe Loggia, die die Räume zoniert. / © Foto: Dawin Meckel

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Auch die Kubatur des Gebäudes reagiert auf die schwierige Ausgangslage. Da von der stumpfen Ecke des östlichen Nachbargebäudes ein Brandüberschlag drohte, schrieb der Brandschutz eine lange Brandwand vor. So löste DMSW das Problem mit einer rechtwinklig hervorstehenden Ecke am Mittelweg. Da der Winkel zur westlichen Nachbarparzelle im Hof zu spitz gewesen wäre, spiegelten die Architektinnen und Architekten diese Lösung dort. Zusätzlich schnitten sie die Spitze des Baukörpers ab, damit die Loggien des nordwestlichen Nachbarhauses nicht verschattet würden.

Die helle Klinkerfassade zieht sich bis in die Fensterlaibungen und verleiht dem Haus eine monolithische Wirkung. Tiefliegende Holzfenster verstärken diesen Eindruck zusätzlich. Alle Wohnungen sind ostwestlich durchgesteckt und haben eine Loggia, die die Räume zoniert. Im Gartenhof erinnern Waldkiefern und Moosböden an den benachbarten denkmalgeschützten Hof. Auf dem Dach speichert zudem ein begrünter Garten Regenwasser, und die Flächen bleiben weitgehend entsiegelt.

Ausgezeichnete Architektur in Neukölln: DMSW-Projekt gewinnt Erich-Mendelsohn-Preis

Für das Projekt am Mittelweg gibt es nun eine weitere Auszeichnung: den Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur in der Kategorie Best in Germany. Der Preis würdigt seit 2008 alle drei Jahre die besten Backsteinbauten weltweit. Die Jury lobte, das Gebäude schließe eine Baulücke zwischen unterschiedlich geprägten Häusern. Zudem bilde es trotz des schwierigen Grundstücks eine klare Grundstücksgrenze. Die monolithische Backsteinfassade verleihe dem Haus eine Materialität, die zum Ort passe. Deshalb liege die Stärke des Projekts im städtebaulichen Umgang.

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Es ist bereits die dritte Auszeichnung für das Projekt. Beim polis Award 2026 belegte es den ersten Platz in der Kategorie Intelligente Nachverdichtung. Bereits 2024 hatte zudem der BDA Berlin das Vorhaben ausgezeichnet. Die Jury würdigte dabei, dass die hohe architektonische Qualität deutlich unterhalb üblicher Marktpreise entstanden sei.

Quellen: DMSW Architekten, STÖBE.

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